Nasa-Rover Sandsturm stoppt Fahrt in Mars-Krater

Der Nasa-Rover "Opportunity" muss warten: Er steht am Rand eines Mars-Kraters und kann nicht wie geplant hineinfahren. Schwere Sandstürme verdunkeln die Sonne und schwächen so die Energieversorgung des Roboters - und verzögern damit seine wohl letzte Fahrt.


Sie laufen und laufen und laufen: Die Nasa-Forscher dürfen sehr zufrieden sein mit ihren Mars-Rovern "Spirit" und "Opportunity". Die beiden fahrenden Roboter waren jeweils für einen dreimonatigen Einsatz konzipiert und sollten nur rund 600 Meter zurücklegen. Anfang 2004 sind "Spirit" und "Opportunity"auf dem Roten Planeten gelandet - die Mission läuft bis heute. Mehr als drei Jahre nach der Landung funktionieren beide Rover nahezu problemlos; "Opportunity" hat mittlerweile mehr als zehn Kilometer zurückgelegt.

Anfang des Jahres haben Forscher vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der Nasa "Opportunity" sogar eine neue Software verpasst. Damit kann der Rover besser autonom fahren und selbständig Hindernissen ausweichen. "Opportunity" soll nun in den Krater Victoria hineinfahren, nachdem er dessen Rand in den vergangenen Monaten ausgiebig erkundet hatte. Auf den ersten Panorama-Bildern erinnerte der Krater an den Grand Canyon.

Eine gute Stelle zum Hinabfahren ist bereits gefunden, doch Staubstürme verhindern die Weiterfahrt derzeit. Bereits seit mehr als einer Woche toben sie auf dem Mars. Betroffen ist nicht nur "Opportunity", sondern auch das Schwestergefährt "Spirit", das sich auf der entgegengesetzten Seite des Roten Planeten befindet.

Staubstürme verhindern Weiterfahrt

Der Sturm vermindere die Energie von "Opportunity", sagte Projektmanager John Callas vom JPL. Die Leistung der Solarpanel sei von 765 auf 402 Watt gefallen. Seit 30. Juni befinde sich der Rover bereits in einem Energiesparmodus. Nach JPL-Angaben besteht jedoch keine Gefahr für die Rover: Sie dürften nach Abklingen der Stürme wieder ihre Arbeit aufnehmen.

Von der Erkundung des Kraters versprechen sich die Nasa-Forscher neue Erkenntnisse über die Vergangenheit des Planeten. Steve Squyres von der Cornell University sagte, der Rover trete in eine völlig neue Erkundungsphase ein. Der Victoria-Krater ist bei einem Meteoriten-Einschlag vor rund zwei bis drei Milliarden Jahren entstanden. Die Forscher interessieren sich vor allem für das freiliegende alte Gestein.

"Opportunity" soll nach bisheriger Planung rund 30 Meter in den Krater nach unten fahren. Dies dürfte mehrere Tage in Anspruch nehmen. Die Forscher haben auch schon einen etwa ein Meter großen Felsblock im Auge, der dann mithilfe der Instrumente an Bord des Rovers untersucht werden soll.

Neue Mission startet im August

Die Fahrt in den Krater ist nicht ohne Risiko. Womöglich kommt "Opportunity" aus eigener Kraft nicht mehr hinaus. Aber das nimmt man beim Jet Propulsion Laboratory in Kauf. Schließlich besteht die Chance, weit zurück in die Mars-Geschichte zu blicken.

Im kommenden Monat will die Nasa bereits den nächsten Roboter auf den Mars schicken, um die Bedingungen für die Existenz von Mikroorganismen auf dem Planeten zu untersuchen. Der "Phoenix Mars Lander" soll zwischen dem 3. und 24. August von Florida aus ins All geschossen werden und Ende Mai 2008 auf dem Mars eintreffen, wie die US-Raumfahrtbehörde am gestrigen Montag ankündigte.

Der Lande-Roboter soll laut Nasa unter anderem untersuchen, ob das Eis nahe der Marsoberfläche regelmäßig schmilzt, um einen Lebensraum für Mikroorganismen freizugeben. Bislang sei zudem unbekannt, ob der vereiste Boden an der Landestelle nur wenige Zentimeter oder möglicherweise über einen halben Meter dick sei, sagte der für "Phoenix" zuständige Chefwissenschaftler Peter Smith von der University of Arizona.

Mit den wissenschaftlichen Geräten könne organisches Material im Boden entdeckt werden. Die Wissenschaftler erhoffen sich auch weitere Aufklärung darüber, warum aus dem einst feuchten und warmen Mars ein kalter Planet mit vereisten Polarkappen wurde. Die Existenz von Wasser wäre ein wichtiges Anzeichen für die Möglichkeit von Leben auf dem Roten Planeten.

hda/AP/dpa/Reuters



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