Mini-Sonnenfinsternis Merkur zeigt seine Kanten

Als Merkur am vergangenen Mittwoch vor der Sonne vorbeizog, nahmen auch deutsche Forscher auf Teneriffa den Planeten ins Visier. Mit Hilfe eines Spezialteleskops entstand eine spektakuläre Aufnahme.


Merkur vor der Sonne: Scharfkantiger Schatten
D. Soltau/ Th. Berkefeld

Merkur vor der Sonne: Scharfkantiger Schatten

Normalbürgern erschien die Sonne am vergangenen Mittwochmorgen unverändert. Doch zur selben Zeit starrten europaweit Astronomen und Sonnenphysiker gebannt auf das Zentralgestirn: Ein dunkler, nur mit Teleskopen sichtbarer Punkt zog langsam über die glühende Scheibe - Merkur, der innerste Planet des Sonnensystems.

Die seltene Gelegenheit - nur etwa ein Dutzend Mal im Jahrhundert lässt sich der Trabant zu einer solchen Mini-Verfinsterung herab - nutzten auch Forscher des Freiburger Kiepenheuer-Instituts für Sonnenphysik. In den Bergen der Kanareninsel Teneriffa richteten Dirk Soltau und Thomas Berkefeld das Vakuum-Turm-Teleskop (VTT) des Instituts auf die Sonne.

Die resultierende Aufnahme des Merkurdurchgangs ist, so die Wissenschaftler, in ihrer Abbildungsqualität unerreicht. Der Planet zeichnet sich als scharfkantiger Schatten vor der Sonnenoberfläche ab, deren Granulation deutlich sichtbar ist. Die gekörnte Struktur entsteht durch Konvektionsströmungen: Heißes Gas steigt auf, zugleich sinkt kühleres herab.

Die ungewöhnliche Bildschärfe ermöglichte eine Spezialoptik namens Kaos, die seit Anfang 2002 am VTT installiert ist. Die so genannte adaptive Optik gleicht mit Hilfe eines computergesteuerten Spiegels automatisch die Turbulenzen in der Erdatmosphäre aus, die das Bild sonst unscharf erscheinen lassen würden. Mit solchen Optiken können Bodenteleskope mittlerweile annähernd die Auflösung von Weltraumobservatorien erreichen.

Wie die Betreiber des europäisch-amerikanischen Sonnensatelliten Soho nutzten auch die deutschen Wissenschaftler das Schauspiel, um die Leistungsfähigkeit ihres Teleskops zu testen. Weil die Größe von Merkur bekannt ist, konnte bei dieser Gelegenheit zum Beispiel erstmals die Brennweite des VTT mit einer Ungenauigkeit von unter einem Prozent bestimmt werden.

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