Nasa-Chefposten Streit um Trumps Kandidaten Bridenstine

Er will Astronauten zum Mond schicken und könnte der nächste Nasa-Chef werden. Doch Trumps Wunschkandidat James Bridenstine ist umstritten - nicht nur wegen einer Äußerung zum Klimawandel.

Möglicher nächste Nasa-Direktor James Bridenstine
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Möglicher nächste Nasa-Direktor James Bridenstine


Eine ehemaliger Navy-Pilot soll die US-Weltraumbehörde Nasa leiten. James Bridenstine flog Kampfeinsätze im Irak und Afghanistan und landete 333 Mal auf einem Flugzeugträger, wie er auf seiner Webseite schreibt. In den USA ist der 42-Jährige vor allem als Politiker bekannt. Seit dem Jahr 2013 sitzt der Republikaner für den US-Bundesstaat Oklahoma im Repräsentantenhaus.

Donald Trump hat ihn nun für das Amt des Nasa-Direktors nominiert. Bridenstine muss noch vom Kongress bestätigt werden. Der Posten ist seit dem Rücktritt von Charles Bolden im Januar vakant. Geleitet wird die Nasa seitdem von Boldens Stellvertreter Robert Lightfoot.

Die Personalie Bridenstine sorgt für Streit in Washington. Im Jahr 2013 hatte der Republikaner in einer Rede im Repräsentantenhaus Zweifel am Klimawandel geäußert. "Die weltweite Erwärmung hat vor zehn Jahren gestoppt", sagte er. Änderungen bei den globalen Temperaturen, falls es sie überhaupt gebe, korrelierten mit Prozessen auf der Sonne und Ozeanzyklen.

"Verheerend für unser Weltraumprogramm"

Wissenschaftler reagieren sensibel auf derartige Äußerungen - zumal der angebliche Stopp der Erderwärmung mittlerweile als widerlegt gilt. Ist Bridenstine wirklich der richtige Mann für die Leitung einer Behörde, die sich nicht zuletzt auch intensiv mit Klimaforschung beschäftigt?

Kritik am Wunschkandidaten von Donald Trump kam auch von zwei Senatoren aus Florida, wo die Nasa ein wichtiger Arbeitgeber ist. Der Republikaner Marco Rubio sagte laut "Politico" zur Kandidatur: "Ich fürchte, das könnte verheerend werden für unser Weltraumprogramm." Bill Nelson von den Demokraten erklärte, die Nasa solle von einem "Weltraumprofi" geleitet werden und nicht von einem Politiker.

Beide Senatoren werfen Bridenstine vor, für den Job des Nasa-Direktors nicht ausreichend qualifiziert zu sein. Der Kandidat verfügt weder über eine Ausbildung als Wissenschaftler noch als Ingenieur. Er hat Wirtschaftswissenschaften und Psychologie studiert und einen MBA-Abschluss gemacht.

"Das ist unser Sputnik-Moment"

Man kann Bridenstine jedoch nicht vorwerfen, dass er sich nicht für Luft- und Raumfahrt interessiert. Vor seiner Zeit als Politiker leitete er zwei Jahre das Tulsa Air and Space Museum and Planetarium. Als Mitglied des Science, Space and Technology Committee ist er an wichtigen Entscheidungen im Repräsentantenhaus beteiligt.

Intensiv beschäftigt hat er sich mit der kommerziellen Nutzung von Rohstoffen auf dem Mond. Bridenstine sprach sich erst kürzlich für die Errichtung einer permanenten Basis auf dem Mond aus. "Das ist unser Sputnik-Moment." Er gilt zudem als Befürworter der Nutzung privater Dienstleister in der Raumfahrt wie SpaceX.

Dass ein neuer Kandidat für den Nasa-Chefposten öffentlich kritisiert wird, ist nicht ungewöhnlich. Der Posten ist prestigeträchtig - und die Weltraumbehörde spielt für das Selbstbewusstsein der USA eine wichtige Rolle. Der vorige Nasa-Direktor Charles Bolden galt zwar im Vergleich zu Bridenstine als bestens qualifiziert. Schließlich war Bolden vier mal selbst mit einem Shuttle ins All geflogen. Doch er hatte auch als Lobbyist für Privatunternehmen gearbeitet, die wichtige Lieferanten der Nasa waren. Bekommen hat er den Job im Jahr 2009 trotzdem.

Zu den größten Herausforderungen des nächsten Nasa-Chefs gehören zweifellos die geplanten Flüge zum Mond. Die Nasa entwickelt dafür die neue Rakete SLS und das Raumschiff "Orion", mit dem eines Tages auch Reisen zum Mars möglich sein könnten.

Erstmals 2021 sollten US-Astronauten damit Richtung Mond fliegen. So sah es die Nasa-Planung vor. Doch Präsident Trump drängte im Februar auf einen früheren Termin, offenbar um den Flug noch als amtierender Präsident erleben zu können. Doch die Nasa lehnte sein Ansinnen ab.

hda



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