Nasa-Bericht: "Columbia"-Astronauten hatten keine Chance

Die sieben Astronauten an Bord der auseinandergebrochenen Raumfähre "Columbia" hatten keine Überlebenschance. Das ist das ernüchternde Fazit eines 400 Seiten starken Berichtes der Nasa zu der Shuttle-Katastrophe von 2003. Dennoch empfehlen die Fachleute einige Verbesserungen der Shuttle-Sicherheit.

Washington - Als der erste Alarm schrillte, hatten die sieben Astronauten der Raumfähre "Columbia" noch eine knappe Minute zu leben. Pilot William McCool betätigte noch mehrere Schalter, um das taumelnde Space Shuttle wieder unter Kontrolle zu bringen. Das geht aus einem am Dienstag veröffentlichten Untersuchungsbericht der US-Raumfahrtbehörde NASA zu dem Unglück vor knapp sechs Jahren hervor. Die "Columbia" war am 1. Februar 2003 wegen Schäden am Hitzeschild beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre auseinandergebrochen und abgestürzt.

Space Shuttle "Columbia" (2002, ein Jahr vor dem Unglück): Keine Überlebenschance für die Astronauten
AP

Space Shuttle "Columbia" (2002, ein Jahr vor dem Unglück): Keine Überlebenschance für die Astronauten

Zum Zeitpunkt der Katastrophe trugen einige der Astronauten dem Bericht zufolge keine Schutzhandschuhe und waren nicht vollständig angeschnallt. Innerhalb weniger Sekunden fiel in der dunklen Kabine der Druck ab, und die Besatzung verlor das Bewusstsein. Wenn die Astronauten nicht sofort infolge des Sauerstoffmangels nach dem Druckverlust tot waren, starben sie durch massive Rotationen, die sie durch die Kabine schleuderten.

Die stellvertretende Leiterin der Untersuchung, die Astronautin Pam Melroy, sagte, die Studie zeige, dass die "Columbia"-Crew alles getan habe, um das Shuttle zu retten. "Sie konnten nicht wissen, dass es unmöglich sein würde", sagte Melroy. NASA-Manager Wayne Hale sagte, für die Besatzung seien die letzten Sekunden sehr verwirrend gewesen. Mehrere Alarmsysteme seien gleichzeitig angesprungen, und die Astronauten hätten sich bemüht, die Kontrolle wieder zu erlangen. "Wir sprechen über eine kurze Zeit in einer Krisensituation", sagte Hale.

Ziel der neuen Untersuchung war es, Raumfähren in Zukunft widerstandsfähiger zu machen. Die Autoren des 400-seitigen Berichts empfahlen insgesamt 30 Veränderungen unter anderem an den Raumanzügen, den Helmen und den Sicherheitsgurten. Sie wiesen jedoch zugleich darauf hin, dass die "Columbia"-Astronauten auch mit einer verbesserten Ausrüstung keine Chance zum Überleben gehabt hätten. Der Grund für das Auseinanderbrechen des Shuttles war ein Schaden an den Hitzeschutzkacheln, der schon gut zwei Wochen zuvor beim Start von einem herabfallenden Schaumstoffteil des Außentanks verursacht worden war.

Von Seth Borenstein, AP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Weltall
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback