Murchison Uralter Meteorit beherbergt Millionen Lebensbausteine

Vor mehr als 40 Jahren ging der Meteorit Murchison auf die Erde nieder. Er entstand zusammen mit unserem Sonnensystem. Nun haben Wissenschaftler in seinem Inneren eine Vielzahl organischer Moleküle entdeckt - mehr, als die junge Erde vor Jahrmilliarden selbst enthielt.

Sonnensystem (Zeichnung): Es enthielt anfangs mehr organische Moleküle als die Erde
NASA

Sonnensystem (Zeichnung): Es enthielt anfangs mehr organische Moleküle als die Erde


Er hat die Bausteine des Lebens in sich - und gibt damit wohl einen interessanten Hinweis auf die chemische Zusammensetzung des jungen Sonnensystems: Der am 28. September 1969 in Australien auf die Erde gefallene Meteorit Murchison enthält Millionen von bisher unbekannten kohlenstoffhaltigen Verbindungen. Dies hat ein internationales Forscherteam entdeckt, als es jetzt 40 Jahre nach dem Einschlag Proben des kohlenstoffreichen Felsbrockens genau unter die Lupe nahm. Das Sonnensystem enthielt demnach wohl kurz nach seiner Entstehung eine Vielfalt an organischen Stoffen, die die heutige Diversität auf der Erde deutlich übersteigt. Ihre Ergebnisse stellen die Wissenschaftler um Philippe Schmitt-Kopplin vom Helmholtz-Zentrum in München im Fachmagazin "Proceeding of the National Academy of Sciences" vor.

Murchison gehört zu den am besten untersuchten Meteoriten weltweit. Er entstand wohl in den ersten Tagen unseres Sonnensystems, vielleicht sogar bevor sich die Sonne bildete, vor 4,65 Milliarden Jahren. Die in Murchison enthaltenen organischen Verbindungen liefern deshalb wichtige Informationen über die Chemie im Weltraum während der Entstehung des Sonnensystems. Frühere Analysen des Meteoriten fokussierten jedoch fast ausschließlich auf ausgewählte Verbindungen, insbesondere auf Aminosäuren. Von ihnen versprachen sich die Chemiker Hinweise auf die Entstehung des Lebens auf der Erde.

Schmitt-Kopplin und seine Kollegen wählten nun einen ganz anderen Ansatz: Sie analysierten die Gesamtheit der im Meteoriten vorhandenen Kohlenstoffverbindungen. In drei Proben suchten die Forscher mit Hilfe empfindlicher spektroskopischer Methoden nach organischen Verbindungen. Dabei stießen sie auf über 14.000 verschiedene Moleküle bestehend aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Sauerstoff, Schwefel und Phosphor. Jedes dieser Moleküle kann räumlich unterschiedlich aufgebaut sein, woraus sich Millionen unterschiedlicher organischer Substanzen ergeben, so die Wissenschaftler.

Die Forscher vermuten, dass der Meteorit während der Entstehung des Sonnensystems durch urzeitliche Staubwolken flog und sich dabei mit den organischen Stoffen anreicherte. Wenn die entdeckten Chemikalien nun noch genauer analysiert würden, könnte man auf die zeitliche Abfolge der Entstehung der Moleküle im Meteoriten schließen, so die Forscher.

lub/ddp

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