Astronomen melden den Fund einer Galaxie, die 13,3 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Damit könnte sie das frühesten bekannte Sternsystem des Universums sein. Allerdings konkurriert sie mit einem weiteren möglichen Rekordhalter.
Paris - Auf der Suche nach den frühesten Galaxien im Universum sind Astronomen möglicherweise auf einen neuen Rekord gestoßen: Sie entdeckten eine Sterneninsel in 13,3 Milliarden Lichtjahren Entfernung von der Erde, wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa und die Europäische Raumfahrtagentur Esa am Freitag mitteilten. "Wir sehen die neu entdeckte Galaxie mit der Bezeichnung MACS0647-JD so, wie sie 420 Millionen Jahre nach dem Urknall aussah", hieß es in einer Mitteilung. "Ihr Licht war 13,3 Milliarden Jahre zur Erde unterwegs."
Das Urknall-Modell besagt, dass das Universum vor rund 13,7 Milliarden Jahren entstand und sich seither ausdehnt. Die Nasa bezeichnet die neue Entdeckung als die am weitesten entfernte Galaxie, die bislang bekannt sei. Allerdings hatte die US-Weltraumbehörde schon vor einem halben Jahr die Entdeckung einer Galaxie gemeldet, die sogar 13,5 Milliarden Lichtjahre entfernt sei - und bezeichnete sie ebenfalls als die am weitesten entfernt. Die Forscher lösen das Dilemma, indem sie jeweils von Rekordkandidaten sprechen.
Ein eindeutiges Ergebnis ist wohl erst nach weiteren Auswertungen zu erwarten. Die jetzt aufgespürte Galaxie MACS0647-JD sei wohl zu weit entfernt, um mit den derzeit vorhandenen Teleskopen ihre Entfernung exakt zu bestimmen, erläuterte die Nasa. Erst der "Hubble"-Nachfolger, das im Bau befindliche "James Webb Space Telescope", werde voraussichtlich dazu in der Lage sein. Es soll 2018 ins All geschossen werden.
Strahlen in der Linse
In letzter Zeit häufen sich die Rekorde: Im Januar hatte "Hubble" eine Galaxie gefunden, die rund 13,2 Milliarden Jahre alt ist. Und im Oktober 2011 hatten Forscher den Fund einer 13 Milliarden Jahre alten Galaxie bekanntgegeben.
Auf die Spur kamen die Astronomen dem nun entdeckten Sternsystem durch einen Effekt, der an ein astronomisches Vergrößerungsglas erinnert. Dieser sogenannte Graviationslinsen-Effekt entsteht, wenn sich genau auf der Linie zwischen Beobachter und Galaxie ein zweites massereiches Objekt befindet, das durch seine Gravitation die Lichtstrahlen des dahinter liegenden Objekts ablenkt und so verstärkt.
Eine solche Gravitationslinse erlaubt Astronomen die Beobachtung von Sterneninseln, deren Licht schwächer ist als dasjenige einer Kerze auf dem Mond. Dieser Effekt machte auch die Beobachtung der lichtschwachen Galaxie MACS0647-JD durch die Weltraumteleskope "Hubble" und "Spitzer" erst möglich.
Die neu entdeckte Galaxie weist einen Durchmesser von weniger als 600 Lichtjahren auf - das ist nur ein Bruchteil des Durchmessers unserer Milchstraße, der auf 150.000 Lichtjahre geschätzt wird. Die Forscher glauben daher, dass wir die weit entfernte Galaxie in den ersten Stadien ihrer Entwicklung sehen - so, wie sie vor 13,3 Milliarden Jahren ausgesehen hat.
boj/AFP/dpa
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