Mysteriöse Ringe Neu entdeckter Saturnmond zerbröselt

Astronomen haben einen neuen Saturnmond entdeckt. Er zerlegt sich offenbar langsam - und liefert damit Material für einen der äußeren Ringe des Planeten. Forscher halten dies für eine weitere Variante, um die Entstehung der mysteriösen Gebilde erklären zu können.


Er ist alles andere als allein: Saturn, der zweitgrößte Planet unseres Sonnensystems, wird von rund 60 Monden begleitet. Dazu kommt das massive Ringsystem. Nun haben Forscher mit Hilfe der Raumsonde "Cassini" eine Beobachtung gemacht, die beide Phänomene zusammenbringt: Im weit außen liegenden G-Ring des Saturn haben sie einen kleinen Mond gefunden, der sich offenbar langsam selbst zerlegt und damit Material für den Ring liefert.

"Cassini" hatte die entscheidenden Aufnahmen im vergangenen Jahr gemacht - aus 1,2 Millionen Kilometern Entfernung. Auf einer Serie von drei Bildern, die im Abstand von zehn Minuten aufgenommen wurden, zeigt sich das Objekt im G-Ring deutlich. Wegen der langen Belichtungszeit von 46 Sekunden erscheint der Mini-Mond als Strich, der sich aber zusammen mit den anderen, weit kleineren Objekten im Ring bewegt. Seitdem haben die Forscher das Phänomen nach Angaben der American Astronomical Society noch mehrfach beobachtet.

Das Objekt habe einen Durchmesser von einem halben Kilometer, teilte die US-Weltraumbehörde Nasa auf ihrer Webseite mit. Doch dieser Wert basiert nicht auf direkten Messungen. Weil die Auflösung der "Cassini"-Kamera nicht ausreicht, um den Mond im Detail zu zeigen, mussten sich die Forscher mit einem Trick behelfen: Sie verglichen die Helligkeit des neu entdeckten Objekts mit dem bereits bekannten Saturnmond Pallene.

Wie genau die Saturnringe entstanden sind, darüber streiten sich Forscher noch immer. "Bisher dachte man, das Material in den Ringen stammt vor allem aus Kollisionen", erklärt Ralf Jaumann im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Er arbeitet am Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin. Als einzige Ausnahme von der Kollisionstheorie galt bisher der E-Ring des Saturns, dessen Partikel aus den spektakulären Wassereisfontänen des Mondes Enceladus stammen sollen.

"Der neu entdeckte Mond liefert nun eine weitere Variante, wie einzelne Ringe entstanden sein können", sagt Planetenforscher Jaumann. Die verschiedenen Mechanismen laufen in den jeweiligen Ringen offenbar parallel ab. Was genau im G-Ring vor sich geht, müssen weitere Beobachtungen klären. "Es kann durchaus noch mehr solcher Objekte dort geben", sagt Jaumann.

Die Forscher wissen nur wenig über die Details der Ringe, noch nicht einmal ihr Alter ist zweifelsfrei geklärt. Bisher ist auch noch nicht klar, wie der neu entdeckte Mond eigentlich das Material verliert, das zur Bildung des Rings geführt haben soll. Denkbar wäre nach Ansicht von Experten zum Beispiel, dass er sich auf seiner Kreisbahn schneller bewegt als die ihn umgebenden kleineren Fragmente. Dadurch würde er an seiner Vorderseite beständig mit solchen Partikeln kollidieren, die ihn sozusagen abschmirgeln würden. Auf jeden Fall scheint klar, dass der nun gefundene Saturn-Begleiter von dem bereits bekannten Mond Mimas beeinflusst wird.

Anfang kommenden Jahres soll "Cassini" das Objekt im G-Ring noch einmal gezielt unter die Lupe nehmen. Die Nasa plant den Einsatz der Sonde derzeit bis Mai 2010. Planetenforscher hoffen aber, dass die Amerikaner dem fliegenden Späher noch mehr Zeit geben und die Mission verlängern.

chs

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