Neue Himmelskarte "Wise" vermisst Universum mit ungekannter Genauigkeit

So genau ist das Universum noch nie zuvor katalogisiert worden. Das Nasa-Teleskop "Wise" hat eine Himmelskarte mit 560 Millionen Sternen und Galaxien erstellt. Doch inzwischen rast das Observatorium in einer Art Winterschlaf um die Erde.

Neues Infrarot-Bild des Alls: "Produkt von 14 Jahren Arbeit"
NASA/ JPL/ UCLA

Neues Infrarot-Bild des Alls: "Produkt von 14 Jahren Arbeit"


Berlin - Es gibt viele Zahlen, mit denen man den Erfolg des im Jahr 2009 gestarteten Nasa-Teleskops "Wise" ("Wide-field Infrared Survey Explorer") beschreiben kann - und 563.921.584 ist eine davon. Genau so viele Objekte - Sterne und Galaxien - hat der Infrarot-Späher bei seiner akribischen Durchmusterung des Universums nämlich gefunden. Viele von ihnen waren bisher vollkommen unbekannt.

Die beteiligten Forscher haben aus den gut 560 Millionen Objekten nun einen Himmelskatalog von bisher ungekannter Präzision vorgelegt. Den haben sie aus den Daten des Teleskops zusammengestellt, insgesamt sind es 2,7 Millionen Einzelbilder. Noch so eine Zahl.

"Heute beschenkt 'Wise' die astronomische Community mit dem Produkt von 14 Jahren Arbeit ", frohlockt Chefwissenschaftler Edward Wright von der University of California in Los Angeles. Eine erste, weniger detaillierte Version der Himmelskarte hatten er und seine Kollegen schon im vergangenen Jahr vorgestellt.

Das endgültige Ergebnis sind nun 18.240 Bilder, jedes 4095 mal 4095 Pixel groß. Das Teleskop hat ein bestimmtes Himmelssegment jeweils mehrfach in den Blick genommen. Meistens entstanden dabei etwa ein Dutzend Aufnahmen der Gegend, in manchen Fällen wurde ein Gebiet aber auch bis zu 3000-mal in den Blick genommen. Je nach Wellenlänge lag die Belichtungszeit zwischen knapp acht und knapp neun Sekunden.

Mit "Wise"-Daten sind Sterne auf Zimmertemperatur bereits ebenso entdeckt worden wie ein sogenannter Trojaner-Asteroid, der offenbar schon seit Tausenden von Jahren unserer Erde auf ihrem Rundkurs um die Sonne folgt. Außerdem haben Forscher die Zahl der potentiell gefährlichen Asteroiden im Sonnensystem leicht nach unten korrigieren können - dank Informationen von "Wise".

Insgesamt 100 wissenschaftliche Veröffentlichungen habe es auf Basis der ersten Daten bereits gegeben, so die Nasa. In Zukunft dürften das noch dramatisch mehr werden. Seine Aufnahmen hat "Wise" zwischen Januar und August 2010 gemacht. Anschließend ging es darum, die Bilder aus insgesamt vier Wellenlängenbereichen zu bearbeiten und zu kombinieren.

Nach seiner großen Fotoaktion im Jahr 2010 ist es inzwischen still geworden um "Wise". Zum Betrieb zweier Sensoren ist nicht mehr das nötige Kühlmittel an Bord. Sie waren bereits seit Oktober 2010 nicht mehr im Einsatz. Zwei weitere Sensoren wurden noch einige zusätzliche Monate genutzt, bis Anfang 2011. Seitdem kreist das Teleskop in einer Art Winterschlaf um die Erde. Bis sich neues Geld zum Weiterbetrieb der noch funktionsfähigen Systeme findet - oder bis es in ferner Zukunft auf die Erde zurückstürzt.

chs



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