Nach Technikproblemen Privat-Raumkapsel "Cygnus" erreicht die ISS

Nun hat es doch noch geklappt: Die private Raumkapsel "Cygnus" ist an der Internationalen Raumstation angekommen. Es ist eine Premiere für die Firma Orbital Sciences - doch muss man sich dort auch auf Fehlersuche machen.

"Cygnus" im Anflug auf die ISS (grafische Darstellung): Erfolgreich eingefangen
DPA / Orbital Sciences Corporation

"Cygnus" im Anflug auf die ISS (grafische Darstellung): Erfolgreich eingefangen


Mit einer Woche Verspätung hat der private Raumtransporter "Cygnus" die Internationale Raumstation erreicht. Nasa-Astronautin Karen Nyberg und ihr Esa-Kollege Luca Parmitano fingen die Kapsel mit Hilfe des in Kanada gebauten Greifarms ein. Anschließend sollte sie am "Harmony"-Modul der Station angedockt werden.

Eigentlich hatte "Cygnus" schon deutlich früher ankommen sollen. Zwischenzeitlich hatte es allerdings Computerprobleme gegeben, die Navigationsdaten von Kapsel und Raumstation stimmten nicht überein. Später dann hatte ein "Sojus"-Transporter mit drei Raumfahrern an Bord Vorfahrt.

Dass "Cygnus", der Name kommt vom lateinischen Wort für Schwan beziehungsweise dem gleichnamigen Sternbild, mit dem Greifarm eingefangen werden musste, liegt daran, dass die Kapsel im Gegensatz zu den russischen und europäischen Raumtransportern kein System für die automatische Annäherung hat.

600 Kilogramm Verpflegung und Bekleidung an Bord

Nun wird man bei Orbital Sciences weiter analysieren müssen, wie es zu den vorherigen Problemen beim Anflug kommen konnte. Offenbar spielte aber eine Rolle, dass die beiden verwendeten GPS-Datenformate nicht ganz zueinander passten.

Für die Firma ist es dennoch der erste erfolgreiche Materialtransport zur ISS. Dieses Mal geht es eigentlich nur darum, das Funktionieren des Systems zu beweisen - und Fehler zu beheben, so lange das noch ohne größere Probleme möglich ist. Deswegen waren auch nur Gegenstände an Bord, deren Verlust für die ISS-Crew zu verschmerzen gewesen wäre, insgesamt 600 Kilogramm Verpflegung und Bekleidung.

Nach dem Ende der Space-Shuttle-Flüge hatte sich die US-Weltraumbehörde Nasa entschieden, Frachtflüge in den niedrigen Erdorbit in Zukunft an Privatunternehmen auszulagern. Allerdings musste die Behörde einen hohen dreistelligen Millionenbetrag zuschießen. Die Unternehmen SpaceX und Orbital legen allerdings Wert darauf, dass sie mehr Geld in die jeweiligen Projekte investieren als die Nasa.

Genaue Zahlen möchte man bei Orbital aber nicht nennen. Die Nasa hat bei dem Unternehmen acht Versorgungsflüge im Wert von 1,9 Milliarden Dollar eingekauft. Der erste reguläre Flug ist für Ende Dezember geplant.

chs

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
jayram 30.09.2013
1. Wenn es stimmt
das die GPS-Datenformate nicht übereinstimmend waren, muß man ja mal fragen, ob die Experten geschlafen haben.
JaguarCat 30.09.2013
2. Komischer Artikel
Die Dinge, die Cygnus zur ISS gebracht hat, sind sehr wohl wichtig, zum Beispiel Lebensmittel. Die NASA hat lediglich darauf verzichtet, wertvolle Sachen in den Transporter zu packen, damit der Verlust nicht zu groß ist, falls der Testflug statt auf der ISS im Atlantik endet. Dass ein Testflug den ersten Anflug an die ISS abbricht und dann eine Woche auf einem Parkorbit um die Erde und die ISS kreist, ist hingegen komplett harmlos. Die Mission ist also nicht nur aus Sicht von OSC, sondern auch aus Sicht der NASA ein voller Erfolg. Vorausgesetzt, der letzte Punkt der Mission (das Abdocken und das anschließende Verbrennen der Kapsel beim Wiedereintritt) geht auch noch glatt, startet schon im Dezember der nächste Cygnus-Transporter zur ISS. Jag
Paul Lenz 30.09.2013
3. Experten geschlafen?
Experten schlafen öfter, als man glaubt. Man braucht sich nur mal in der Wikipedia die Liste der Störfälle in europäischen Kernkraftwegen anzuschauen, dann sieht man: der Hauptrisikofaktor, der nie und durch nichts eleminiert werden kann, ist menschliches Versagen.
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