Milchstraße Jeder zweite Stern hat erdähnliche Planeten

Wie viele Gegenstücke hat die Erde im All? US-Astronomen glauben, dass es allein in unserer Galaxie Milliarden davon gibt. Jeder zweite Stern soll Planeten besitzen, die etwa so groß sind wie die Erde.

Exoplaneten (Zeichnung): Milliarden Exemplare in der Milchstraße
AP/ Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics

Exoplaneten (Zeichnung): Milliarden Exemplare in der Milchstraße


Long Beach/Washington - In der Milchstraße wimmelt es einer neuen Schätzung zufolge von erdähnlichen Planeten. Vermutlich besitze mindestens jeder zweite Stern in etwa erdgroße Planeten, berichteten US-Wissenschaftler am Dienstag auf der Jahrestagung der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft (AAS) in Long Beach (Kalifornien). Laut einer früheren Studie gibt es in unserer Galaxie mehrere zehn Milliarden Planeten im Format der Erde. Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass es auf einem dieser Milliarden Himmelskörper auch Leben gibt.

Forscher um Astronomieprofessor Geoff Marcy von der University of California in Berkeley hatten die Daten des Planetenjägers "Kepler" der US-Raumfahrtbehörde Nasa analysiert. Das 2009 gestartete Weltraumteleskop hat bereits mehr als 2700 Exoplaneten-Kandidaten bei anderen Sternen aufgespürt, wie die Nasa in Washington mitteilte. Insbesondere Hinweise auf kleinere Planeten von erdähnlicher Größe tauchten in den "Kepler"-Daten immer häufiger auf. "Es ist nicht mehr die Frage, ob wir ein echtes Gegenstück zur Erde finden, sondern die Frage, wann", betonte "Kepler"-Forscher Steve Howell vom Ames-Forschungszentrum der Nasa.

Die Analyse der "Kepler"-Daten durch das Team um Marcy zeigt, dass zumindest jeder sechste sonnenähnliche Stern erdgroße Planeten besitzt, die ihn eng umkreisen - in maximal einem Viertel der Entfernung unserer Erde zur Sonne. Auf so engen Bahnen ist es allerdings in der Regel für Leben zu heiß.

15 Kandidaten in der bewohnbaren Zone

Weiterführende Analysen, die auch größere Umlaufbahnen einbeziehen, legten jedoch nahe, dass etwa die Hälfte aller Sterne ungefähr erdgroße Planeten habe, die ihren Heimatstern in maximal derselben Entfernung umkreisten wie unsere Erde die Sonne, berichtete das Team.

Auf der Suche nach Exoplaneten misst "Kepler" regelmäßig die Helligkeit von rund 150.000 Sonnen im Sternbild Schwan. Zieht von der Erde aus gesehen ein Planet direkt vor seinem Heimatstern vorbei, dunkelt er ihn ganz leicht ab. Diese Mini-Sternenfinsternis kann "Kepler" messen.

Doch die automatische Auswertung der Daten findet nicht alle Planetenkandidaten. In einem großen Bürgerprojekt, an dem sich jeder beteiligen kann, werden die "Kepler"-Beobachtungen von Freiwilligen begutachtet. Das Projekt Planet Hunters (Planetenjäger), das unter anderem von den Universitäten Oxford und Yale koordiniert wird, hat bereits knapp 50 zuvor unentdeckte Planetenkandidaten in den "Kepler"-Daten gefunden, wie die Yale-Universität berichtete. Darunter finden sich 15 Kandidaten in der bewohnbaren Zone ihres Sterns, wo die Temperaturen gerade richtig für flüssiges Wasser sind. Flüssiges Wasser gilt als Voraussetzung für Leben, wie wir es kennen.

Einer dieser 15 Kandidaten, ein Jupiter-großer Gasriese mit der Katalognummer PH2b, ist durch Nachbeobachtungen bereits als Planet bestätigt worden. Anzeichen für Leben wurden bislang bei keinem Exoplaneten gefunden. Yale-Astronom Ji Wang betonte jedoch, dass nicht nur die Planeten selbst als mögliche Heimat für extraterrestrisches Leben in Frage kommen. "Jeder Mond um den neu entdeckten, Jupiter-großen Planeten könnte bewohnbar sein. Das wäre ganz ähnlich wie im Film "Avatar" dargestellt - der bewohnbare Mond Pandora um den Riesenplaneten Polyphemus."

hda/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 53 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Stelzi 09.01.2013
1. Schlecht formuliert
Zitat von sysopAP/ Harvard-Smithsonian Center for AstrophysicsWie viele Gegenstücke hat die Erde im All? US-Astronomen glauben, dass es allein in unserer Galaxie Milliarden davon gibt. Jeder zweite Stern soll Planeten besitzen, die etwa so groß sind wie die Erde. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/milchstrasse-jeder-zweite-stern-hat-erdaehnliche-planeten-a-876429.html
Geglaubt wird in der Kirche. Wissenschaft funktioniert anders.
mindphuk 09.01.2013
2.
Zitat von sysopAP/ Harvard-Smithsonian Center for AstrophysicsWie viele Gegenstücke hat die Erde im All? US-Astronomen glauben, dass es allein in unserer Galaxie Milliarden davon gibt. Jeder zweite Stern soll Planeten besitzen, die etwa so groß sind wie die Erde. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/milchstrasse-jeder-zweite-stern-hat-erdaehnliche-planeten-a-876429.html
Gewagte Schätzung, unzulänglicher Artikel. Was der Artikel verschweigt ist, dass und wie hier eine Hochrechnung gemacht wurde. Von Kepler wird nur ein winziger Himmelsauschnitt begutachtet. Die Prozentzahl an vermuteten Planeten wird dann auf die gesamte Galaxie hochgerechnet. Zwar kann man mit der Transitmetode nur bestimmte Systeme entdecken, nämlich jene, welche zufällig in einer Ebene mit unserer Sichtlinie sind, andererseits ist die Materie in der Galaxie auch ungleichmäßig verteilt. Eine Metallizität wie die der Sonne gibt es nur in einem schmalen Bereich der galaktischen Scheibe ("Thin Disk"), die Metallhäufigkeit ist aber vorraussetzung für Planeten, insbesondere Erdähnliche. Dazu kommt noch, dass in den Spiralarmen und im Zentrum die Sternendichte viel höher ist und es damit auch schwieriger wird, stabile Orbits für längere Zeit zu halten. Besonders die kleinen Erden dürften daher oft aus ihren Systemen gekickt werden, wenn Jupiters oder größere Brocken durch vorbei ziehende Sterne Bahnstörungen erfahren, insbesondere wenn die Gaswolken aus denen die Sterne entstehen eben wenig Metalle haben und es dort mehr Wasserstoff/Helium-Gasriesen geben wird, als Felsenplaneten. Man kann also nicht einfach einen beliebigen Himmelsauschnitt nehmen, die möglichen Erden dort zählen und das einfach hoch rechnen. Sicherlich wird es etliche terristische Planeten geben aber ihre genaue Anzahl kann man mit diesen Daten noch nicht herleiten, nicht mal halbwegs fundiert spekulieren.
peter_gurt 09.01.2013
3. Was bringt es?
Selbst wenn die perfekte Zweiterde gefunden wird, was bringts? Alles ist so weit weg, dass wir selbst mit Lichtgeschwindigkeit eine halbe Ewigkeit dorthin brauchen. Es werden nur sinnlos Unsummen verschleudert und in den Medien wird jedesmal so getan, als ob da etwas ganz tolles entdeckt wurde.
fade0ff 09.01.2013
4. Anzeichen für Leben ...
... können wir bisher nicht mal auf dem Mars sicher verifizieren. Auf den Monden des Jupiter oder Saturn noch weniger. Bezüglich der Planeten, die man nur aus Helligkeitsschwankungen ihrer Sterne ableitetet, kann man aber nicht mal etwas über die Zusammensetzung ihrer Atmosphäre sagen. Eine Aussage wie "Anzeichen für Leben wurden bislang bei keinem Exoplaneten gefunden" ist insofern vollkommen inhaltsfrei.
infoseek 09.01.2013
5. Falsche Übersetzung
Zitat von StelziGeglaubt wird in der Kirche. Wissenschaft funktioniert anders.
"believe" bedeutet eben nicht nur "glauben" - wie selfmade-Übersetzer permanent und penetrant "glauben". Gerade bei wissenschaftlichen Texten wäre die Übersetzung "annehmen" oder "vermuten" richtig. Guckstu hier: dict.leo.org - Ergebnisse für "believe" (http://dict.leo.org/ende?lp=ende&lang=de&searchLoc=0&cmpType=relaxed&sectHdr=on&spellToler=&search=believe)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.