Mission "Tandem-X" Deutsches Satelliten-Duo vermisst Erde in 3D

150 Millionen Quadratkilometer in 3D: Der deutsche Radarsatellit "Tandem-X" ist am Montag ins Weltall gestartet. Seine Mission ist die Vermessung der gesamten Erdoberfläche - in einer bisher unerreichten Genauigkeit. An dem einzigartigen 3D-Modell der Erde bekunden nicht nur Forscher ihr Interesse.

DLR

Planmäßig um 04.14 Uhr deutscher Zeit ist die russisch-ukrainische Trägerrakete Dnjepr vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ins Weltall gestartet. Mit an Bord: der deutsche Radarsatellit "Tandem-X". Dieser erreichte, wie das Deutsche Zentrum für Luft-und Raumfahrt DLR mitteilte, kurze Zeit später erfolgreich die vorgesehene Umlaufbahn. Eine gute halbe Stunde nach dem Start empfing er bereits die ersten Signale und funkte an die Erde zurück.

Von nun an wird "Tandem-X" seinem baugleichen Zwilling "Terrasar-X" bei der Umrundung der Erde Gesellschaft leisten. Das Ziel der Mission, die von Oberpfaffenhofen bei München gesteuert wird, ist ein weltweit einzigartiges digitales Höhenmodell der Erde - in 3D. Die beiden Radarsatelliten werden bei ihrem Flug, der drei Jahre dauern soll, die komplette Landoberfläche der Erde von 150 Millionen Quadratkilometern vermessen. Das Duo umkreist dabei im Abstand von nur wenigen hundert Metern voneinander in 514 Kilometern Höhe und mit einem Tempo von 28.000 Stundenkilometern die Erde. Teils trennen nur 200 Meter Weltall die beiden Satelliten voneinander.

Auf diese Weise können sie zeitgleiche Aufnahmen des Geländes aus verschiedenen Blickwinkeln liefern. Aus den Daten soll das digitale 3D-Modell der Erde ohne Brüche an regionalen oder Ländergrenzen entstehen. Deutschland werde damit über ein weltweit einmaliges Datenprodukt verfügen, hieß es. Die Genauigkeit beträgt drei bis fünf Meter - das Modell wird damit so detailliert sein wie kein anderes, das von einem Satelliten erstellt wurde.

"Terrasar-X" liefert schon seit 2007 Daten aus dem All. Sie zeigten unter anderem die Geländeverschiebungen nach dem Erdbeben auf Haiti und nach dem massiven Tagebau-Erdrutsch in Nachterstedt im sachsen-anhaltischen Salzlandkreis.

Nicht nur Geologen werden sich über das neue 3D-Modell unseres Planeten freuen: Die Daten können auch unter anderem zur Städteplanung, Geländenutzung oder zur Bewältigung von Katastrophenfällen dienen. Nicht nur wissenschaftliche und sicherheitsrelevante Anwendungen sind vorgesehen, sondern das Modell soll über eine Tochter des Raumfahrtunternehmens Astrium weltweit auch kommerziell vermarktet werden. Schon jetzt gibt es nach DLR-Angaben 30 kommerzielle Kunden.

"Tandem-X" wie auch "Terrasar-X" wurden in einer öffentlich-privaten Partnerschaft zwischen DLR und Astrium in Friedrichshafen gebaut. Der wetterunabhängige Radarsatellit "Tandem-X" ist 1,35 Tonnen schwer und fünf Meter lang. Sein sechseckiger Körper hat einen Durchmesser von 2,40 Metern. Der Bau von "Terrasar-X" hatte insgesamt 85 Millionen Euro gekostet.

Der Start von "Tandem-X" war zweimal verschoben worden, laut DLR einmal wegen Problemen mit einer Rakete und ein weiteres Mal wegen eines erneuten Sicherheitschecks. In einer umfangreichen Testreihe war zuletzt im Raumfahrttestzentrum des Technikdienstleisters IABG in Ottobrunn bei München die Weltraumtauglichkeit des Satelliten geprüft worden, bevor dieser zum Weltraumbahnhof Baikonur gebracht wurde.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war von 150 Quadratkilometern die Rede. Diese Angabe ist nicht korrekt und muss lauten "150 Millionen Quadratkilometer" Landoberfläche. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

cib/dpa/ddp

insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
fgranna 21.06.2010
1. Wurde das denn geprüft
Wurde das denn von den Datenschützern geprüft? Es kann ja nicht sein das keiner weiss was für Daten da erhoben werden bzw. für was die genutzt werden!
VorwaertsImmer, 21.06.2010
2. Big brother is watching you!
Zitat von fgrannaWurde das denn von den Datenschützern geprüft? Es kann ja nicht sein das keiner weiss was für Daten da erhoben werden bzw. für was die genutzt werden!
Oh Mann! Die Genauigkeit beträgt doch nur drei bis fünf Meter, noch dazu Radar. Was soll den ein Datenschützer da prüfen?!?!? Ob man den Hügel erkennen darf oder nicht ?!?!?
Christian Schramm, 21.06.2010
3. Google?
Zitat von VorwaertsImmerOh Mann! Die Genauigkeit beträgt doch nur drei bis fünf Meter, noch dazu Radar. Was soll den ein Datenschützer da prüfen?!?!? Ob man den Hügel erkennen darf oder nicht ?!?!?
Vielleicht wird das Projekt ja durch mitschneiden und Verkauf diverser W-Lan-Daten an Google refinanziert.
danou 21.06.2010
4. Google Earth bald in echtem 3D?
Zitat von Christian SchrammVielleicht wird das Projekt ja durch mitschneiden und Verkauf diverser W-Lan-Daten an Google refinanziert.
Naja, ob W-Lan-Daten in einer Höhe von 500 KM auslesbar sind, bleibt mehr als fraglich. Schließlich kann ich mich von Berlin aus ja auch nicht in einen öffentlichen Kölner-Hotspot einloggen. Ihre andere These, dass Tantchen G! ein ausgesprochenes Interesse an der Datensammlung haben dürfte (wie bestimmt auch Micro$oft oder Yahoo et al.) liegt hingegen auf der Hand. Man kann ja froh sein, dass die (steuerfinanzierte) Forschung nun auch Erlößmodelle in der internationalen Privatwirtschaft entwickelt. Ich denke, dass ist ein wichtiger Schritt, um Deutschland wettbewerbsfähiger zu machen! Insofern: Weiter so!
Emil Peisker 22.06.2010
5. Deutsches Satelliten-Duo vermisst Erde in 3D
Ich vermisse auch etwas. Ich vermisse meine Frau in 3D, mir ist irgendwie 1D anhanden gekommen.
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