Vom Museum ins Labor: Nasa-Forscher testen "Apollo"-Triebwerk

Mehr als vierzig Jahre nach der "Apollo 11"-Mission holen Nasa-Ingenieure ein Raketentriebwerk von damals aus dem Museum ins Labor. Das Relikt soll als Vorlage für verbesserte Antriebe dienen. Diese könnten Amerikaner in Zukunft wieder zum Mond befördern - oder gar zum Mars.

Gasgenerator des F-1-Triebwerks: In der Testreihe wird die Schubkraft erforscht Zur Großansicht
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Gasgenerator des F-1-Triebwerks: In der Testreihe wird die Schubkraft erforscht

Wäre es ein Auto, würde es als Oldtimer gelten. Das Raketentriebwerk, das Nasa-Ingenieure derzeit untersuchen, sollte eigentlich die erste US-Mondmission 1969 in den Orbit befördern. Wegen einer Panne in der Testphase hob das Triebwerk mit dem Namen F-6049 allerdings nie ab, sondern landete geradewegs in einem Museum der Smithsonian Institution. Nun haben es Nasa-Ingenieure zurück ins Labor geholt. Sie wollen die Technologie von damals erkunden, weiterentwickeln und für Weltraummissionen im kommenden Jahrzehnt verwenden.

Die Wissenschaftler testeten unter anderem den Gasgenerator des birnenförmigen Motors auf seine Schubkraft. Der Generator betreibt die Maschinerie, die den Treibstoff in die Hauptkammer der Rakete pumpt.

Obwohl er nicht solch enorme Flammen oder Rauchwolken produziert wie ein komplettes Triebwerk des Typs F-1, war der ohrenbetäubende Lärm während eines Freiluftversuchs noch in mehr als 20 Kilometern Entfernung zu hören, wie die Forscher berichten. Der Feuerstrahl erreichte die Länge von zwei Bussen und setzte eine nahe gelegene Grasfläche in Brand. Die Ingenieure wollen herauszufinden, ob sich die Schubkraft für größere Missionen jenseits des Mondes erhöhen lässt.

Vereinfachung und Modernisierung statt Nachbau

Für die damaligen Mondmissionen wurden fünf der fünfeinhalb Meter hohen Triebwerke vom Typ F-1 an der Basis der 110 Meter hohen "Saturn V"-Rakete installiert und katapultierten diese in Richtung Orbit. Mit passendem Treibstoff aus flüssigem Sauerstoff und Kerosin kann ein solches Triebwerk eine Schubkraft erreichen, die 680.000 Kilogramm entspricht.

Ralph Coates, der im Liquid Propulsion Office der Nasa in Marshall forscht, ist überzeugt, dass die Wissenschaftler viel von der Arbeit ihrer Vorgänger lernen können, die in den sechziger Jahren noch Rechenschieber benutzten. Allerdings wolle niemand einfach das alte "Saturn V"-Triebwerk nachbauen. "Wir würden neue Materialien verwenden und versuchen, es zu vereinfachen und zu modernisieren", sagt Coates.

So ist das Triebwerk, das nie abheben durfte, auch nach mehr als vierzig Jahren ein wichtiges Testwerkzeug. Wie Coates berichtet, seien insgesamt 85 F-1-Triebwerke in 17 "Apollo"-Flügen zum Einsatz gekommen - ohne eine einzige Panne. Auch wenn das Testobjekt aus dem Museum wohl dauerhaft auf dem Boden bleibt, liefert es womöglich entscheidende Anhaltspunkte für neue Technologien. Denn Coates ist überzeugt: "Die Jungs von 'Apollo' haben ihre Sache richtig gemacht."

twn/AP

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