"Rosetta"-Sonde Esa benennt Kometen-Landeplatz nach Nil-Insel

Nächste Woche soll erstmals eine Sonde auf einem Kometen landen. Nun haben Forscher aus 8300 Vorschlägen den Namen des Landeplatzes für "Philae" bestimmt.

Geplante Landestelle: Namensvorschläge willkommen
ESA/ Rosetta/ MPS for OSIRIS

Geplante Landestelle: Namensvorschläge willkommen


Das Minilabor "Philae" steht kurz vor der Landung auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko. Jetzt hat die Stelle, an der die Raumsonde "Rosetta" das Landegerät am 12. November absetzen soll, einen Namen bekommen: "Agilkia".

Wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Dienstag in Köln mitteilte, waren 8300 Namensvorschläge nach der Umfrage der Raumfahrtbehörde Esa eingegangen. "Agilkia" heißt eine Insel im Nil, die 1980 der neue Standort für den Tempel von Philae wurde. Der ursprüngliche Standort - die Insel Philae - war nach dem Bau eines Staudamms überflutet worden. Bislang heißt der Landeplatz kurz und trocken "J".

Auch die Namen des "Philae"-Landegeräts und seiner Muttersonde "Rosetta" führen nach Ägypten: Die "Rosetta"-Sonde ist nach der ägyptischen Stadt Rashid (Rosetta) benannt. Dort wurde 1799 der berühmte Stein von Rosetta gefunden, dessen Inschriften zusammen mit denjenigen auf einem Obelisken von der Insel Philae die Entschlüsselung der altägyptischen Hieroglyphen ermöglichte.

Bei dem Namenswettbewerb gingen auch kuriose Vorschläge ein, teilte das DLR mit. Selbst die Sprache Klingonisch aus der "Star Trek"-Reihe wurde bemüht: "Qapla" sei das klingonische Wort für "Erfolg" und deshalb passend, fand ein Teilnehmer. Auch "Moby Dick" wurde vorgeschlagen. Schließlich sei der Wal aus dem gleichnamigen Roman von Herman Melville mit einer Harpune beschossen worden, schrieb ein anderer Teilnehmer. Damit spielte er darauf an, dass sich "Philae" beim Aufsetzen mit zwei Harpunen im Kometenboden verankern soll.

Die Sache mit Colbert

Gewonnen hat den Namenswettbewerb am Ende der Franzose Alexandre Brouste aus Le Mans, der wie weitere rund 150 Teilnehmer "Agilkia" vorgeschlagen hatte. "Ich interessiere mich schon seit vielen Jahren für die Raumfahrt", erklärte der Mathematikdozent. "An dem Wettbewerb habe ich teilgenommen, weil ich an dem historischen Augenblick der Landung beteiligt sein wollte."

Seit dem 6. August umkreist die Raumsonde "Rosetta" den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, genannt Tschuri. Fünf mögliche Landeplätze hatte die Esa vorab ermittelt und am 15. September ihre Entscheidung getroffen. Die Zielregion ist vergleichsweise flach und nur mit wenigen Gesteinsbrocken bedeckt.

Eine prinzipiell mögliche Online-Abstimmung über den Namen hat die Esa nicht angeboten. Womöglich hat dies mit den schlechten Erfahrungen der Nasa zu tun, die 2009 nach einem Namen für ein Modul der Internationalen Raumstation ISS gefahndet hatte.

Fans des US-Komikers Stephen Colbert hatten damals massenhaft für den Namen Colbert gestimmt, der somit die Abstimmung gewann. Das Modul wurde schließlich "Tranquility" (Ruhe) getauft. Dafür bekam ein Laufband, auf dem Astronauten ihre Muskeln trainieren, den Namen"Combined Operational Load-Bearing External Resistance Treadmill" - kurz Colbert.

3D-Modell der Raumsonde

boj/dpa



insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Layer_8 04.11.2014
1.
Ist ja nicht irgendein Staudamm. Diese Insel bei der Stadt Assuan in Mittel-/Südägypten ist gerade noch übriggeblieben, als der sowjetisch-ägyptische Assuandamm das ganze Niltal Südägyptens und Teile des Sudans überflutete. Die Tempel von Abu Simbel mussten ja deswegen auch höhergelegt werden. Da ist eine ganze Menge futsch gegangen wegen dieses Projektes (Größenwahn im kalten Krieg?), wo man heutzutage einen tieferen Sinn suchen müsste. Die jährlichen Nilfluten bleiben seitdem aus und Ägypten leidet deswegen auch unter einem Versalzungsproblem. War jetzt OT, aber dies wollte ich doch angemerkt haben.
erwachsener 05.11.2014
2.
Zitat von Layer_8Ist ja nicht irgendein Staudamm. Diese Insel bei der Stadt Assuan in Mittel-/Südägypten ist gerade noch übriggeblieben, als der sowjetisch-ägyptische Assuandamm das ganze Niltal Südägyptens und Teile des Sudans überflutete. Die Tempel von Abu Simbel mussten ja deswegen auch höhergelegt werden. Da ist eine ganze Menge futsch gegangen wegen dieses Projektes (Größenwahn im kalten Krieg?), wo man heutzutage einen tieferen Sinn suchen müsste. Die jährlichen Nilfluten bleiben seitdem aus und Ägypten leidet deswegen auch unter einem Versalzungsproblem. War jetzt OT, aber dies wollte ich doch angemerkt haben.
Stimmt alles, aber andererseits hat Ägypten jetzt genug Elektrizität, um sich selbst zu versorgen und sie obendrein an Nachbarländer zu verkaufen. Auch diese Medaille hat mehrere Seiten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.