Nasa-Etat "Hubble"-Absturz beschlossene Sache

Das Ende des Weltraumteleskops "Hubble" scheint endgültig entschieden. Aus dem jetzt veröffentlichten Haushaltsentwurf der Nasa geht hervor, dass die US-Raumfahrtbehörde das Teleskop nicht reparieren wird. Auch andere Projekte werden zugunsten der Weltraum-Visionen von US-Präsident Bush gekürzt.


"Hubble"-Teleskop: Reparatur gestrichen
NASA

"Hubble"-Teleskop: Reparatur gestrichen

Für Wissenschaftler ist es eigentlich eine gute Nachricht: Der Etat der Nasa wird im kommenden Jahr um 2,4 Prozent auf 16,6 Milliarden Dollar (rund 13 Milliarden Euro) steigen. Die schlechte Nachricht: Die US-Raumfahrtbehörde wird von Wissenschaftlern bevorzugte Projekte streichen oder einfrieren und stattdessen die Umsetzung der Weltraum-Visionen von US-Präsident George W. Bush verfolgen.

Das prominenteste Opfer der neuen Strategie ist das "Hubble"-Weltraumteleskop. Die von zahlreichen Forschern vehement geforderte, mehr als eine Milliarde Dollar teure Reparatur ist im neuen Nasa-Etat nicht mehr vorgesehen. Lediglich 93 Millionen Dollar sind für das Observatorium eingeplant, 75 Millionen davon für den kontrollierten Absturz, der wahrscheinlich 2007 oder 2008 erfolgen wird.

Altersschwaches Observatorium

Wegen der immer schwächer werdenden Batterien und versagender Kreiselkompasse benötigt "Hubble" nach Meinung von Experten spätestens 2008 eine Reparatur, um in seiner 600 Kilometer hohen Umlaufbahn nicht außer Kontrolle zu geraten. Ursprünglich sollte die Besatzung eines Space Shuttles das 15 Jahre alte Teleskop schon im vergangenen Jahr instand setzen und zusätzlich neue wissenschaftliche Geräte im Wert von umgerechnet 157 Millionen Euro installieren, die bereits am Goddard Space Flight Center auf die Auslieferung warten.

"Jupiter Icy Moons Orbiter" (Zeichnung): Von Kürzungen betroffen
NASA/ JPL

"Jupiter Icy Moons Orbiter" (Zeichnung): Von Kürzungen betroffen

Nach dem Absturz der Raumfähre "Columbia" im Februar 2003 galt eine bemannte Reparaturmission jedoch als zu riskant. Im Januar 2004 erklärte Nasa-Direktor Sean O'Keefe das altersschwache Weltraumteleskop zum Auslaufmodell. Nach einem Proteststurm aus der Wissenschaftsgemeinde ließ er zwar eine Reparatur durch Roboter prüfen, doch nun ist auch sie gestrichen.

"Hubble ist ein sterbender Raumkörper", sagte Nasa-Controller Steve Isakowitz. "Wie lange es ab 2007 noch funktioniert, ist an dieser Stelle reine Spekulation." Der Bau des geplanten neuen "James Webb Space Telescope" soll 2006 begonnen werden. Der Start des leistungsfähigen Infrarot-Observatoriums ist für 2011 vorgesehen.

Auch andere Raumfahrtprogramme sollen gekürzt oder ganz gestoppt werden, hieß es in Washington. Hauptbetroffener ist der "Jupiter Icy Moons Orbiter". Die atomgetriebene Sonde von opulenten Ausmaßen sollte 2015 auf die Reise zu den drei Jupiter-Eismonden Callisto, Ganymed und Europa gehen. Die für 2006 geplanten Mittel für das Projekt seien nun komplett gestrichen worden, berichtete der Online-Nachrichtendienst "Space.com".

Hohe Kosten besiegelten "Hubbles" Aus

Auch für ein neues Raumfahrzeug, das als Nachfolger des "Space Shuttle" ab 2008 getestet werden und später Astronauten zum Mond bringen sollte, wurden dem Bericht zufolge die Mittel gekürzt. Insgesamt müsse die Nasa in ihrem Haushalt für 2006 mit 500 Millionen Dollar weniger auskommen als erwartet.

Scheidender Nasa-Direktor O'Keefe: Bushs Visionen sollen verwirklicht werden
DPA

Scheidender Nasa-Direktor O'Keefe: Bushs Visionen sollen verwirklicht werden

Die hohen Kosten von mehr als einer Milliarde Dollar für einen bemannten oder unbemannten Rettungsflug hätten schließlich das Aus für "Hubble" bedeutet, schreibt die "Washington Post". Andere Experten glauben dagegen, dass das Teleskop ein Opfer des teuren Nasa-Programms zur Rückkehr zur bemannten Raumfahrt wurde.

O'Keefe bestätigte das indirekt: Die Schwerpunkte würden auf die Umsetzung der Weltraumvision von Präsident Bush gelegt, sagte der Nasa-Direktor. Danach sollen bis spätestens 2014 wieder Astronauten auf den Mond geschickt werden. Später sind vom Mond aus bemannte Flüge zum Mars und darüber hinaus geplant. Unter Forschern ist der wissenschaftliche Sinn dieser Vorhaben umstritten.

Die Nasa will nach den Worten von O'Keefe ihre Verpflichtungen für den Ausbau der Internationalen Raumstation ISS einhalten. Auch die Vorbereitungen für einen Neustart der Space Shuttles würden fortgesetzt. In dem Haushalt seien außerdem Forschungsmittel für eine neue Generation von Satelliten für die Klimaforschung auf der Erde vorgesehen.



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