Mit bloßem Auge sichtbar Riesige Sternenexplosion fotografiert - Forscher überwältigt

"Das fegt alles hinweg, was wir bisher an Gammastrahlen-Ausbrüchen gesehen haben": Ein Nasa-Satellit hat die hellste bisher beobachtete Sternenexplosion registriert. Sie war sogar mit bloßem Auge zu sehen - obwohl das Objekt 7,5 Milliarden Lichtjahre weit entfernt lag.


Es muss eine gewaltige Sternenexplosion gewesen sein. Am Mittwoch um 7.12 Uhr deutscher Zeit hat der Nasa-Satellit Swift einen Gammastrahlen-Ausbruch beobachtet, der 2,5 Millionen Mal heller war als die leuchtstärkste bisher beobachtete Supernova. Das teilte die Pennsylvania State University, die das Projekt koordiniert, an diesem Freitag mit.

Gammastrahlen-Ausbrüche sind nach dem Urknall die stärksten Explosionen im Universum. Die Explosion war so hell, dass das Licht sogar mit bloßem Auge zu sehen war. Das von Swirft erfasste Licht musste das halbe Universum durchqueren und 7,5 Milliarden Lichtjahre bis zur Erde zurücklegen - das Phänomen ist damit das fernste bekannte Objekt, das von Menschen ohne Hilfsmittel am Nachthimmel wahrzunehmen war. Den bisherigen Rekord hielt die relativ nahe gelegene Galaxie M33, die den US-Astronomen zufolge in einer Entfernung von 2,9 Millionen Lichtjahren zur Erde mit bloßem Auge zu sehen war.

Die Wissenschaftler reagierten überwältigt auf die Messbefunde des Nasa-Satelliten: "Innerhalb von 24 Stunden haben wir eine unglaubliche Aktivität am Himmel beobachtet - allein fünf Gammastrahlen-Explosionen und verschiedene andere Ausbrüche. Und in der Mitte von all diesem Geschehen war das leuchtendste Strahlen, das wir je gesehen haben", sagte der Astronom und Astrophysiker David Burrows an der Swift-Bodenstation in der Nähe der Universität. Neil Gehrels, Swift-Experte der Nasa: "Der Ausbruch fegt alles hinweg, was wir bisher an Gammastrahlen-Explosionen gesehen haben."

Burrows zufolge war ein solcher Gammastrahlen-Ausbruch das, worauf man seit Beginn der Himmelsbeobachtung mit Swift vor drei Jahren gewartet habe: "Und nun haben wir so eine Strahlenintensität bekommen, dass sie mit dem bloßen Auge zu sehen war - obwohl ihre Quelle das halbe Universum entfernt liegt." Sein Kollege Derek Fox sagte, falls sich der Ausbruch in unserer Galaxie ereignet hätte, hätte er fast eine Minute lang heller geschienen als die Sonne.

Die meisten Gammastrahlen-Explosionen erfolgen, wenn massiven Sternen die Energie ausgeht. Dann kollabieren ihre Kerne zu sogenannten Schwarzen Löchern oder Neutronensternen, wobei sie explosionsartig enorme Energie freisetzen. Peter Meszaros, einer der Leiter des Swift-Teams, vermutet eine ungewöhnliche Kombination der Umstände, die zu dem außergewöhnlich hellen Leuchten beigetragen haben könnten. Seine Hypothese: Wenn die Strahlen aus der Explosion auf Gaswolken treffen, könnten diese sogenannten Jets dadurch noch heißer werden.

Die Astronomen katalogisieren die Super-Explosion unter der nüchternen Nummer GRB 080319B - das steht für den zweiten am 19. März 2008 registrierten Gammastrahlen-Ausbruch (GRB).

plö/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.