Neue Bilder von Nasa-Sonde "New Horizons" So haben Sie Pluto noch nie gesehen

Die Nasa-Sonde "New Horizons" hat erste Nahaufnahmen vom Pluto zur Erde geschickt. Sie zeigen die bisher kaum erforschte Welt in ungekannter Schärfe.


Die Standorte der gigantischen Schüsseln sind um die Welt verteilt. In der kalifornischen Mojave-Wüste lauschen die Antennen des Deep Space Networks der Nasa ebenso ins All wie in Spanien und Australien. Die bis zu 70 Meter breiten Empfänger können selbst schwächste Signale ferner Raumfahrzeuge registrieren - zum Beispiel von der Sonde "New Horizons", die gerade erfolgreich am Pluto vorbeigerast ist.

Am Mittwoch empfingen zunächst die Antennen in Goldstone und Canberra, später dann auch die in Madrid eine Fotolieferung aus den Weiten des Sonnensystems: "New Horizons" funkte Pluto-Bilder in bisher ungekannter Auflösung zur Erde. "First Look" A und B hießen die historischen Fotopakete im internen Nasa-Sprech.

Auf einer Pressekonferenz am Mittwochabend deutscher Zeit präsentierte die Nasa das Material, darunter drei hochauflösende Bilder vom Pluto. Die Fotos zeigen unter anderem mehr als 3000 Meter hohe, eisige Berge auf der Oberfläche des Planeten. "Ich bin völlig überrascht", sagte Nasa-Manager Alan Stern.

Auf Fotos von Plutos Mond Charon sind ebenfalls hohe Berge und zudem kilometertiefe Gräben zu sehen. Der Mond hat außerdem eine sehr dunkle Stelle, deren Entstehung sich die Wissenschaftler noch nicht erklären können.

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Pluto Nahaufnahme: Die Schönheit grauer Warzen
Es waren auch die Anlagen des Deep Space Network gewesen, die 13 Stunden nach dem historischen Rendezvous zwischen "New Horizons" und Pluto die Gewissheit lieferten: Die Sonde hat ihren rasanten Vorbeiflug am Zwergplaneten gut überstanden.

Im Kontrollzentrum in Laurel (US-Bundesstaat Maryland) wurde die Nachricht vom Erfolg der Mission mit Applaus aufgenommen. "Wir haben ein gesundes Raumfahrzeug", sagte Missionsmanagerin Alice Bowman. Laut Stern erwarten die Forscher nun, dass die Sonde in den kommenden 16 Monaten einen "Datenwasserfall" zur Erde schickt.

Interessante Erkenntnisse lieferte bereits eine Falschfarbenaufnahme der "Ralph"-Kamera an Bord, die am späten Dienstagabend veröffentlicht wurde. Zu sehen sind Pluto und sein Mond Charon. Auf dem Bild sind die Farbkontraste extrem verstärkt worden, um eines zu belegen: Die beiden Himmelskörper sind geologisch sehr komplex. Zum Beispiel besteht der erst kürzlich entdeckte herzförmige Bereich auf dem Pluto eigentlich aus zwei Bereichen ganz unterschiedlicher Struktur.

Pluto (li.) und Mond Charon (re.): Farbunterschiede stark verstärkt
NASA/ APL/ SwRI

Pluto (li.) und Mond Charon (re.): Farbunterschiede stark verstärkt

Was die Landschaftsformen genau zu bedeuten haben, welche chemischen Substanzen dort zu finden sind - diese Fragen und viele andere mehr sollen die Daten von "New Horizons" beantworten. Es wird lange dauern, bis alle beim Vorbeiflug gesammelten Informationen zur Erde gelangen.

US-Präsident Barack Obama gratulierte den Wissenschaftlern zum erfolgreichen Vorbeiflug am Zwergplaneten. "Pluto hatte gerade seinen ersten Besucher", schrieb Obama im Kurznachrichtendienst Twitter. Die Stippvisite von "New Horizons" bei dem Zwergplaneten markiere einen "großen Tag für Entdeckungen und für amerikanische Führungskraft".

Nach einer mehr als neunjährigen Reise über 4,8 Milliarden Kilometer war die Sonde am Dienstag um 13.49 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit in einer Entfernung von nur 12.500 Kilometern an Pluto vorbeigerast. Das Eintauchen des rund 50.000 Stundenkilometer schnellen Raumfahrzeugs in das unbekannte Pluto-System galt allerdings als nicht ganz ungefährlich - wegen des zumindest theoretisch bestehenden Risikos eines Zusammenstoßes mit kleinen Materieteilchen, die schweren Schaden an "New Horizons" hätten anrichten können.

"Geheimnisse vor unseren Augen gelüftet"

Die Begegnung der Forschungssonde mit dem rätselhaften Zwergplaneten gilt als ein historischer Moment der Raumfahrtgeschichte: "New Horizons" hatte die Erde beim Start im Januar 2006 so schnell verlassen wie noch keine Raumsonde zuvor - mit 16,2 Kilometern pro Sekunde (58.000 km/h). Sie ist das erste Raumfahrzeug, das Pluto und seinen fünf Monden so nahe gekommen ist.

Pluto wurde nach seiner Entdeckung 1930 jahrzehntelang zu den großen Planeten des Sonnensystems gezählt, ehe er 2006 zum Zwergplaneten zurückgestuft wurde. Während die nunmehr noch acht Planeten unseres Sonnensystems allesamt bereits das Ziel von Raumsonden waren, erhielt Pluto nun zum ersten Mal Besuch von der Erde.

Mit seinen sieben wissenschaftlichen Bordinstrumenten soll "New Horizons" nun Details der Oberfläche und der Atmosphäre von Pluto enthüllen, der im sogenannten Kuipergürtel, jenseits des Planeten Neptun, seine Bahn um die Sonne zieht. Diese Region birgt Überbleibsel aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems vor viereinhalb Milliarden Jahren - es gibt dort Kometen und die Bausteine für kleine Planeten. Nach der erfolgreichen Begegnung mit Pluto soll "New Horizons" demnächst weitere Objekte des Kuipergürtels ansteuern.

chs/AFP/dpa



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insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
seikor 15.07.2015
1. Gigantisch!
Bitte meeehr Bilder wie diese! Diese Raumsondenmission ist nach Tschuri auf längere Sicht gesehen wohl das letzte astronomische Highlight mit gigantischen Bildern fremder Welten!
Oberleerer 16.07.2015
2.
Ich glaube, die Planetwn entstehen, indem sich immer mehr Materie sammelt. Solange der sich bildende Klumpen noch klein ist, durchmischt sich das Material auch noch nicht. So sehen mir die Flecken auf Pluto aus. Wie mehrere Knetklumpen, die man zusammengebappt hat. Wächst der Planet, bis sich im Inneren das Material verflüssigt, durch den hohen Druck, bildet sich die Schalenstruktur aus.
Freidenker10 16.07.2015
3.
Sehr beeindruckend das ganze, auch die unvorstellbare Entfernung von 5 Milliarden Kilometer. Was mir aber immer noch nicht einleuchten will ist, warum wir keine scharfen Bilder mit dem Hubble, oder einem Teleskop von der Erde von Pluto machen können? Ist das technisch nicht möglich, oder bräuchte man ein anderes Teleskop als Hubble? Wir bekommen Bilder von ganzen Galaxien die Millionen Lichtjahre entfernt sind, aber nichts aus der direkten "Nachbarschaft".
seriphos02 16.07.2015
4. Die Stippvisite bei dem Zwergplaneten ...
... ist ein grosser Tag für amerikanische Führungskraft. Das nennt man unfreiwillige Komik.
heinerreiner 16.07.2015
5. DAS muss man sich erklären,
warum ein paar Fotos der Oberfläche eines Zwergplaneten, die beweisen, dass die Oberfläche nicht planiert und topfeben aussieht, sondern tatsächlich Berge und Täler aufweist, einen gestandenen Nasa-Manager "völlig überrascht". Jetzt gilt es, die "Bedeutung" der Landschaftsformen zu entdecken; auf jeden Fall ist klar, das die "american leadership" unheimlich gestärkt wurde durch dieses Stück "Raumfahrtgeschichte". Auch in diesem Metier ereignet sich Geschichte offensichtlich einmal als Drama und nachfolgend als Farce.
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