Neue Aufnahmen: Teleskop entdeckt Netz aus kaltem Kosmos-Staub

Ein Netz aus kaltem Staub durchzieht unsere kosmische Nachbarschaft. Das europäische Weltraumteleskop "Planck" hat die frostigen Areale nun in einem beeindruckenden Bild festgehalten. Astronomen staunen über die Strukturen - und haben Probleme, deren Entstehung zu erklären.

"Planck"-Bilder: Kosmos-Staub und Urknall-Echo Fotos
DPA

Damit das Weltraumteleskop "Planck" gut sehen kann, muss es auf kaum vorstellbare Temperaturen gekühlt werden. Gerade einmal 0,1 Grad über dem absoluten Nullpunkt von minus 273,15 Grad Celsius sind die Sensoren noch warm - und damit einer der kältesten Punkte des Universums. Nur so kann der Esa-Satellit die extrem schwachen Temperaturschwankungen aus der ersten Zeit des Weltalls erfassen.

Nun hat "Planck" ein riesiges Gewebe aus kaltem Staub aufgenommen, das sich rund 500 Lichtjahre von uns entfernt befindet - ganz so, also ob jemand seinen kosmischen Hausputz nicht recht ernst genommen hat. Das neue Falschfarbenbild entstand durch Kombination aktueller "Planck"-Daten mit Messwerten des amerikanisch-britisch-niederländischen Teleskops "Iras" aus dem Jahr 1983.

Unterschiedliche Farben auf dem Bild zeigen die Temperaturen des Staubs an. Bereiche in weiß oder rosa weisen auf wärmere Areale hin. In ihnen liegt die Temperatur einige Dutzend Grad über dem absoluten Nullpunkt. Dunklere Farbtöne künden von Bereichen, die frostiger sind. Der wärmere Staub konzentriert sich in der Ebene der Milchstraße, die als leuchtendes Band unten im Bild zu sehen ist. Der Staub oberhalb und unterhalb davon ist kühler.

Eine Vielzahl von Faktoren sorgt dafür, dass sich die beobachteten faserartigen Strukturen formen: die Rotation der Galaxien, die Gravitation, Strahlung, Partikelströme, Magnetfelder. Diese Kräfte sind auch wichtig für die Entstehung von Sternen und Galaxien.

Doch im Detail stellt die Entstehung des kosmischen Gewebes die Forscher noch vor viele Rätsel: "Warum diese Strukturen so eigentümliche Formen haben, ist nicht vollständig geklärt", sagt Jan Tauber. Er arbeitet bei der Esa als Projektwissenschaftler für "Planck". Die dichteren Bereiche bezeichnen die Forscher als molekulare Wolken, die mehr zerstreuten als "Cirrus". Sie bestehen sowohl aus Staub als auch aus Gas - wenngleich das Gas in der aktuellen "Planck"-Aufnahme nicht direkt zu sehen ist.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels wurde die Farbcodierung des Bildes falsch erklärt. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

chs

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