Missionsende fürs Weltraumteleskop: "Herschel" geht das Kühlmittel aus

Weltraumteleskop "Herschel" (Illustration): Seit 2009 im EinsatzZur Großansicht
ESA / C. Carreau

Weltraumteleskop "Herschel" (Illustration): Seit 2009 im Einsatz

Die Zeit ist bald abgelaufen: Das europäische Weltraumteleskop "Herschel" wird nicht mehr lange seinen Dienst tun. Ihm geht das Kühlmittel aus. Erst vor kurzem hatte der Späher noch einen gefährlichen Brocken vermessen.

Die Mission des europäischen Weltraumteleskops "Herschel" steht vor dem Ende. Die Heliumvorräte des Infrarot-Teleskops gehen wie geplant zur Neige, teilte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Dienstag in Köln mit. "Die Zeit ist bald abgelaufen - bisher haben aber auch schon Tausende Wissenschaftler von den Daten des Teleskops profitiert", sagte Christian Gritzner vom DLR-Raumfahrtmanagement. Das 7,50 Meter hohe und 3,4 Tonnen schwere "Herschel"-Teleskop war im Mai 2009 zu seinem Arbeitsplatz gestartet: dem sogenannten Lagrange-Punkt L2, der rund 1,5 Millionen Kilometer außerhalb der Umlaufbahn der Erde um die Sonne liegt.

Damit die empfindlichen Instrumente von "Herschel" nicht durch die eigene Wärme in der wissenschaftlichen Arbeit gestört werden, konstruierten die Ingenieure das Teleskop als fliegenden Kühlschrank: Flüssiges Helium kühlte die Sensoren kontinuierlich auf die Betriebstemperatur von minus 271 Grad Celsius. Nachdem der Heliumvorrat verbraucht ist, werden innerhalb von Stunden die Temperaturen der Instrumente steigen - und diese damit untauglich. Beim Start hatte "Herschel" mehr als 2300 Liter Helium an Bord, die ihm mehrere Jahre Einsatzzeit ermöglichten.

Asteroiden vermessen

"Herschel" erforschte unter anderem die Geburt neuer Sterne. "Wir waren mit Herschel quasi im Kreißsaal bei der Geburt von Sternen dabei", sagte Gritzner. Mit den Instrumenten PACS, HIFI und SPIRE sah das Teleskop mit seinem 3,50-Meter-Spiegel in verschiedenen Wellenlängen durch Staub- und Gaswolken. "Die Wissenschaftler konnten so durch diesen scheinbar undurchdringlichen Nebel blicken und komplizierte Strukturen erkennen, die optische Teleskope nicht sehen", so Gritzner. Auch Planeten, Asteroiden und Kometen in unserem Sonnensystem wurden von dem europäischen Weltraumteleskop beobachtet. Vor kurzem vermaß "Herschel" den Asteroiden Apophis, welcher der Erde im Jahr 2036 recht nahe kommen wird.

Das DLR förderte aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie unter anderem den Bau von zwei der drei Instrumente von "Herschel". Auch wenn das Infrarot-Teleskop demnächst seine Bahnen um die Sonne zieht, ohne neue Daten zu liefern, werden die Wissenschaftler noch die wertvollen Datensätze der Mission auswerten. "Jetzt folgen die Nachkalibrierung, das Archivieren und Auswerten", erklärte Gritzner.

Anfang Mai wird "Herschel" für seinen Ruhestand den Lagrange-Punkt L2 verlassen und in einem gesonderten Orbit um die Sonne fliegen.

wbr/AFP

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  • Dienstag, 05.03.2013 – 15:28 Uhr
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