Chinesen ausgeschlossen US-Astronomen boykottieren Planetenkonferenz der Nasa

Die anstehende Planetenkonferenz der Nasa soll international sein. Nicht ganz: Chinesische Wissenschaftler wurden davon ausgeschlossen - und das bringt ihre US-Kollegen auf die Palme. Sie wollen das Treffen jetzt boykottieren

Nasa-Zelt vor dem Weißen Haus (Archivbild): Kollaborationen mit chinesischen Forschern unerwünscht
AP/dpa

Nasa-Zelt vor dem Weißen Haus (Archivbild): Kollaborationen mit chinesischen Forschern unerwünscht


Für die Nasa sind es derzeit bittere Tage, denn seit Dienstag steht bei der US-Raumfahrtbehörde alles still. Etwa 97 Prozent der 18.000 Nasa-Angestellten sind seit dem Shutdown der US-Regierung im Zwangsurlaub. Wichtige Forschungsprojekte ruhen, Experimente mussten unterbrochen werden und auch die Webseiten der Nasa sowie deren Twitter-Accounts sind lahmgelegt. Wie weitreichend die Folgen des Shutdown für die staatliche Organisation sein werden, lässt sich noch nicht absehen.

Während die Behörde zur Zwangsruhe verpflichtet ist, wächst andernorts jedoch heftiger Unmut über sie: Wenige Wochen vor Beginn der zweiten Kepler Science Conference, einem internationalen Treffen, auf dem Forscher über die Entdeckungen des Weltraumteleskops Kepler diskutieren wollen, sind jetzt fragwürdige Regelungen der Nasa ans Tageslicht gekommen. Wie der britische "Guardian" berichtet, wurden chinesische Wissenschaftler von der Konferenz ausgeschlossen - was einige US-Forscher jetzt auf die Palme bringt.

Demnach hatte die Behörde Anträge von Chinesen abgelehnt, die an der Konferenz Anfang November im Ames Research Center in Kalifornien teilnehmen wollten. Die Nasa handelt dabei nach Statuten, die jedes Jahr neu aufgelegt werden: In den Research Opportunities in Space and Earth Sciences (ROSES) sind die Rahmenbedingungen für Antragsteller bei der Nasa festgelegt.

Kollaborationen mit Chinesen? Verboten

Dort ist geregelt, unter welchen Bedingungen Wissenschaftler aus China Forschungsanträge stellen dürfen, welche Kollaborationen mit chinesischen Forschern oder Forschungseinrichtungen erlaubt sind - und vor allem: welche nicht. Die ROSES sind so kompliziert, dass die Nasa sogar eigens eine Seite zu gängigen Fragen und Antworten dazu eingerichtet hat. Wegen des Shutdown ist diese allerdings derzeit nicht erreichbar.

Wie weit diese Restriktionen gehen, zeigt sich jetzt jedoch am Ausschluss der chinesischen Wissenschaftler von der Kepler-Konferenz. Forscher chinesischer Nationalität, die sich für die Teilnahme an dem Meeting beworben hatten, erhielten laut "Guardian" die Absage per E-Mail von Mark Messersmith, einem Kepler-Spezialisten der Nasa: Bedauerlicherweise verbiete das im März in Kraft getretene Gesetz, Staatsangehörige der Volksrepublik China an der Konferenz in den Einrichtungen der Nasa teilnehmen zu lassen. Das betreffe auch chinesische Forscher, die bereits in anderen US-Einrichtungen arbeiten.

In den Augen vieler Forscher geht die Nasa damit eindeutig zu weit. Einige Forscher sind derart wütend, dass sie sich nun dagegen auflehnen und laut "Guardian" planen, die Kepler Science Conference sogar zu boykottieren.

"Beschämend und unmoralisch"

Einer von ihnen ist Geoff Marcy, Astronom an der University of California in Berkeley, Nobelpreis-Kandidat und der erfolgreichste Planetensucher weltweit. Er hält den Ausschluss chinesischer Wissenschaftler für "beschämend und unmoralisch". Es sei vollkommen unethisch für die USA, bestimmte Länder von der reinen Wissenschaft auszuschließen, sagte Marcy im "Guardian". "Das ist ein ethischer Verstoß, der inakzeptabel ist." Marcy fürchtet, dass das Gesetz wertvolle wissenschaftliche Beziehungen zwischen chinesischen und amerikanischen Forschern beschädigen könnte und dass Studenten aus China künftig nicht mehr in die USA kommen.

Auch Debra Fischer, Professorin für Astronomie an der Yale University, ist empört. Sie erfuhrt von der China-Sperre, weil Ji Wang, einer der Postdocs aus ihrem Labor, davon betroffen war. Die Nasa hatte seinen Teilnahmeantrag abgelehnt. Die offizielle Begründung: Wangs Nationalität. Laut "Guardian" habe Fischer sich dazu entschieden, die Konferenz zu boykottieren. Ihr gesamtes Team sei ihrem Beispiel gefolgt und habe die Teilnahme zurückgezogen.

Chris Lintott, Astronom an der Oxford University in England, hat im "Guardian" zu einem kompletten Boykott der Kepler-Konferenz aufgerufen, bis eine Lösung gefunden ist. "Ich bin schockiert und erschüttert darüber, wie diese Richtlinie umgesetzt wurde", sagte Lintott. Wissenschaft solle offen für alle sein ungeachtet der Nationalität. Einzelne Nationalitäten auszuschließen, erinnere ihn an Konferenzen aus dem Kalten Krieg von russischen und westlichen Physikern. "Das Kepler-Team sollte die Konferenz an einem anderen Ort abhalten." Er hoffe, dass jeder die Konferenz boykottiere, solange das nicht passiere.

Antworten zu der Debatte von der Nasa selbst erhält man in diesen Tagen nicht. "Verzeihung, aber wir werden Anfragen während des Shutdown der Regierung nicht beantworten", heißt es derzeit auf allen Nasa-Kanälen.

Auch Alan Boss, führendes Mitglied der Kepler-Mission und Co-Organisator der Konferenz wollte sich laut "Guardian" nicht an den Diskussionen beteiligen. Einen bemerkenswert frustrierten Satz sagte er aber dennoch: "Das ist keine Wissenschaft, das ist leider Politik."

cib

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insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
Kauzboi 05.10.2013
1. Nuja
Irgend jemand hatte halt genug davon ständig zu lesen, wie die chinesische KP Studenten in die USA schickt, die dann nicht nur vom vermittelten Wissen profitieren (und anschliessend gleich auf nimmerwiedersehen zurück nach China verschwinden) sondern gelgentlich auch mal den einen oder anderen Datenträger oder gleich einen ganzen Laptop mit nach Hause nehmen Und dann wurde diese Richtlinie nun halt umgesetzt. Herrje. Was solls.
hirsnemehism 05.10.2013
2. Einen Teil der Menschheit...
...von der Teilnahme an einer Konferenz, die die gesamte Menschheit angehen, auszuschließen, finde ICH, wie anscheinend sogar viele direkt betroffene potentielle amerikanischen Teilnehmer, auch nicht in Ordnung!
Neurovore 05.10.2013
3.
"Uns". Also zuerst einmal den Amerikanern und dann den Europäern als -noch- nützliche Hilfstruppen. Süd- und Mittelamerikaner, Amerikaner und Asiaten mussten für dieses Weltbild bluten und sterben. Die propagierte Freiheit ist vor allem ein zutiefst rassistischer Machtanspruch, wie er sich auch hier mal wieder zeigt...
Luna-lucia 05.10.2013
4. Forscher chinesischer Nationalität
werden ohnehin den Amis bald den "Rang" ablaufen! Eine einzige Frechheit, solche Leute von so wichtigen Konferenzen, auszuschließen! Aber das wird sich sicher bald rächen! Womit können die Amis ins All? Mit den Russen, und wer weiß schon, wie lange die das mitmachen? Die Chinesen aber, die werden die zukünftige "Mondgeneration" stellen! Amiland - Pleiteland > dich "man" hat abgehängt ...
gbtate 05.10.2013
5. Gib Geist
Zitat von KauzboiIrgend jemand hatte halt genug davon ständig zu lesen, wie die chinesische KP Studenten in die USA schickt, die dann nicht nur vom vermittelten Wissen profitieren (und anschliessend gleich auf nimmerwiedersehen zurück nach China verschwinden) sondern gelgentlich auch mal den einen oder anderen Datenträger oder gleich einen ganzen Laptop mit nach Hause nehmen Und dann wurde diese Richtlinie nun halt umgesetzt. Herrje. Was solls.
Bevor Sie einen derartigen Unsinn verbreiten, sollten Sie sich erstmal in den US-(Ranking)-Universitäten umsehen. Sie würden erstaunt sein, wieviele "schwarze Köpfe" dort als undergraduates sitzen und wieviele ebensolche schwarze Köpfe dort Professoren und Dozenten sind. Arroganz zeigt in aller Regel mangelndes Können.
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