Nasa Mars-Mission "Wir sind im Orbit!"

Gründe, die Sektkorken knallen zu lassen, hatte die Nasa in den letzten Jahren nur selten. In der Nacht zum Samstag wurde gefeiert: Nach sieben Monaten Flugzeit erreichte der "Mars Reconnaissance Orbiter" erfolgreich sein Ziel. Das hat wissenschaftlichen wie Image-Wert - die Nasa, zeigt das, kann es noch.


Pasadena - Aufatmen bei der NASA: Sieben Monate  nach ihrem Start ist die Mars-Sonde der US-Raumfahrtbehörde am  Freitag erfolgreich in eine Umlaufbahn um den Roten Planeten

eingeschwenkt. Die mit beispiellosem technischen Aufwand betriebene Mission Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) meisterte das heikle Manöver mit Bravour. Sie könnte die Kenntnisse über den Mars revolutionieren, hoffen die Experten. "Die Lehrbücher über den Mars werden jetzt neu geschrieben", sagte Projektleiter Jim Graf am Kontrollzentrum in Pasadena. Eine Hochleistungskamera soll Bilder mit bislang unbekannter Detailschärfe liefern. MRO sei das "technologisch fortschrittlichste Gerät, das die NASA jemals auf
einen anderen Planeten geschickt" habe, sagte Graf.



Ganz nebenbei beweist der Erfolg zudem, dass die Nasa es noch kann: Von MROs vier Vorgängermissionen erreichten nur zwei ihr Ziel. Nun umkreisen gleich vier hoch moderne Beobachtungssysteme den Roten Planeten: Neben MRO sind auch noch die Nasa-Sonden    "Mars Global Surveyor" und "Mars Odyssey" aktiv, nicht zu vergessen die ESA-Sonde "Mars Express".

Die NASA-Experten verfolgten den Eintritt der Sonde in die Umlaufbahn um den Mars mit Herzklopfen. Das Vorhaben war riskant: Die Sonde verminderte ihre Geschwindigkeit von über 17.000 auf 14.000 Stundenkilometer, um durch die Schwerkraft des Mars automatisch

in eine Umlaufbahn gezogen zu werden. Eine halbe Stunde bestand kein Funkkontakt zu der Sonde, weil sie sich hinter dem Mars befand. Der Plan ging auf. In Pasadena brach Jubel aus, als die Sonde dann fast auf die Sekunde genau wie vorausberechnet wieder auftauchte. "Ich bin sehr erleichtert", sagte Graf. "Es hätte nicht besser laufen können."

Die emotionale Anspannung entlud sich gegen 14.30 Uhr im Ausruf eines Medienberichterstatters, der die Erleichterung nach Stunden knisternder Spannung in einen Fußball-Fieberhaften Satz übersetzte: "Wir sind im Orbit um den Mars!"

Die Sonde umkreist den Roten Planeten nun in eliptischen Bahnen, wobei sie ihm in den kommenden Monaten immer näher kommt. Nach und nach drosselt sie ihr Tempo, im November soll sie ihren endgültigen Mindestabstand von 320 Kilometern erreicht haben. MRO ist mit der größten hochauflösenden Kamera ausgerüstet, die jemals zu einem

anderen Planeten geschickt wurde, sie soll für künftige  Mars-Missionen Landeplätze erkunden.

Zudem erhofft sich die NASA neue Erkenntnisse darüber, welche Rolle Wasser in der Geschichte des Planeten gespielt hat und ob es dort Leben gab oder vielleicht sogar noch gibt.

Ein Spektrometer soll die mineralische Zusammensetzung der  Mars-Oberfläche erforschen, ein Radiometer den atmosphärischen  Staub, Wasserdampf und Temperaturen analysieren. Mit Hilfe eines Radarsystems soll bis zu einer Tiefe von einem Kilometer unter der

Oberfläche nach Eis und Wasser gesucht werden. Für die Übermittlung von Daten und Bildern ist die MRO-Sonde mit der größten Antenne ausgerüstet, die jemals zum Mars geschickt wurde. Damit können laut NASA zehn Mal mehr Daten pro Minute übermittelt werden als mit den anderen drei Sonden, die derzeit um den Roten Planeten kreisen.

Innerhalb des Sonnensystems liegt die Erde an dritter Bahnposition zwischen den Planeten Venus (innen) und Mars (außen, an vierter Position). Sie sind die aus unserer Warte noch am leichtesten beobacht- und erreichbaren Schwesterplaneten.

Während Venus mit einer heißen, toxischen Atmosphäre Umweltbedingungen aufweist, die als extrem lebensfeindlich gelten, verknüpfen Forscher mit dem Mars die Hoffnung, zumindest auf Spuren früheren, wenn nicht sogar existierenden Lebens zu stoßen. Eine zwar dünne, das Temperaturgefälle aber zumindest etwas abpuffernde Atmosphäre, hält die Bedingungen auf dem Mars soweit in der Waage, dass dies nicht völlig auszuschließen wäre.

Die frühere oder heutige Existenz von Lebensformen sehen die meisten Forscher jedoch an die Existenz von Wasser gebunden. Dafür gibt es sowohl in den Polarregionen des Planeten, als auch geologische Indizien, die darauf hindeuten, das möglicherweise bis heute in der Tiefe des Gesteins gebundene Wasservorkommen existieren, die beispielsweise bakterielles Leben ermöglichen könnten.

pat/AFP/AP/rts



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