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Neu entdeckter Himmelskörper: "Quaoar" macht Pluto Konkurrenz

In den Außenbezirken des Sonnensystems kreist, wie Forscher entdeckt haben, ein weiterer schwergewichtiger Himmelskörper. Der Fund könnte Pluto endgültig den Planetenrang kosten.

Entdeckungsfoto mit markiertem Kleinplaneten (Pfeil): Bemerkenswerte Kreisbahn
Caltech

Entdeckungsfoto mit markiertem Kleinplaneten (Pfeil): Bemerkenswerte Kreisbahn

Das Sonnensystem bietet auch Außenseitern genügend Platz: Im Kuiper-Gürtel jenseits der Neptun-Bahn tummeln sich Abertausende von Asteroiden und Kometen. In dieser Region haben Astronomen vom California Institute of Technology jetzt einen besonders großen Brocken lokalisiert, der einmal mehr den Planetenstatus von Pluto in Frage stellt.

Der ferne Himmelskörper mit der Nummer 2002 LM60, den die kalifornischen Entdecker Mike Brown und Chad Trujillo nach der Gottheit eines lokalen Indianerstammes auf den Namen "Quaoar" tauften, misst Schätzungen zufolge knapp 1300 Kilometer. Damit besitzt der Neuzugang, dessen Oberfläche vermutlich von einer dunklen Kruste bedeckt ist, in etwa das Kaliber des Plutomondes Charon. Der neunte Planet selbst ist mit einem Durchmesser von 2200 Kilometern kaum doppelt so groß.

Quaoar in der Vorstellung eines Künstlers: Dunkle Kruste
NASA and G. Bacon (STScI)

Quaoar in der Vorstellung eines Künstlers: Dunkle Kruste

Nach Angaben der Forscher, die ihre Entdeckung am Montag auf einer Fachtagung in Birmingham im US-Staat Alabama vorstellten, ist Quaoar damit der größte Himmelskörper, der seit 1930 im Sonnensystem gefunden wurde - damals hatte der junge US-Astronom Clyde Tombaugh den Pluto entdeckt. Allerdings kreisen im Kuiper-Gürtel noch andere Objekte mit ähnlichen Ausmaßen, darunter der im vergangenen Jahr aufgespürte, etwa 1200 Kilometer große Asteroid 2001 KX76.

Brown und Trujillo hatten Quaoar beim Vergleich von digitalen Fotos entdeckt, die sie im Juni mit dem 1,2-Meter-Oschin-Teleskop des Palomar-Observatoriums aufgenommen hatten. In Archiven konnten sie den wandernden Lichtfleck auch auf früheren Bildern ausmachen. Bereits auf Aufnahmen aus dem Jahr 1982, so das Ergebnis der Recherche, ist der Kleinplanet zu erkennen - allerdings war er damals unerkannt geblieben.

Mit Hilfe der langjährigen Daten sowie weiteren Beobachtungen etwa mit dem Weltraumteleskop Hubble konnten die Forscher ein relativ genaues Bild des Schwergewichtes zeichnen. Demnach umrundet es die Sonne einmal in 288 Jahren auf einer bemerkenswerten, beinahe kreisförmigen Bahn - die von Pluto ist hingegen stark elliptisch. Mit einer Distanz von rund 6,5 Milliarden Kilometern ist Quaoar zudem deutlich weiter von der Erde entfernt.

Schon lange suchen Astronomen jenseits der Neptun-Bahn nach einem postulierten zehnten Sonnentrabanten. Für Brown und Trujillo stellt sich jedoch weniger die Frage, ob Quaoar ein Planet ist. Vielmehr sei der Fund ein weiteres Indiz dafür, dass es sich bei Pluto nur um ein besonders großes Kuiper-Gürtel-Objekt handelt. Wenn dieser heute entdeckt werden würde, so Brown, "käme niemand auch nur auf den Gedanken, ihn als Planeten zu bezeichnen."

Pluto ist nach Ansicht der Wissenschaftler nur deshalb früher gefunden worden, weil er vor Urzeiten auf eine elliptische Bahn geriet, die ihn näher an die Sonne heranführt. An seinem mutmaßlichen Entstehungsort, dem Kuiper-Gürtel, würde der Planet womöglich gar nicht als solcher auffallen: Brown und Trujillo nehmen an, dass es dort noch größere Objekte als Quaoar gibt, vielleicht sogar so groß wie Pluto.

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