Nasa-Bilder Heiße Welle schwappt durch Galaxien

Die Nasa hat die Folgen einer kosmischen Karambolage aufgespürt: Eine Welle rollt durch einen Galaxienhaufen - sie ist doppelt so groß wie unsere Milchstraße.

NASAs Goddard Space Flight Center/Stephen Walker et al

Durch einen benachbarten Galaxienhaufen rollt eine gigantische Welle aus heißem Gas. Das haben Astronomen mit dem Röntgensatelliten "Chandra" der US-Raumfahrtbehörde Nasa und weiteren Instrumenten beobachtet.

Die Plasmawelle erstreckt sich demnach über 200.000 Lichtjahre und ist damit etwa doppelt so groß wie unsere Heimatgalaxie, die Milchstraße, wie das Goddard Space Flight Center (GSFC) der Nasa in Greenbelt im US-Staat Maryland berichtet. Die Wissenschaftler um Stephen Walker vom GSFC stellen ihre Beobachtungen in der Juni-Ausgabe des britischen Fachblatts "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society" ("MNRAS") vor.

Ursache der kosmischen Riesenwelle ist vermutlich ein kleinerer Galaxienhaufen, der den großen Perseus-Galaxienhaufen vor Jahrmilliarden gestreift haben muss. "Die Welle, die wir identifiziert haben, hängt mit dem Vorbeiflug eines kleineren Haufens zusammen", erläutert Walker in einer Nasa-Mitteilung.

Die Welle (markiert im weißen Kreis)
NASAs Goddard Space Flight Center/Stephen Walker et al.

Die Welle (markiert im weißen Kreis)

Mit seiner Schwerkraft hat der kleinere Galaxienhaufen demnach das heiße Gas des Perseus-Haufens in Schwingungen versetzt. Seitdem wirbelt die Welle durch den Haufen. Sie dreht sich dabei wie Milch, die man in frisch umgerührten Kaffee gießt, erläutert die Nasa.

Galaxienhaufen sind die größten Strukturen im Universum, die von der Schwerkraft gebildet werden. Sie bestehen jeweils aus zahlreichen Galaxien, die alle ungefähr so groß sein können wie unsere Milchstraße.

Die meiste Masse eines Galaxienhaufens stellt jedoch in der Regel ein überall verteiltes Gas, das Millionen Grad Celsius heiß sein kann und dadurch hell im Röntgenlicht leuchtet.

Der Perseus-Galaxienhaufen liegt im gleichnamigen Sternbild, rund 240 Millionen Lichtjahre entfernt, und hat einen Durchmesser von 11 Millionen Lichtjahren.

NASA

Die Animation zeigt den Vergleich zweier Aufnahmen des Galaxienhaufens

Von Till Mundzeck, dpa/boj



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noalk 05.05.2017
1. kleine Korrektur
Nicht Galaxienhaufen, sondern Galaxiensuperhaufen, also Galxienhaufen-Haufen, sind - nach menschlichen Maßstäben - die größten gravitativ kontrollierten Strukturen im Universum.
hendrik-baumgart 05.05.2017
2. Verständnisfrage
"Die meiste Masse eines Galaxienhaufens stellt jedoch in der Regel ein überall verteiltes Gas, das Millionen Grad Celsius heiß sein kann und dadurch hell im Röntgenlicht leuchtet." Ist ein "Millionen Grad heißes Gas" nicht Plasma und leuchtet im sichtbarem Licht? Wieso nur Röntgenlicht? Ist der ganze Galaxienhaufen jetzt Millionen Grad heiß?
Layer_8 05.05.2017
3. Gravitativ kontrolliert
Zitat von noalkNicht Galaxienhaufen, sondern Galaxiensuperhaufen, also Galxienhaufen-Haufen, sind - nach menschlichen Maßstäben - die größten gravitativ kontrollierten Strukturen im Universum.
Nö. Bei Galaxiensuperhaufen greift die beschleunigte Expansion des Universums. Galaxienhaufen sind also die größten kausal zusammenhängenden Gebiete im Kosmos.
noalk 05.05.2017
4. Nö
Zitat von Layer_8Nö. Bei Galaxiensuperhaufen greift die beschleunigte Expansion des Universums. Galaxienhaufen sind also die größten kausal zusammenhängenden Gebiete im Kosmos.
Guggsduda: https://de.wikipedia.org/wiki/Superhaufen oder http://www.mgvoss.de/102.html
Dres-- 05.05.2017
5. Irreführende Animation
Die Animation im Artikel ist mehr als irreführend. Sie suggeriert dem unbedarften Leser, dass hier der zeitliche Verlauf der Welle gezeigt würde. Das ist natürlich absoluter Blödsinn, denn wir sprechen hier von einem Durchmesser von geschätzten 750000 Lichtjahren. Selbst das Licht braucht also von der Mitte bis zum Rand 375000 Jahre. Wie wir alle wissen, ist nichts schneller. Es wäre bei der Animation hilfreich, wenn man wüsste, welche zwei Aufnahmen da verglichen werden und was der Zweck dieses Vergleiches sein soll. Ich vermute mal, dass es sich um Aufnahmen verschiedener Wellenlängen handelt, da in der ersten Aufnahme Sterne (im Vordergrund) oder Galaxien (im Hintergrund) zu sehen sind, die im zweiten Bild nicht vorhanden sind.
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