Nasa-Plan: Mondbasis soll im Jahr 2024 stehen

Die Nasa macht Ernst mit ihren Plänen für eine permanente Mondbasis: Bis zum Jahr 2024 will die US-Raumfahrtbehörde die internationale Station auf dem Erdtrabanten errichten. Einen Alleingang planen die Amerikaner diesmal nicht.

Washington - Die Entscheidung für den Aufbau der Mondstation sei nach Konsultationen mit Hunderten Experten aus 14 Ländern gefallen, sagte Nasa-Sprecherin Shana Dale in Houston bei der Vorstellung der Pläne. Die Mondbasis soll demnach der Ausgangspunkt zur weiteren Erforschung des Alls und zur Ausweitung der menschlichen Zivilisation sein. Als nächste Station wird bereits der Mars ins Visier genommen.

Der Standort für die Basis werde vermutlich der Südpol sein, weil der Ort eine sehr große Sonnenscheindauer habe, sagte Programmmitarbeiter Doug Cooke. Dies erschließe die Chance zur Nutzung von Solarenergie. Außerdem gebe es in der Umgebung möglicherweise Bodenschätze.

Erste Testflüge sind den Angaben zufolge für 2009 und 2014 geplant. Sechs Jahre später steht die erste Landung einer vierköpfigen Crew an. Zunächst sollen die Astronauten jeweils nur kurze Zeit auf dem Mond verbringen. Bis 2024 soll der Vorposten aber dann so ausgebaut werden, dass Missionen von einem halben Jahr möglich sind. Die Nasa hofft, dass für die Versorgung der Mondstation vor Ort Sauerstoff, Wasserstoff und andere Ressourcen gewonnen werden können.

Suche nach internationalen Partnern

Bei ihren Mond-Plänen sieht sich die Nasa nach internationalen Partnern um. Damit will die US-Raumfahrtbehörde auch die Kosten auf mehrere Schultern verteilen, sagte Dale. Insbesondere die europäische Raumfahrtindustrie dürfte sich darüber freuen, denn bisher war die Nasa nicht eben dafür bekannt, Aufträge gerne an Unternehmen außerhalb der USA zu vergeben.

Zu den Kosten des gesamten Vorhabens machte die Nasa keine Angaben und erklärte lediglich, die Ausgaben würden vom normalen Budget gedeckt. Im vergangenen Jahr waren 104 Milliarden Dollar (78 Milliarden Euro) allein für die erste Reise zum Mond veranschlagt.

"Dies ist keine Fahnen- und Fußspuren-Geschichte", sagte John Logsdon von der George Washington University in der US-Hauptstadt mit Blick auf die früheren "Apollo"-Missionen. Hier gehe es um längere Aufenthalte auf dem Mond und die Erschließung des Weltraums. In den Visionen der Nasa haben auch Pläne für Mond-Tourismus und die kommerzielle Nutzung von Ressourcen Platz.

Esa will sich an Mondbasis beteiligen

Die europäische Raumfahrtbehörde Esa prüft inzwischen eine Beteiligung an der geplanten US-Raumstation auf dem Mond. Das 2004 von US-Präsident George W. Bush angekündigte Projekt interessiere die Esa im Rahmen ihrer "globalen Strategie der Planetenerforschung", sagte Piero Massima, Leiter der Esa-Koordinationsstelle für bemannte Raumflüge und Erforschung in Paris. "Wir sind heute auf der Internationalen Raumstation ISS, wir können uns nicht vorstellen, dass wir nicht auf einer planetaren Basis sein werden - zunächst auf dem Mond und später auf einem anderen Planeten."

Europa prüfe, "wie es sich auf ein amerikanisches Mondprogramm aufpfropfen kann", sagte Massima. Die Esa arbeite mit der Nasa zusammen, um Ziele für künftige Flüge zu definieren, "die mit einer menschlichen Mission zum Mond zusammenhängen". Dabei gehe es für Europa darum, Technologie beizusteuern. Massima verwies auf Robotertechnik oder Know-how zu lebenserhaltenden Systemen. Europa könne "eine bedeutende Rolle bei Fortschritten in diesen Bereichen spielen". Er hoffe, dass das US-Mondprogramm "eine umfassende Erforschung" des Erdtrabanten ermögliche und keine bloße Wiederholung der Apollo-Flüge vor Jahrzehnten sein werde.

US-Präsident George W. Bush hatte das Mond-Vorhaben 2004 angekündigt, ein Jahr nach dem Absturz der Raumfähre "Columbia", bei dem alle sieben Astronauten an Bord ums Leben kamen. Bush hat das Jahr 2020 für Missionen zum Mond genannt und spätere Reisen zum Mars angekündigt. Die neue Phase geht einher mit der Ausmusterung der derzeitigen Raumfähren bis 2010.

mbe/AP/AFP

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