Museumsobjekt Space Shuttle Raumflug zum Ruhesitz

Bald absolvieren die Space Shuttles ihre letzten Flüge - jetzt sucht die Nasa Altersheime für ihre Raumfähren. Rund 30 Millionen Dollar muss zahlen, wer einen Weltraum-Veteranen ausstellen will. Und repräsentativ sollte der Ruhesitz bitte auch sein.

Von

AFP / Nasa

In einem halben oder Dreivierteljahr soll es soweit sein. Dann wird der letzte Schalter im Cockpit der "Endeavour" umgelegt. Ein Mega-Experiment zur Suche nach Antimaterie ("AMS-2") soll die Räumfähre noch zur Internationalen Raumstation ISS bringen, dann wird sie zur Erde zurückkehren - und das Space-Shuttle-Programm der Nasa endgültig Geschichte sein. Das Schwesterschiff "Atlantis" startet schon am 14. Mai zum letzten Flug.

Die US-Raumfahrtbehörde entwickelt für die Zeit nach dem Ende des Shuttle-Programms mühevoll neue Transportvehikel für Reisen ins All - aber auch der Ruhestand der verbliebenen drei Raumfähren "Endeavor", "Atlantis" und "Discovery" muss geregelt werden. Derzeit laufen Gespräche darüber, welche Technikmuseen sich mit den tonnenschweren Weltraumveteranen aus Aluminium schmücken dürfen.

Space Shuttles, die ersten weitestgehend wiederverwendbaren Raumfähren der Welt, sind für Raumfahrt- wie Designgeschichte gleichermaßen bedeutend. In jedem Fall werden die Fähren wohl in den USA bleiben: "Es ist die Absicht der Nasa, dass die Raumfähren von US-Steuerzahlern betrachtet werden können, die auch ihren Bau bezahlt haben", sagt Nasa-Sprecher Michael Curie SPIEGEL ONLINE. Auch die strengen US-Rüstungskontrollregeln würden einen Export zum Beispiel nach Europa unmöglich machen.

Noch gibt es keine offizielle Entscheidung, wer die Raumfähren bekommt. Die Nasa hat sich allerdings im Prinzip schon darauf festgelegt, die "Discovery" an das Smithsonian National Air and Space Museum in Washington zu geben. In dem Komplex unweit des Kapitols sind schon eine "Mercury"-Kapsel, eine unbenutzte "Apollo"-Mondlandefähre, zahllose Flugzeuge und Raketen zu sehen.

Bis der Transfer der Raumfähre dorthin offiziell verkündet ist, will sich das Museum nicht öffentlich äußern. Die Konkurrenz allerdings gibt sich weniger wortkarg. "Wir haben uns um eines der drei Shuttles beworben", sagt Luke Sacks vom Intrepid Sea, Air und Space Museum in New York zu SPIEGEL ONLINE. Dessen Flugzeugsammlung ist zu großen Teilen auf einem ausgemusterten Flugzeugträger am Hudson untergebracht. Nebenan steht sogar eine "Concorde". Nun soll also der Space Shuttle in einer Glashalle am Ende der 46. Straße dazukommen.

Wie viel Geld schon für einen Kauf gesammelt wurde, will Museumssprecher Sacks nicht sagen. Doch er versichert, dass ein Erweiterungsbau für die Raumfähre auf jeden Fall rechtzeitig fertig würde.

Nasa will keine Ratenzahlung

Nach Angaben der "New York Times" haben sich 20 Museen in den USA um die Space Shuttles beworben. Die Interessenten müssen unter anderem eine spezielle Halle mit Klimaanlage vorweisen. Und rund 28,8 Millionen Dollar zahlen. Der Kaufpreis, zu Jahresbeginn um ein Drittel gesenkt, ist bis zum 11. April 2011 in voller Höhe zu zahlen.

Im Gegenzug verspricht die Nasa, die Shuttles nach ihren letzten Einsätzen von gefährlichen Materialien zu säubern, was 20,5 Millionen Dollar kostet. Aus dem Kühlsystem müssen zum Beispiel Ammoniakverbindungen entfernt werden, außerdem die Treibstoffe Monomethylhydrazin und Stickstofftetroxid aus Leitungen - sie werden für die beiden Steuersysteme eingesetzt, mit denen die Raumfähre im Orbit navigiert. "Um diese Substanzen komplett zu beseitigen, müssen die Shuttles teilweise auseinandergebaut werden", sagt Nasa-Sprecher Curie. Außerdem werden die jeweils drei Tonnen schweren Hauptantriebe der Fähren ausgebaut: drei Pratt & Whitney-Aggregate, in denen Wasserstoff und Sauerstoff aus dem riesigen Außentank explosiv miteinander reagierten und so den nötigen Schub gaben. Sie werden nicht mitverkauft.

Den anderen Teil des Kaufpreises macht der 8,3 Millionen Dollar teure Transport aus. Er führt vom Kennedy Space Center in Florida zu einem Flughafen in der Nähe des künftigen Ausstellungsortes. Bis 2011 soll das abgeschlossen sein; danach werden Jumbo-Jet und Spezialausstattung für den Transport verschrottet.

Wer will, kann übrigens schon heute ein Space Shuttle im Museum bestaunen. Nein, nicht die russische "Buran"-Raumfähre im Technikmuseum Speyer - sondern die "Enterprise" im Steven F. Udvar-Házy Center des Smithsonian südlich des Washingtoner Flughafens. Sie wird seit 2003 dort ausgestellt. Sie war für wichtige Tests des Shuttleprogramms gebaut worden, wurde von einem Transportflugzeug in die Luft gebracht, landete fünfmal selbstständig auf der Erde - ohne sie jedoch auch nur einmal zu umkreisen. Deswegen hat sie weder funktionierende Triebwerke noch ein Hitzeschild.

Sollte das Museum in Washington nun tatsächlich die "Discovery" bekommen, dürfte die "Enterprise" für ein anderes Museum frei werden. Umzugsbereit wäre sie. Ein Test im März hat ergeben, dass sie ohne größere Probleme transportfähig ist.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Invicta 07.05.2010
1. der ausgemusterte Lastenesel mit Exportverbot
Das die bereits ausgestellte Enterprise im Weltraum gewesen ist, so wie es in dem Artikel steht, ist nicht richtig. Zwar wurde dieses flugfähige Test Shuttle mittels "piggy back" (Huckepack) auf einer ausgemusterten und umgerüsteten 737 in eine ca 30km Atmosphärenhöhe gebracht. Sie verließ jedoch nie die Erdanziehung soweit, das sie von alleine "schwebte". Dieses Modell war rein für aerodynamische Tests ausgelegt, da ein Spaceshuttle beim Landen nicht wie ein übliches Flugzeug über Triebwerke verfügt. Es landed quasie wie ein Segelflugzeug, sodass der erste Landungsversuch klappen muss, da ein durchstarten und ansetzen zur erneuten Landung nicht möglich ist. Das Pendant der amerikanischen Enterprise ist die OK-GLI die auch fast fälschlicher weise als BURAN bezeichnet wird und im Technikmuseum in Speyer seit letztem Kahr zu betrachten ist. Die OK-GLI diente ebenfalls zu aerodynamischen Tests, verfühte aber im Gegensatz zu dem Space Shuttle uber 4 Strehlentriebwerke, sodass dieses sovietsche Shuttle wie ein Flugzeug starten und landen konnte. Es ist schade dass die US-Regierung keines ihrer "orbitalen Lastenesel" nach Europa abgeben will. Schließlich muss man auch festhalten dass die Entwicklung des Space Shuttles mit auf den Kenntnissen Wernherr von Brauns basierten konstruktionen entwickelt wurde. Unteranderem wurden auch zahlreiche europäische Missionen mitte der 90ger (bsp. D1/D2) von den europäern finanziert. Leider ist das alte denkmuster des kalten Kireges immer noch vorhanden. nicht wir als Menschheit haben den Weltraum erforscht, sondern entweder die amerikaner, oder die Russen. Solange sich auch daran nichts ändert, wird Europa wohl niemals eines der größten technischen Meisterleisrungen der bemannten Raumfahrt selbst erleben dürfen.
Nirvan 07.05.2010
2. ...wurde von einem Transportflugzeug ins All gebracht...
Die Enterprise war nie im Weltall, sondern maximal auf knapp 8 km Höhe. Steht sogar im direkt daneben verlinkten SPON-Artikel!
Roana, 07.05.2010
3. Eine Ära geht zu Ende
War in den 60er Jahren mit Mercury, Gemini, und Apollo eine gewisse Euphorie und Weltraum-Aufbruchstimmung entstanden und phantasierten Schriftsteller über die Besiedelung ferner Welten, so wissen wir heute, dass wir noch eine ganze Weile auf diesem kosmischen Glutball mit einer dünnen Kruste aus Stein, Wasser und Erde festsitzen und bestenfalls unser Sonnensystem erkunden können. Für alles weitere fehlt aktuell die physikalische Voraussetzung. Wir können ein Elektron von A nach B beamen... aber alleine der Transport eines ganzen Hamburgers würde die Energie der ganzen Sonne und die zehn- bis hundertfache Übertragungskapazität aller irdischen Datenleitungen erfordern. Das Prinzip funktioniert - alleine die Umsetzung ist unter den heutigen Bedingungen nicht realisierbar. Aber es geht ja schon bei viel trivialeren Themen los: Seit 50 Jahren wird uns versprochen, dass in 50 Jahren der Fusionsreaktor funktioniert... der Zeitraum ist gleich geblieben nur der Beginn wurde mit dem Voranschreiten der Zeit auch immer weiter in die Zukunft verschoben. Und ob Ither jetzt tatsächlich mehr Energie erzeugt als er selbst verbraucht werden wir auch erst frühestens in 25-30 Jahren erfahren... und dann müßte man ihn noch serienreif und praxistauglich machen... 50 Jahre sind also eine gute Schätzung.... vorausgesetzt, das Ende des endlosen Wachstums in der Wirtschaft setzt der Forschung nicht vorher ein Ende. Trotzdem lese ich immer noch sehr gerne SF-Romane... Gruß Ro
Poisen82, 07.05.2010
4. .
Was würde ich nicht alles geben wenn ich Buran und Shuttle nebeneinander sehen könnte. Wenn die Enterprise frei würde, könnte man ja mal ein Angebot in die USA senden. Wäre eine der wenigen Sachen wofür ich sogar spenden würde.
worldwatch, 07.05.2010
5. So kennen wir sie, die USA!
Auch aus Schrott versuchen sie, und konnten es i.d. Vergangenheit bisweilen auch ganz prima, ganz enorme Geldsummen herausschlagen. Zumindest erhielte man ja als Anleger eines Ex-SpaceShuttle sodann einen veritablen, dinglichen 'Weltraumschrott', und nicht nur virtuelle und voellig substanzlose "Schrottderivate" von sog. Traumbanken und Himmelsversicherungen. Zu hoffen bleibt, dass sich d. einst supermoderne USA nicht zuuenftig nur als Schrotthaendler gefaellt. Trotz diverser Ressourcenknappheiten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.