Milchstraße: Schwarzes Loch stiftet fruchtbares Chaos

Von "National-Geographic"-Autor Ken Croswell

Astronomen erkunden das rätselhafte Innere unserer Milchstraße, in deren Zentrum ein gigantisches Schwarzes Loch Sterne schluckt. Echos von Röntgenstrahlen künden von diesen Opfern. Gleichzeitig bietet die Region gute Voraussetzungen für die Entstehung von Leben.

Milchstraße: Süchtig nach neuen Sternen Fotos
NASA/ JPL

Bescheidenheit zu zeigen könnte uns - den Bewohnern der Milchstraße - schwerfallen, sollten wir einmal mit Außerirdischen aus anderen Sternennebeln ins Gespräch kommen. Denn unsere Galaxis ist heller und gewaltiger als die meisten anderen. Die für das Auge sichtbare Scheibe unserer Milchstraße misst von einem Ende zum anderen 120.000 Lichtjahre. Um sie herum liegt noch eine Hülle aus Wasserstoffgas, die nur mit Radioteleskopen nachweisbar ist. Dutzende kleinerer Galaxien umschwirren unsere Milchstraße wie Monde einen Planeten.

Unsere Sternenheimat hat mindestens einen Planeten mit intelligentem Leben vorzuweisen: die Erde.

Riesengalaxien bringen nämlich große Mengen an Eisen, Sauerstoff, Silizium, Magnesium und anderen Elementen hervor. Diese Stoffe, die von den vielen Sternen der Milchstraße erzeugt werden, sind die notwendigen Bausteine erdähnlicher Planeten. Und unentbehrliche Bestandteile des Lebens (wie wir es kennen): Man denke etwa an den Sauerstoff, den wir atmen, das Kalzium in unseren Knochen, das Eisen in unserem Blut.

Wenn in einer kleineren Galaxis ein Stern explodiert, schießen diese Elemente ungebremst in den Weltraum und gehen in der Weite verloren. In der Milchstraße dagegen kollidieren die Teilchen mit interstellarem Gas und Staub. Sie werden zudem vom starken Gravitationsfeld der Galaxis festgehalten und so weit abgebremst, dass sich Gaswolken mit den Zutaten für neue Sternen- und Planetengenerationen anreichern können. Genau das geschah vor 4,6 Milliarden Jahren, als Sonne und Erde aus einem heute verschwundenen interstellaren Nebel entstanden. Ähnliches könnte sich auch in der einen Nachbargalaxis abgespielt haben, die größer ist als unsere: im Andromedanebel.

Über dessen Gestalt wissen wir übrigens mehr als über die Milchstraße, denn den Andromedanebel sehen wir von weit draußen, während wir unsere eigene Galaxis von innen heraus erkunden müssen. Gerade in den vergangenen zehn Jahren haben Astronomen allerdings viele neue Erkenntnisse über unsere kosmische Heimat gewonnen. Ganz besonders über das große Schwarze Loch in ihrer Mitte.

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insgesamt 63 Beiträge
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1. Wo Raum und Zeit endet, endet unser menschliches Verständnis.
heinrichp 19.12.2010
Zitat von sysopAstronomen erkunden das rätselhafte Innere unserer Milchstraße, in deren Zentrum ein gigantisches Schwarzes Loch Sterne schluckt. Echos von Röntgenstrahlen künden von diesen Opfern. Gleichzeitig bietet die Region gute Voraussetzungen für die Entstehung von Leben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,731851,00.html
Seit dem Urknall vor 13,7 Milliarden Jahren dehnt sich das Universum aus. Auch wenn viele Fragen noch ungeklärt sind, haben die Kosmologen doch inzwischen eine recht genaue Vorstellung davon, wie es sich entwickelt hat von den ersten Sekundenbruchteilen nach dem Urknall bis heute. Mit Albert Einsteins berühmter allgemeiner Relativitätstheorie, die den Zusammenhang von Raum, Zeit und Materie beschreibt, können sie diese Ausdehnung zurückrechnen - als würden sie einen Film rückwärts abspielen. Doch am Ende dieser Rechnung steht ein für Wissenschaftler sehr unerfreulicher Punkt: die so genannte Singularität. An dieser Stelle bricht die bekannte Physik zusammen, denn das ganze Universum ist hier in einem Punkt vereint - Raum und Zeit existieren nicht. Der bekannte Physiker Stephan Hawking und der Mathematiker Roger Penrose bewiesen, dass eine solche Singularität im Rahmen von Albert Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie unvermeidlich ist. Wo Raum und Zeit endet, endet unser menschliches Verständnis. Erst wenn das große Ganze des Universums quantenmechanisch klein wäre - oder um das von Hawking zitierte Shakespeare-Wort aufzugreifen: Wenn es in einer Nussschale Platz hätte, müssten Relativitätstheorie und Quantenmechanik zugleich gelten. Wie dies mathematisch zu bewerkstelligen wäre, weiß im Moment allerdings noch niemand. http://die-welt-der-reichen.over-blog.de/pages/Das_groe_Universum_und_die_kleinsten_Teilchen-1451066.html
2. Kann mir mal einer sagen,
h0l0fernes 19.12.2010
welche REALEN - NICHT EINGEBILDETEN - Auswirkungen die Entdeckung, oder die Vermutung (!) außerirdischen Lebens hätte? Und - angenommen, es würde sogar intelligentes Leben entdeckt, wie auch immer das technisch funktionieren sollte - wir wären absolut nicht in der Lage, mit diesen Außerirdischen auch nur zehntelwegs vernünftigen Kontakt aufzunehmen. Einfach wegen der gigantischen Entfernungen. Wohingegen es von größtem Nutzen sein könnte, wenn wir die Komplexität des Lebens in fünf, zehn, zwanzig Zentimetern unter unseren Füßen besser begreifen könnten. Darüber wissen wir nämlich immer noch erschreckend wenig. Oder über das Leben in der Tiefsee. Oder im tropischen Regenwald, soweit der noch existiert, und und und. Ich finde es keineswegs uninteressant, sich mit Astronomie zu beschäftigen. Das konfrontiert uns nämlich mit der Tatsache unserer eigenen Winzigkeit, unserer Unbedeutendheit, unserer Verletzlichkeit, unserer Endlichkeit. Und das ist sehr gesund. Aber das muss sich auch alles in Grenzen halten und darf nicht in eine modifizierte Form von Messias-Gläubigkeit ausarten. So nach dem Motto: "Wir können ruhig weiter unsere Heimaterde kaputt machen. Irgendwann werden die lieben, guten Außerirdischen kommen und und all unseren Dreck wegmachen und uns retten." Und ich bin sicher, dass sehr viele Menschen heimlich solche unreifen Gedanken haben. Übrigens wurde in dem Artikel unterschlagen, dass es in Gebieten mit einer hohen Sternenstehungsrate ziemlich häufig zu Supernovae kommt, die jedesmal in einem Umkreis von zig Lichtjahren alles eventuell entstandene Leben mit einem Gammablitz vernichten würden. Wieder nix mit Sensationen.
3. Märchenstunde
Lumpenhund 19.12.2010
---Zitat--- Im Jahr 2004 berichteten Wissenschaftler beispielsweise über ein Röntgenstrahlenecho in einer Gaswolke, die rund 350 Lichtjahre vom Schwarzen Loch entfernt ist. Da sich Röntgenstrahlen mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten, ist offenbar irgendein Objekt 350 Jahre zuvor in das Schwarze Loch gestürzt - vermutlich ein Himmelskörper von der Masse eines kleinen Planeten. ---Zitatende--- Da unsere Sonne - wie ein paar Sätze zuvor erwähnt - 27.000 Lichtjahre vom Schwarzen Loch entfernt ist, muß das beschriebene Ereignis vor 27.000 Jahren stattgefunden haben, und nicht erst vor 350 Jahren. ---Zitat--- Aber das Schwarze Loch zieht nicht nur an, es schleudert auch fort. 2005 informierten Astronomen die Öffentlichkeit über einen ungewöhnlich schnellen, rund 200.000 Lichtjahre vom Zentrum der Galaxis entfernten Stern. Warren Brown vom Harvard-Smithsonian-Zentrum für Astrophysik hatte den Schnellläufer im Sternbild Hydra entdeckt: Er rast mit 709 Kilometern pro Sekunde (!) - das sind rund 2,5 Millionen Kilometer pro Stunde - aus dem Kern der Milchstraße hinaus. Mit diesem Tempo wird er die Schwerkraft der Galaxis überwinden und irgendwann in den leeren Raum sausen. ---Zitatende--- Es wurde vorher gesagt, daß die Milchstraße einen Durchmesser von 120.000 Lichtjahren hat. Wenn der Stern 200.000 Lichtjahre vom Zentrum der Galaxis entfernt ist, hat er die Galaxis schon lange verlassen, wird es also in Zukunft nicht wieder tun. Also, ich lese Artikel über den Weltraum ja wirklich sehr gerne. Aber vorher sage ich mir immer: Junge, jetzt musst du wieder auf das Niveau eines Kindes herunter, jetzt werden wieder Märchen erzählt.
4. .
xtrigger 19.12.2010
Zitat von h0l0fernesÜbrigens wurde in dem Artikel unterschlagen, dass es in Gebieten mit einer hohen Sternenstehungsrate ziemlich häufig zu Supernovae kommt, die jedesmal in einem Umkreis von zig Lichtjahren alles eventuell entstandene Leben mit einem Gammablitz vernichten würden. Wieder nix mit Sensationen.
Wer hat Ihnen eigentlich gesagt, dass Gammastrahlung alles Leben vernichtet? Wenn man einwenig weiter blickt, sieht man, dass nicht alle Lebewesen auf der Erde aerob sind, also Sauerstoff für den Stoffwechsel brauchen. Weiter gibt es Bakterien, die anstatt Phosphor Arsen in ihrem Erbgut haben. Wie schwer ist es eigentlich vorzustellen, dass es Lebensformen geben kann, die nicht auf Kohlenwasserstoffe basieren oder Lebensformen, die strahlungsresistenter sind?
5. ...ist ein Mann in Brunnen gefallen...
hr_schmeiss 19.12.2010
Zitat von h0l0ferneswelche REALEN - NICHT EINGEBILDETEN - Auswirkungen die Entdeckung, oder die Vermutung (!) außerirdischen Lebens hätte?
...nun, zunächst würden alle feiern wie die Bekloppten, hurra wir sind nicht allein. Dann würde man so langsam bemerkten, dass die Lebenszeichen schon 50.000 Jahre alt sind, und mithin die entdeckte Lebensform schon wieder verschwunden ist. Dann gäbe es einen riesigen Katzenjammer. Nun, der Spiegel muss halt auch seine (ehemaligen) Perry Rhodan-Leser versorgen. Es kann nicht lange dauern, bis wieder einer von "Ionentriebwerk" und "technisch durchauf möglich" schwafeln wird. Schon traurig, auf unserer Erde lassen wird tausendfach hohes Leben einfach verhungern, aber wir spendieren unbegrenzte Mittel, um draussen irgendwo eine Mikrobe zu entdecken. Vielleicht ist das der amerikanische Traum, via TV millionenfach indoktriniert: von Jahrhunderten aufgebrochen, und Amerika entdeckt - lasst uns das wieder tun?
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