Nach Pannenserie: Russland ordnet neue Raumfahrt-Strategie an

Abgestürzte Satelliten, fehlgezündete Raketen, eine gescheiterte Marsmission: Die russische Raumfahrt hat dieses Jahr etliche Fehlschläge hinnehmen müssen. Jetzt fordert die Regierung rasche Maßnahmen zur Beseitigung der Schieflage. Sollte es erneut zu Pannen kommen, drohen Strafen.

Eine Sojus-Rakete TMA-03M beim Start: Was sind die Ursachen für die Pannenserie? Zur Großansicht
dapd

Eine Sojus-Rakete TMA-03M beim Start: Was sind die Ursachen für die Pannenserie?

Moskau - Das die russische Raumfahrtagentur ein Problem hat, ist offensichtlich. 2011 hatte Roskosmos eine Panne nach der anderen zu verkünden. Mehrere wichtige Satelliten stürzten ab, bedeutende Missionen wie etwa die der geplante Flug der Raumsonde "Phobos Grunt" scheiterten kläglich.

Jetzt hat Russland mit der Aufarbeitung der Ursachen begonnen. Am Donnerstag verlangte der zuständige Vizepremier Dmitri Rogosin von der Raumfahrtagentur, bis 25. Januar einen Bericht über die Gründe für die jüngsten Fehlschläge vorzulegen. Er müsse auch konkrete Maßnahmen zur Beseitigung der Schieflage in der russischen Raumfahrtbranche enthalten, sagte Rogosin in Moskau nach einem Treffen mit Roskosmos-Chef Wladimir Popowkin. Zudem müsse Popowkin innerhalb von 50 Tagen einen Plan für die Entwicklung der Branche bis zum Jahr 2030 vorlegen.

Zugleich forderte der Politiker, dass alle Sicherheitsmängel in der Raumfahrt bis Ende Januar beseitigt werden. Nötig seien standardisierte Überprüfungen der Sicherheit von strategischen Objekten. Rogosin kündigte auch Strafen für den Fall neuer Pannen an.

Insgesamt fünf Fehlschläge bei unbemannten Starts musste die Raumfahrtagentur hinnehmen. So stürzten im August und Dezember Sojus-Raketen wegen Triebwerkschäden ab. Im Februar, August und November erreichten Satelliten wegen Problemen mit den Oberstufen nicht ihre geplante Umlaufbahn. Und die Sonde "Phobos-Grunt" umkreist noch heute die Erde, anstatt Richtung Mars zu fliegen. Der 13,5 Tonnen schwere Koloss soll nach jüngsten Berechnungen am 14. Januar über Afghanistan abstürzen.

Popowkin, der erst seit Mai im Amt ist, muss sich damit zum zweiten Mal in diesem Jahr für die Misere in der russischen Raumfahrt verantworten. Bereits Anfang Oktober wurde er nach dem Verlust eines Erdvermessungs- und eines Kommunikationssatelliten sowie eines Frachtraumschiffs vor einen Ausschuss der Staatsduma zitiert.

Der Roskosmos-Chef sieht im Mangel an Facharbeitern einen der Hauptgründe für die derzeitige Krise, die die Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag des historischen Flugs von Juri Gagarin als erster Mensch ins All am 12. April 1961 überschattet haben.

Nach Angaben des Raumfahrt-Onlinedienstes "Nowosti Kosmonawtiki" belegt Russland mit 32 Raketenstarts in diesem Jahr den weltweit ersten Platz. Die Fehlerquote betrage allerdings fast 16 Prozent. Auf dem zweiten Platz rangiere erstmals China mit 19 Starts bei einem Fehlstart vor den USA mit 18 Starts und ebenfalls einem Fehlstart. Rogosin, der bislang sein Land als Botschafter bei der Nato vertreten hatte, wurde erst vor wenigen Tagen von Ministerpräsident Wladimir Putin zu dessen Vize ernannt. Er verantwortet den militärisch-industriellen Komplex.

cib/dapd/dpa

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Witzig
Stelzi 30.12.2011
Zitat von sysopAbgestürzte Satelliten, fehlgezündete Raketen, eine gescheiterte Marsmission: Die russische Raumfahrt*hat dieses Jahr etliche Fehlschläge hinnehmen müssen. Jetzt fordert die Regierung rasche Maßnahmen zur Beseitigung der Schieflage. Sollte es erneut zu Pannen kommen, drohen Strafen. Nach Pannenserie: Russland ordnet neue Raumfahrt-Strategie an - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,806281,00.html)
Vor kurzem habe ich hier im Forum noch geunkt, Zar Putin solle doch seine Wissenschaftler nach bewährter soviet Tradition für weiteres, unloyales Versagen mit kostenlosen Aufenthalten in sibirischen Gulags belohnen - das würde zweifelsohne die Motivation stärken.
2.
cbmuser 30.12.2011
Zitat von sysopDer 13,5 Tonnen schwere Koloss soll nach jüngsten Berechnungen am 14. Januar über Afghanistan abstürzen. Nach Pannenserie: Russland ordnet neue Raumfahrt-Strategie an - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,806281,00.html)
Von wem stammt diese Information? Bis zum 12. Januar etwa, kann man nur voraussehen zwischen welchen Breitengraden der Satellit abstürzen/verglühen wird.
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