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10. Februar 2013, 11:53 Uhr

Premiere auf dem Roten Planeten

Weltraumauto bohrt Mars an

Die Nasa feiert einen historischen Erfolg: Erstmals sei der Mars angebohrt worden, um Gesteinsproben zu nehmen, berichten die Forscher. Der pulverisierte Fels soll Aufschluss über die Vergangenheit des Roten Planeten geben.

Hamburg - Seit gut einem halben Jahr arbeitet der Nasa-Rover "Curiosity" auf dem Mars, nun gibt es einen Durchbruch zu verkünden: "Zum ersten Mal hat ein Roboter den Mars angebohrt, um eine Gesteinsprobe zu nehmen", jubelt die Weltraumbehörde der USA. Der Mars-Roboter "Curiosity" hat mit dem Bohrer, der an seinem Roboterarm angebracht ist, ein 1,6 Zentimeter breites und 6,4 Zentimeter tiefes Loch in einen Felsen gebohrt.

"Der modernste Planetenroboter, der je entworfen wurde, ist jetzt ein vollständig operierendes Analyselabor auf dem Mars", erklärte Nasa-Vertreter John Grunsfeld stolz. Dies sei der "größte Meilenstein", den der Roboter seit seiner geglückten Landung auf dem Mars im August erreicht habe - "ein weiterer Tag des Stolzes für Amerika", fügte er hinzu.

Die Gesteinsprobe dürfte nach Einschätzung der Nasa Hinweise auf lang vergangene feuchte Landschaft auf dem Mars geben. Das pulverisierte Gestein werde nun chemisch analysiert. Es könnte Einblick geben in die Vergangenheit des Roten Planeten. In der Nähe hatte "Curiosity" bereits ein ausgetrocknetes Flussbett an der Marsoberfläche entdeckt.

Messungen in 200 Millionen Kilometer Entfernung

Es hatte langwierige Experimente bedurft, um die Bohrung durchführen zu können: Um auf jede mögliche Gesteinsart auf dem Mars vorbereitet zu sein, hatten die Nasa und andere Forschungsinstitute jahrelang an dem Bohrer für "Curiosity" getüftelt. Acht Varianten seien entwickelt worden, mit denen mehr als 1200 Löcher in 20 Gesteinsarten der Erde gemacht worden seien, sagte Ingenieurin Louise Jandura.

"Curiosity" war Anfang August nach einer mehr als achtmonatigen Reise durchs All auf dem Mars gelandet. Die 2,5 Milliarden Dollar (1,9 Milliarden Euro) teure Mission ist auf zwei Jahre angelegt. Der Forschungsroboter soll unter anderem nach Spuren von Leben auf dem Roten Planeten suchen. Die Nasa hält die Öffentlichkeit nahezu wöchentlich über die Aktivitäten des Rovers auf dem Laufenden.

Neben einigen kuriosen Anpreisungen mancher eher nebensächlicher Details, werden dabei auch recht bedeutende Errungenschaften bekannt. Die Messungen finden in mehr als 200 Millionen Kilometer Entfernung statt. Deshalb seien bereits unbedeutend erscheinende Aktivitäten von "Curiosity" bedeutend, sagt der Chef der Marsmission, John Grotzinger. Die Forscher müssten ständig improvisieren: "'Curiosity' ist ein Auto mit einer 10.000-seitigen Gebrauchsanweisung, die wir lesen, während wir sie schreiben", sagt Grotzinger.

boj/AFP

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