Nasa-Sonde "Juno" zeigt die Welt aus "Star Trek"-Perspektive

Eigentlich soll die Nasa-Sonde "Juno" den Jupiter erforschen. Doch auf ihrem Weg dorthin ist sie kürzlich noch einmal an der Erde vorbeigeflogen - und hat Bilder unserer Heimat gemacht, wie sie die Crew des Raumschiffs Enterprise aus dem Cockpit sehen würde.


Wie sähe es aus, wenn man sich mit einem Raumschiff nach langer Zeit in den unendlichen Weiten des Alls auf den Heimweg zur Erde machen würde? Diese - zugegeben etwas abseitige - Frage lässt sich dank der Nasa-Sonde "Juno" nun zumindest einigermaßen qualifiziert beantworten. Das liegt daran, dass der fliegende Forschungsroboter genau diese Perspektive gerade hinter sich hat. Die einmaligen Aufnahmen hat die Nasa nun veröffentlicht.

Wie andere Forschungssonden auch hat sich "Juno" auf dem Weg zu ihrem fernen Ziel Hilfe bei ihrem Heimatplaneten geholt. In einem sogenannten Swing-by-Manöver wurde sie im Oktober durch einen Vorbeiflug an der Erde beschleunigt. In 560 Kilometern Höhe rauschte "Juno" an unserem Planeten vorbei. Die Wirkung unseres Schwerefelds verhalf der im August 2011 gestarteten Sonde zu einer Extrabeschleunigung von mehr als sieben Kilometern in der Sekunde. Solcherart angeschubst soll sie im Juli 2016 den Jupiter erreichen und 33-mal umkreisen.

Drehung um die eigene Achse

Ihre Energie bekommt "Juno" von neun Meter langen und gut zwei Meter breiten Solarpaneelen, die an drei Armen befestigt sind. An einem der Arme befinden sich auch mehrere Kameras. Sie helfen dabei, die Ausrichtung des für die Lagekontrolle wichtigen Magnetometers der Sonde zu prüfen. Ihnen gelang es, Erde und Mond aus einer Entfernung von 966.000 Kilometern zu erspähen - und dann den weiteren Anflug im Blick zu halten. Zwar ist die Auflösung der Kameras recht gering, doch das Ergebnis ist trotzdem faszinierend.

Um den Film zu erstellen, brauchte es mehr als das Zusammenfügen von Einzelbildern zu einer Art Daumenkino. Denn "Juno" dreht sich zweimal in der Minute um sich selbst. Es galt also jeweils nur die Bilder herauszufiltern, die jeweils die gleiche Sicht auf die Erde haben. "Alles, was wir Menschen sind, und alles, was wir machen, ist in diesem Blick ausgedrückt", sagt John Jørgensen von der Danish Technical University in Kopenhagen. Er hat das System entwickelt, das "Juno" bei der Orientierung hilft.

Beim Vorbeiflug an der Erde konnte die Sonde übrigens nicht nur einen einmaligen Blick auf unseren Planeten werden - sie wurde auch begrüßt: In einer koordinierten Aktion hatten Amateurfunker auf allen Kontinenten, inklusive Antarktika, ihr ein "HI" im Morsecode zugefunkt, das von einem der Messgeräte aufgefangen werden konnte.

chs



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