Asteroiden-Mission "Osiris-Rex" Ein Abstauber geht an den Start

Diese Nasa-Mission wirbelt wirklich Staub auf: "Osiris-Rex" soll Material von einem Asteroiden zur Erde zurückbringen. Auch um herauszufinden, wie sich der Himmelskörper einmal von uns fernhalten lässt.

REUTERS/3TP EUO

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Man könnte das Ding als Staubsauger fürs All beschreiben, zwei Tonnen schwer und mit einem stolzen Preis von einer Milliarde Dollar. Und es gibt noch einen weiteren Unterschied zum häuslichen Reinigungsgerät - aber mehr dazu später. Der Einfachheit halber sei also erst einmal von einem solarbetriebenen Staubsauger die Rede. Denn wenn die Nasa in diesen Tagen (geplant: 8. September) die Forschungssonde "Osiris-Rex" startet, dann soll diese tatsächlich möglichst viel Staub einsammeln - und zwar von einem Asteroiden.

Der Himmelskörper, den "Osiris-Rex" besuchen soll, heißt Bennu. Er ist pechschwarz, hat einen Durchmesser von rund 500 Metern und gehört zu den sogenannten Apollo-Asteroiden, von denen im Sonnensystem rund 8000 Exemplare bekannt sind. Das klingt alles vergleichsweise unscheinbar. Doch wenn man weiß, dass der 1999 entdeckte Brocken erstens eine Gesamtmasse von 62 Millionen Tonnen hat und zweitens irgendwann im kommenden Jahrhundert womöglich mit der Erde zusammenstoßen könnte, ist es vielleicht doch eine gute Idee, ihn sich einmal aus der Nähe anzusehen.

Bennu nähert sich der Erde alle sechs Jahre - und 2135 dürfte er ihr auf seiner Bahn näher kommen als der Mond. Durch die dann wirkenden Kräfte ist ein Impakt in der Zeit danach nicht ausgeschlossen. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit für einen Crash extrem klein, aktuell liegt sie bei 1 zu 2700.

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Nasa-Mission "Osiris-Rex": Another one picks the dust

Auch wenn es in Kino oder Fernsehen anders aussieht: Die Menschheit hat bisher kaum eine Ahnung, wie sich eine solche Katastrophe verhindern ließe. Bennu wäre keine generelle Gefahr für das Leben auf der Erde, könnte aber durchaus schwere Verwüstungen anrichten. "Osiris-Rex" soll dabei helfen, das zu ändern - und Wissenschaftlern außerdem einen Blick in die Zeit des frühen Sonnensystems ermöglichen.

Klar ist: Auf Bennus Oberfläche findet sich seit Milliarden von Jahren, wie bei etwa drei Vierteln aller Asteroiden, vergleichsweise viel Kohlenstoff - organische Verbindungen vermutlich ebenso. Doch wie genau ist die innere Struktur des Körpers? Und wie beeinflusst die pausenlose Sonnenstrahlung auf die schwarzen Oberfläche die Umlaufbahn des Körpers?

Das soll "Osiris-Rex" herausfinden - zunächst mit fünf Instrumenten aus dem Orbit, dann mit dem an einem gut drei Meter langen Arm befestigten Probensammler.

Staub wird gezielt aufgewirbelt

Wieder und wieder hat Patrick Michel vom Observatoire de la Côte d'Azur in Nizza im Computer simuliert, wie sich das "Tagsam" genannte Gerät der Asteroidenoberfläche im Flug etwa mit Schrittgeschwindigkeit nähert, wie es mit Stickstoffgas gezielt Staub aufwirbelt und anschließend einsammelt. Das ist übrigens der bereits erwähnte Unterschied zum Staubsauger. Der pustet ja nicht, sondern saugt - wie der Name schon sagt.

"Wir haben eine gute Chance, eine Probe zu bekommen", gibt sich Michel im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE optimistisch. "Mindestens 60 Gramm sind das Ziel." Am besten deutlich mehr. Klappt das nicht beim ersten Mal, sind insgesamt drei Versuche möglich.

Und dann wird es spannend - denn die Sonde soll ihre Beute wieder zur Erde zurückschicken. Es wäre eine Weltsensation: Abgesehen von zur Erde gefallenen Meteoriten, dem Mondgestein der Apollo-Astronauten und ein paar mit den Sonden "Stardust" und "Hayabusa 1" gesammelten Krümeln hatten irdische Forscher bisher kaum Zugriff auf außerirdisches Material.

"Um die Chemie bis auf die molekulare Ebene zu verstehen, müssen wir eine Probe nehmen und sie in die besten Labors des Landes und der Erde bringen", sagt Nasa-Projektwissenschaftler Jason Dworkin. Davon würde nicht nur die aktuelle Forschergeneration profitieren - sondern auch kommende.

Allerdings ist Geduld gefragt, bis es so weit ist. Zwei Jahre wird "Osiris-Rex" zunächst bis zum Ziel brauchen. Dann soll die Sonde den Asteroiden rund anderthalb Jahre lang untersuchen und vermessen. Erst danach, wohl im Juli 2020, kommt der aufregende Moment der Probennahme - und anschließend der lange Rückweg mit einer speziellen Kapsel. Im September 2023 wäre die Probe dann wieder auf der Erde.

Aufgeteilt wird der Staub zwischen Amerikanern, Kanadiern und Japanern. Drei Viertel des Materials sollen allerdings erst einmal eingelagert werden - für die von Dworkin erwähnten zukünftigen Untersuchungen.



insgesamt 14 Beiträge
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cindy2009 02.09.2016
1. warum
Warum denn immer diese Missionen, die Kosten sind immens und überhaupt und sowieso... Ach halt, das ist gar nicht mein Part, das kommt noch. Und jetzt ernst gemeint - wie sammelt er denn gegenüber den anderen Projekten den Staub? Soweit ich mich erinnere war bei der letzten Sonde ein "festes Gel" im Einsatz. Und jetzt?
steve121 02.09.2016
2. Hmmm
in der Tagesschau kommt grade, das in China ein Sack Reis umgefallen sein soll, was haben die hier geschrieben, es gibt einen Allstaubsauger für ne Millirade...ok....ich schau noch mal was der Reissack macht
naklar261 02.09.2016
3. und meinen staub?
ich haette hier auch noch Staub rumliegen. ich waere damit einverstanden wenn die NASA den einsammelt.so drei, viermal die Woche. ansonsten....das dauert ja immer ewig. schade. trotzdem viel glueck
banalitäter 02.09.2016
4. Chance minimal ?
1 zu 2700 würde ich nicht minimal nennen . Chancen von 1 zu 140 000 000 / 1 : 140 Millionen wie beim Lotto würde ich minimal nennen .
Klaatu Barada Nikto 02.09.2016
5. 0,001 Grad Ablenkung = Foul & a Miss ^^
Wenn der frühestens in gut 100 Jahren erfolgen könnte, haben wir bis dahin sicherlich eine Idee, ihn abzulenken. Industrielle Revolution vor gut 100 Jahren, bemannte Raumfahrt seit guten 50 Jahren, nächster Kontakt in über hundert Jahren und jetzt sind wir technisch schon in der Lage, seine Staubschicht abzusaugen und ins Labor zu schaffen. Science bi*** ! Bis zum Gefahrenpotential besitzen wir vermutlich Schiffe/Drohnen, die ihm entgegenfliegen und mithilfe von Schubdüsen mehrere Jahre vorher damit beginnen, den Himmelskörper sanft aber wirkungsvoll in seiner Bahn abzulenken. Eine minimale Ablenkung um 0,000001 Grad ein Jahr vor einem möglichen Einschlag dürfte wohl mit der Technik des 22. Jahrhunderts unspektakulär zu realisieren sein. Er kommt ja glücklicherweise nicht überraschend vorbeigeflittert. ^^ Ein bemanntes Asteroiden-Bergbauschiff mit nuklearen Bomben und lebensmüden Patrioten bestückt, wäre eine ebenso realistische Option. Hm, das wäre ein guter Stoff für einen SciFi-Bombastfilm. Vielleicht mit Vin Diesel oder Bruce Willis in der Hauptrolle?
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