Nasa-Stunt missglückt: "Genesis"-Kapsel knallt ungebremst in den Boden

Schwerer Rückschlag für die Nasa: Die "Genesis"-Kapsel mit Sonnenstaub im Wert von Hunderten Millionen Dollar ist über den USA abgestürzt. Hubschrauber hätten den Behälter im Flug auffangen sollen, doch der Fallschirm der Kapsel hatte sich nicht geöffnet. Ob deren Inhalt noch verwertet werden kann, ist unklar.

Abgestürzte "Genesis"-Probenkapsel: 260 Millionen Dollar teurer Fehlschlag
AP

Abgestürzte "Genesis"-Probenkapsel: 260 Millionen Dollar teurer Fehlschlag

Zwei Jahre lang hatte die 260 Millionen Dollar teure "Genesis"-Sonde Partikel aus dem Sonnenwind im Weltraum gesammelt. Der Behälter mit der wertvollen Fracht sollte am Mittwochabend deutscher Zeit durch die Erdatmosphäre stürzen, von einem Fallschirm gebremst und dann von einem Helikopter im Flug eingefangen werden. Zwei Hollywood-Stuntpiloten, Dan Rudert und Cliff Flemming, hatten jahrelang für das Manöver trainiert.

Chris Jones vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa sagte, dass der Bremsfallschirm nicht funktioniert habe und sich deshalb auch der Gleitschirm nicht geöffnet habe. Die 200 Kilogramm schwere Kapsel in Form einer fliegenden Untertasse sei mit über 300 Kilometern pro Stunde in den Erdboden eingeschlagen. Auf den Internet-Livebildern der Nasa war der Behälter zu sehen, der zur Hälfte im Wüstenboden von Utah steckte.

"Blackhawk"-Hubschrauber vor der abgestürzten Kapsel: Der genaue Schaden ist noch unklar
Screenshot Livestream JPL/ NASA

"Blackhawk"-Hubschrauber vor der abgestürzten Kapsel: Der genaue Schaden ist noch unklar

Jones sagte, es sei derzeit unklar, ob die Sonnenwindproben den Aufschlag überstanden haben. Es scheint allerdings eher unwahrscheinlich, dass die Wissenschaftler noch etwas Brauchbares vorfinden. Sie hatten den Verlust der Sonnenwindproben schon für den Fall befürchtet, dass die Helikopter ihr Ziel verfehlen und die Kapsel am Gleitschirm mit 20 km/h aufkommt. Man hoffe nun, dass noch genug von der Kapsel übrig sei, um die Ursachen für den Fehlschlag klären zu können, erklärte Jones.

Ein anderer Nasa-Experte, Roy Haggard, war dagegen weniger pessimistisch: "Wir waren überrascht, wie klein der Schaden an der Kapsel war", sagte er, nachdem er als einer der ersten mit einem Hubschrauber vor Ort eingetroffen war. Der zuständige Nasa-Direktor Andre Dantzer meinte, es werde Tage, vielleicht sogar Wochen dauern, bevor klar sei, in welchem Zustand sich das Material und die Instrumente im Innern der Kapsel befinden.

Von der Analyse der "Genesis"-Probe hatten sich die Forscher neue Erkenntnisse über die Entstehung des Sonnensystems und die exakte chemische Zusammensetzung des Zentralgestirns versprochen. Nach bisherigen Annahmen spiegeln die von der Oberfläche der Sonne stammenden Teilchen noch die Zusammensetzung jener Ursuppe wider, aus der vor rund 4,6 Milliarden Jahren die Sonne und ihre Planeten entstanden.

Von der Mission bleibt nun nur noch ein Rest: Die "Genesis"-Sonde hat sich nach dem Abwurf des Proben-Behälters wieder auf den Rückweg zur Sonne gemacht, um weitere Langzeit-Beobachtungen durchzuführen.

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