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Nicaragua: Nasa zweifelt an Meteoriteneinschlag

Spurensuche: Zweifelhafter Meteoriteneinschlag Fotos
DPA

Streit um einen Krater: In Nicaragua sei ein Meteorit eingeschlagen, melden Wissenschaftler des Landes. Doch ein Nasa-Forscher widerspricht - ein entscheidendes Indiz fehle.

Managua - Die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa glaubt nicht an einen Meteoriteneinschlag in Nicaragua. Es sei kein Feuerball zu sehen gewesen, teilte der Leiter der Nasa-Abteilung für Meteoriten, Bill Cooke, auf einem Nasa-Blog mit. Das deute darauf hin, dass etwas anderes den Krater nahe der Hauptstadt Managua verursacht habe.

"Der Himmel war zum Teil klar. Ein Objekt, das so einen großen Krater verursachen könnte, würde einen sehr hellen Feuerball generieren", schreibt der Wissenschaftler. Die Anwohner hätten das Objekt bemerkt, der Meteorit wäre heller als der Vollmond gewesen.

Anwohner am Einschlagort in einem Wäldchen berichteten, sie hätten an eine Explosion geglaubt. Von einem Feuerball berichtete offenbar niemand. Flüssigkeit, Sand und Staub seien in die Luft geschleudert worden, dann habe es nach etwas Verbranntem gerochen. Angaben zu möglichen Verletzten gab es nicht.

Behörden beharren auf Meteorit

Die nicaraguanischen Behörden beharren indes auf ihrer Erklärung für den Krater. "Wir sind überzeugt davon, dass es ein Meteorit war", sagte der deutsche Geologe Wilfried Strauch vom nicaraguanischen Institut für Geo-Wissenschaften (Ineter). "Wir haben uns den Krater angeschaut und Instrumente eingesetzt, um zu analysieren, ob es sich um einen Meteoriten aus Eisen oder Gestein handelte."

Der Meteorit sei laut nicaraguanischen Behörden in der Nacht zum Sonntag in einem Waldstück in der Nähe des internationalen Flughafens eingeschlagen und hatte einen Krater von zwölf Metern Durchmesser und 5,5 Metern Tiefe verursacht. Das Erdloch liegt in der Nähe einer Kaserne der nicaraguanischen Armee.

Zwei Wellen

Was auch immer den Krater verursacht hat, die Erschütterungen waren so stark, dass sie von Messinstrumenten der Erdbebenwarte aufgezeichnet wurden. Auf den Messinstrumenten des Instituts seien "zwei Wellen" verzeichnet: eine kleinere von der durch den Einschlag ausgelösten Erschütterung und eine stärkere vom Knall. Es sei noch unklar, ob der Meteorit komplett verbrannt oder in den Boden eingedrungen sei, sagte ein weiterer Behördenvertreter. Die Regierung will sich mit US-Geologen über den Vorfall austauschen.

Nach Strauchs Angaben will das geophysische Institut den geologischen Dienst der USA (USGS) um Unterstützung bei der Auswertung bitten. Jährlich werden weltweit etwa fünf Meteoritenfälle verzeichnet.

Der Meteorit traf die Erde ohne Vorwarnung, Geschosse aus dem All kommen meist überraschend. Jeden Tag prasseln Abermillionen Staub- und Steinpartikel mit einem Gesamtgewicht von Hundert Tonnen aus dem All auf unseren Planeten, manche verglühen als Sternschnuppen. Häufig stürzen metergroße Geschosse auf den Boden; meist jedoch abseits der Zivilisation. Der bislang größte Einschlag in einer Siedlung ereignete sich 2013 Nahe Tscheljabinsk in Russland. Bezeugt sind etwa Einschläge 2008 in der Einöde des Sudan und 2007 nahe einem Bergdorf in Peru.

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Meteoriten und ihre Folgen: Riesige Krater, gefällte Wälder

tst/ dpa

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1.
Tiananmen 09.09.2014
---Zitat--- Flüssigkeit, Sand und Staub seien in die Luft geschleudert worden, dann habe es nach etwas Verbranntem gerochen." ---Zitatende--- Flüssigkeit? Ein Wassermeteorit?
2.
themistokles 09.09.2014
Wie im Artikel steht, ist in unmittelbarer Nähe ein Stützpunkt der Armee. Da dürfte es viele explosive Stoffe geben....
3. Meinungsmanipulationen
Ursprung 12.09.2014
Zitat von themistoklesWie im Artikel steht, ist in unmittelbarer Nähe ein Stützpunkt der Armee. Da dürfte es viele explosive Stoffe geben....
Nun ja, es steht dort auch, dass ein Flugplatz nahe ist. Ausserdem gibts im Land, dessen Hauptstadt Managua ist, gut geruestete Politgegner des Systems oder, wahlweise, je nach individueller Sicht ein politisches Unterdrueckungssystem, dessen freiwillige oder unfreiwillige Helfer aehnlich wie uns die jeweiligen Medien sind, in denen "etwas steht" und die sehr gehorsam gegenueber dem System zu sein haben. Sonst duerften sie nicht "Medien" werden oder lange bleiben. Wissenschaftler vermoegen, sofern ihnen freien Zugang gewaehrt wird, wohl binnen Stunden unzweifelhaft auszusagen koennen, obs nun ein Meteorit oder was anderes war. Was dann coram publicum verlautet wird, duerfte was ganz anderes sein, wenn das Wissenschaftsergebnis jemandem nicht in seinen Kram passt oder es gerade in dessen Kram passt, was anderes Passendes hineinzuinsinuieren. Das scheint hier vorzuliegen, erfolgreich, worauf der Text Ihres Beitrags hinweisen koennte.
4.
Olaf 12.09.2014
Sprengstoff z.B. Die gleichen Spekulationen gab es vor Jahren auch in Bayern. Es wurde ein Krater in der Nähe des Kloster Andechs entdeckt und ein Meteoriteneinschlag angenommen. Dann stellte sich heraus, dass jemand das Loch in den Boden gesprengt hat, um einen Teich anzulegen. http://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_Reisch
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