Astronomisches Modell Milchstraße hat Milliarden erdähnliche Planeten

Ein europäisches Forscherteam hat neu abgeschätzt, wie viele lebensfreundliche Planeten es in unserer kosmischen Nachbarschaft geben könnte. Die Zahl fällt extrem hoch aus - auch wenn viele der Himmelskörper wohl regelmäßig von Strahlungsblitzen geröstet werden.

Gliese 667Cc (künstlerische Darstellung): "Mehrere zehn Milliarden solcher Planeten"
AFP/ ESO/ L. Calcada

Gliese 667Cc (künstlerische Darstellung): "Mehrere zehn Milliarden solcher Planeten"


Berlin - Rote Zwerge gibt es in unserer Milchstraße jede Menge. So nennen Astronomen eine Klasse von Sternen, die um einiges kleiner und an der Oberfläche deutlich kühler sind als unsere Sonne. Sie machen etwa 80 Prozent der Sterne in unserer Galaxie aus - weil sie wegen der nur langsam ablaufenden Kernfusion in ihrem Inneren extrem lange Lebensspannen haben.

Allein in der Milchstraße existieren etwa 160 Milliarden Rote Zwerge. Und dass sie ein interessantes Ziel für die Suche nach Planeten außerhalb unseres Sonnensystems sind, ist nicht unbedingt neu. Sehr wohl neu ist aber die Schätzung eines europäischen Forscherteams, die noch einmal klarmacht, wie viele potentiell lebensfreundliche Exoplaneten es allein in unserer kosmischen Nachbarschaft geben könnte.

Mit dem Harps-Spektrografen, der an das 3,6-Meter-Teleskop der Europäischen Südsternwarte im chilenischen La Silla angeschlossen ist, haben sich die Wissenschaftler gut hundert Rote Zwerge am Südhimmel angesehen. Exoplaneten wiesen sie dabei indirekt nach, mit der Radialgeschwindigkeitsmethode: Die macht sich zunutze, dass der Planet mit seiner Masse dafür sorgt, dass sich das Zentralgestirn normalerweise von der Erde aus gesehen bewegt - mal von uns weg, mal auf uns zu. Dabei verschiebt sich die Wellenlänge seines ausgesandten Lichtes periodisch.

In der Nähe der beobachteten Roten Zwerge konnten die Forscher binnen sechs Jahren insgesamt neun Supererden nachweisen. Das sind Planeten mit einer Masse, die zwischen der unserer Erde und dem zehnfachen Wert rangiert. Zwei dieser Himmelskörper kreisten sogar in der sogenannten habitablen Zone, also in einer Entfernung zum Zentralgestirn, die das Vorhandensein von flüssigem Wasser auf dem Planeten möglich macht. Interessant erscheint den Forschern zum Beispiel das Exemplar mit dem Namen Gliese 667Cc. Dessen Umlaufbahn liegt sogar nahe der Mitte der habitablen Zone des entsprechenden Planetensystems.

100 Supererden im Abstand von 30 Lichtjahren um die Sonne

Doch Gliese 667Cc ist nur einer von vielen - die schiere Zahl möglicher Planeten begeistert die Forscher. "Weil Rote Zwerge so häufig sind, führt uns das zu der erstaunlichen Schlussfolgerung, dass es alleine in unserer Milchstraße mehrere zehn Milliarden solcher Planeten gibt", sagt Xavier Bonfils vom Observatoire des Sciences de l'Univers im französischen Grenoble. Er leitete die Studie, deren Ergebnisse im Fachblatt "Astronomy & Astrophysics" vorgestellt werden sollen.

Die Forscher hatten ihre Beobachtungen mit Berechnungen verknüpft, wie häufig verschiedene Arten von Exoplaneten in der Nähe von Roten Zwergen vorkommen dürften. Dabei kamen sie zu dem Schluss, dass Supererden dort sogar häufiger sind als große Gasriesen, vergleichbar mit Jupiter und Saturn in unserem Sonnensystem.

Die Forscher gehen auf Basis ihrer Schätzungen davon aus, dass es im Abstand von 30 Lichtjahren um unser Sonnensystem herum etwa hundert Supererden geben könnte, die Rote Zwerge umkreisen. Das ist natürlich ein statistischer Wert, gesehen hat diese Himmelskörper in unserem kosmischen Hinterhof noch niemand. Doch allein der Umstand, dass es sie in so großer Zahl geben könnte, ist faszinierend.

Allerdings sagt die Zahl der möglichen Supererden in - auf dem Papier - lebensfreundlicher Umgebung nichts darüber aus, ob sich dort tatsächlich auch Leben entwickeln konnte. Rote Zwerge haben als Zentralgestirn nämlich ein kleines Problem: Die habitable Zone liegt bei ihnen deutlich näher am Zentralstern als die Bahn der Erde an der Sonne. Und diese Nähe kann dann und wann tödliche Folgen haben - weil die Sterne zu Helligkeitsausbrüchen neigen, sogenannten Flares. "Diese Flares würden die Planeten einer sehr intensiven Ultraviolett- und Röntgenstrahlung aussetzen. Die Existenz von Leben dürfte unter solchen Umständen sehr unwahrscheinlich sein", sagt Stéphane Udry vom Observatoire de Genève, der ebenfalls an der aktuellen Studie beteiligt war.

chs

insgesamt 125 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Stuhlbeinsäger 29.03.2012
1. Gibt es außerirdisches Leben?
Diese Frage bleibt, wir ahnten es schon, weiter unbeantwortet. Wenden wir uns daher doch einfach wieder den irdischen Dingen zu. Da gibt es noch ein paar klitzekleine Dinge zu regeln.
doyle78 29.03.2012
2.
Zitat von sysopAFP/ ESO/ L. CalcadaEin europäisches Forscherteam hat neu abgeschätzt, wie viele lebensfreundliche Planeten es in unserer kosmischen Nachbarschaft geben könnte. Die Zahl fällt extrem hoch aus - auch wenn viele der Himmelskörper wohl regelmäßig von Strahlungsblitzen geröstet werden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,824575,00.html
"If we are alone in the Universe, it sure seems like an awful waste of space"
markensteinchen 29.03.2012
3. Was heisst schon "erdaehnlich"?
Abgesehen von der moeglicherweise erhoehten Strahlung nicht zu vernachlaessigen ist auch dass wahrscheinlich die allermeisten dieser Planeten aufgrund von "tidal locking" ihrem Muttergestirn immer dieselbe Seite zuwenden werden, d.h. eine Seite liegt in permanenter Dunkelheit und Kaelte waehrend die andere dauer-geroestet wird. Dieser Aspekt ist sicher nicht "erdaehnlich"! Wenn diese Planeten Atmosphaere haben wird es dort dauerhaft Stuerme geben die ihresgleichen suchen!
Gebetsmühle 29.03.2012
4. vorsicht
Zitat von sysopAFP/ ESO/ L. CalcadaEin europäisches Forscherteam hat neu abgeschätzt, wie viele lebensfreundliche Planeten es in unserer kosmischen Nachbarschaft geben könnte. Die Zahl fällt extrem hoch aus - auch wenn viele der Himmelskörper wohl regelmäßig von Strahlungsblitzen geröstet werden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,824575,00.html
au weia, habt ihr das den bibeltreuen fundamentalisten schon gesagt? nicht dass jetz einer kommt, gott hat woanders eine bessere welt geschaffen und auf der erde nur geübt.
mitsaras 29.03.2012
5.
Zitat von Gebetsmühleau weia, habt ihr das den bibeltreuen fundamentalisten schon gesagt? nicht dass jetz einer kommt, gott hat woanders eine bessere welt geschaffen und auf der erde nur geübt.
Ich kann das nicht mehr hören.."auf der Erde ist alles zufällig Enstanden!.." ..damit Leben möglich ist. Nun, bei soviele Milliarden erdähnlinchen Planeten, muss ja der Zufall zuschlagen!^^ Ob sich der Zufall wiederholt? Amen!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.