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Neue 3-D-Weltkarte: "Tandem-X" funkt faszinierende Bilder zur Erde

Es soll die präziseste 3-D-Karte der Erde werden: Erst vor wenigen Tagen ist der deutsche Radarsatellit "Tandem-X" zu seiner Mission aufgebrochen - jetzt liefert er die ersten Bilder aus dem All. Wissenschaftler sind begeistert von der Qualität der Aufnahmen.

Deutscher Radarsatellit: "Tandem-X" funkt die ersten Bilder Fotos
DLR

Die Forscher vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) jubeln: Schon mit seinen ersten Bildern übertrifft der Radarsatellit "Tandem-X" seinen Zwillingssatelliten "Terrasar-X". Nur drei Tage und 14 Stunden nach dem Start, funkte der Satellit zum ersten Mal Aufnahmen aus dem Weltall. "Damit haben wir den Weltrekord bei der Erstellung von Satellitenbildern gebrochen", sagte Manfred Zink vom DLR.

Insgesamt acht Gigabyte an Bilddaten habe die Bodenstation des DLR in Neustrelitz bisher empfangen, teilte der Satellitenbauer Astrium am Freitag mit: "Tandem-X" schickte Schnappschüsse mit Blick aus 500 Kilometern Höhe auf den Norden von Madagaskar, die Ukraine und Moskau.

Die DLR-Wissenschaftler sind von den ersten Aufnahmen fasziniert: Selbst das Auf-und Ab der Wellen im indischen Ozean (siehe Fotostrecke, gelblich eingefärbt) konnte "Tandem-X" auf seinen Bildern einfangen. Und das, obwohl er den Globus mit einer Geschwindigkeit von 7,6 Kilometer pro Sekunde umrundet - das sind etwa 27.000 Kilometer pro Stunde. Auch die Vegetation der Ukraine und selbst Details wie ein fahrender Zug sind erkennbar.

Bei aller Euphorie sind die Bilder, die "Tandem-X" jetzt zur Erde gefunkt hat, allerdings noch nicht mehr als der Beweis, dass der Satellit funktioniert. "Mit der Aufnahme haben wir die Gewissheit, dass der Radarsatellit ohne Probleme arbeitet", sagt Michael Bartusch, der Projektleiter der Tandem-X-Mission.

Die eigentliche Mission kann "Tandem-X" jedoch nicht ohne seinen Zwillingsbruder "Terrasar-X" erfüllen. Dieser rast schon seit 2007 um die Erde und liefert bereits spektakuläre Aufnahmen aus dem Weltall: Sie zeigten unter anderem die Geländeverschiebungen nach dem Erdbeben auf Haiti und nach dem massiven Tagebau-Erdrutsch in Nachterstedt im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt.

150 Millionen Quadratkilometer Landfläche

Jetzt muss das deutsche Satelliten-Duo eine neue Herausforderung meistern: Im Formationsflug, im Abstand von nur etwa 200 Metern zueinander, sollen "Tandem-X" und "Terrasar-X" drei Jahre lang um die Erde kreisen und dabei die gesamte Landfläche erfassen: Gut 150 Millionen Quadratkilometer müssen sie aus dem Weltall aufnehmen. Dabei müssen sie höchst präzise vorgehen, und fast Meter für Meter fotografieren - denn aus den gesammelten Daten will das DLR eine 3-D-Weltkarte erstellen. Sie soll die präzisteste 3-D-Karte werden, die es je von unserem Planeten gegeben hat. Weniger als zwei Meter soll die Fehlertoleranz betragen.

Die ersten offiziellen dreidimensionalen Bilder der Zwillingssatelliten wird es ab Januar 2011 geben. Dann wollen die DLR-Forscher mit der Vermessung der gesamten Erde beginnen und ein Höhenmodell erstellen.

Nach eigenen Angaben will das DLR die Daten vor allem zu wissenschaftlichen Zwecken nutzen. Unter anderem könnten so die Eisbewegungen in Arktis und Antarktis beobachtet werden, aber auch Naturkatastrophen wie Hochwasser, Erdbeben oder Vulkanausbrüche.

Doch nicht nur Geologen werden sich über die 3-D-Daten freuen: Auch für die Städteplanung, Geländenutzung oder zur Bewältigung von Katastrophenfällen können solche Daten nützlich sein. Deshalb sind nicht nur wissenschaftliche und sicherheitsrelevante Anwendungen vorgesehen. Das Modell soll über eine Tochtergesellschaft des Raumfahrtunternehmens Astrium weltweit auch kommerziell vermarktet werden. Schon jetzt gibt es nach DLR-Angaben 30 kommerzielle Kunden.

cib/apn

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
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1. Open Access
zch 26.06.2010
Begeistert bin ich erst, wenn die Ergebnisse solcher aus Steuermitteln finanzierten Projekte zumindest für den nicht-kommerziellen Gebrauch öffentlich und kostenlos verfügbar gemacht werden.
2. Aufwände sozialisiert, Gewinne privatisiert
menschmaschine 26.06.2010
Das Projekt wurde zumindest teilweise mit unseren Steuern finanziert. D.h. aber noch lange nicht, dass die damit ermittelten Daten frei verfügbar wären wie z.B. die von der NASA: http://wiki.openstreetmap.org/wiki/SRTM . Im Gegenteil, es wurde extra eine Verwertungs-GmbH gegründet: "Die hochaufgelösten Daten des TerraSAR-X sollen durch den Geoinformationsanbieter Infoterra GmbH, einer Tochter der EADS Astrium GmbH, kommerziell verwertet werden mit dem Ziel, ein sich selbst tragendes Erdbeobachtungsgeschäft in Europa zu etablieren." (Zitat aus: http://www.dlr.de/rd/desktopdefault.aspx/tabid-2440/3586_read-5338/ )
3. Westkueste in Sydney??
chi2 26.06.2010
Bild 4 sieht aus als waere es spiegelverkehrt da es keine Westkueste in Sydney gibt! Gehe davon aus es ist Cronulla!
4. Das ist ohne Zweifel
rick.sander 26.06.2010
fantastisch und faszinierend. es kann sicher auch als Dokumentation dienen und die Basis bilden um Urwaldrodungen und sonstigen Umweltfrevel aufzudecken. Diese verwertungsgesellschaft sollte in allererster Linie jedoch dazu dienen die Kosten zu decken und dann erst Profit zu machen. wir haben ja leider keine Steuergeschenke zu verteilen und jeder Euro ist wichtig, sonst kommen wir nir von den 1,5 Billionen Schulden runter.
5. ..
5Minute 27.06.2010
Zitat von menschmaschineDas Projekt wurde zumindest teilweise mit unseren Steuern finanziert. D.h. aber noch lange nicht, dass die damit ermittelten Daten frei verfügbar wären wie z.B. die von der NASA: http://wiki.openstreetmap.org/wiki/SRTM . Im Gegenteil, es wurde extra eine Verwertungs-GmbH gegründet: "Die hochaufgelösten Daten des TerraSAR-X sollen durch den Geoinformationsanbieter Infoterra GmbH, einer Tochter der EADS Astrium GmbH, kommerziell verwertet werden mit dem Ziel, ein sich selbst tragendes Erdbeobachtungsgeschäft in Europa zu etablieren." (Zitat aus: http://www.dlr.de/rd/desktopdefault.aspx/tabid-2440/3586_read-5338/ )
Und was ist jetzt der Nachteil? Soll, egal ob profitabel oder nicht, Geld weiter vom Staat ungeprüft reingepumpt werden? Da ist es doch sinnvoll, dass sich das Geschäft selbst tragen soll, und die Anschubfinanzierung durch den Staat geschieht, wie es bei High Tech eben notwendig sein kann, um überhaupt in den Markt einzutreten. Wenn es funktioniert, fallen ja wieder Steuern etc. ab und Einnahmen aus Drittländern. Es handelt sich ja hier nicht um ein schwarzes Geldloch, Geld reinpumpen ohne Widerkehr, wie z.B. die Sozialausgaben des Landes. (SCNR)
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Fotostrecke
Erdansichten: Erste Bilder des deutschen Radarsatelliten


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