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Neue Bahnberechnung: Asteroid könnte Erde in 160 Jahren treffen

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Kracht im nächsten Jahrhundert ein 500 Meter großer Brocken auf die Erde? Forscher haben die Wahrscheinlichkeit dafür mit eins zu 1400 berechnet. Das Risiko könnte sogar noch steigen.

Sie rasen auf die Erde zu und könnten alles Leben auslöschen: Die Angst vor dem Einschlag großer Asteroiden treibt die Menschen immer wieder um. Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts beschäftigte sich auch der US-Kongress damit, 1998 verordnete er der Nasa dann das sogenannte Spaceguard Goal. Die Weltraumexperten sollten bis zum Jahr 2008 90 Prozent aller Asteroiden mit einem Durchmesser größer als einem Kilometer finden, die eine potentielle Gefahr für unseren Planeten darstellen.

766 derartige Asteroiden, auch NEO genannt ( Near Earth Objects), haben Astronomen bis Ende 2008 entdeckt. "Das 90-Prozent-Ziel ist damit fast erreicht", sagt Gerhard Hahn, Asteroidenexperte am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin. Seinen Angaben zufolge dürfte es insgesamt rund tausend Asteroiden ab einem Kilometer Größe geben, welche der Erde gefährlich werden können.

Doch auch ein halb so großer Brocken kann gewaltige Schäden hervorrufen - etwa einen riesigen Tsunami, ein schweres Erdbeben und Brände. Auch die Tunguska-Explosion wird mit einem Asteroideneinschlag erklärt. Bislang berechnen Astronomen die Bahnen von Asteroiden für hundert Jahre voraus. "Nur wenige Asteroiden haben wir lang genug beobachtet, um ihren Orbit über hundert Jahre hinaus vorhersagen zu können", sagt Andrea Milani von der Universität Pisa im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Nun hat Milanis Forscherteam die Bahn bei einem 560-Meter-Koloss sogar bis zum Jahr 2200 kalkuliert. Ergebnis: Der bislang als harmlos geltende Asteroid "1999 RQ36" könnte die Erde zwischen 2169 und 2199 mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu 1400 treffen. Die Chance auf einen Sechser im Lotto ist im Vergleich dazu viel geringer.

Muss sich die Menschheit deswegen Sorgen machen? Diese Frage taucht immer wieder auf, wenn Astronomen mit sogenannten Impakt-Wahrscheinlichkeiten jonglieren. Im konkreten Fall rät DLR-Experte Hahn zu Gelassenheit: "2060 und 2090 wird 1999 RQ36 der Erde sehr nahe kommen", sagt er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Solche Vorbeiflüge, bei denen ein Asteroid vom Gravitationsfeld der Erde abgelenkt wird, machten eine Prognose generell unsicher. "Oft muss man danach die Bahn noch einmal neu bestimmen und erneut rechnen." Während der nahen Vorbeiflüge könne man die Objekte meist sehr gut beobachten, was die Orbitberechnung erleichtere.

Wie ist die Oberfläche eines Asteroiden beschaffen?

Milani und seine Kollegen haben sich mit 1999 RQ36 einen Asteroiden für ihre Langzeitprognose herausgesucht, dessen Bahn bereits sehr genau bekannt ist. Fast 300-mal wurde der 140 Millionen Tonnen schwere Gigant mit Teleskopen erfasst, hinzu kommen 13 Radarmessungen. Dies machte die Bahnvorhersage bis zum Jahr 2200 möglich. Zugleich weist das Team von Milani aber auf eine bestehende Unsicherheit hin, welche das Einschlagsrisiko entscheidend beeinflussen - den sogenannten Jarkowski-Effekt. Dieser beschreibt das Phänomen, dass sich die Bahn eines Asteroiden minimal verändern kann, weil dieser die durch Sonneneinstrahlung aufgenommene Wärme ungleichmäßig abgibt.

Der Jarkowski-Effekt hat bizarr erscheinende Folgen: Rotiert ein Asteroid in derselben Richtung, in der er die Sonne umkreist, wird er nach außen gedrückt. Bei entgegengesetzter Rotation erfolgt die Ablenkung nach innen. "Der Effekt ist sehr klein, kann aber über längere Zeit die Bahn des Asteroiden leicht verändern", erklärt Hahn.

"Um den Jarkowski-Effekt eines Objekts zu berechnen, muss man seine Oberflächenbeschaffenheit kennen, seine Albedo und vor allem seine Rotationsgeschwindigkeit und -richtung", sagt der Forscher. Diese Charakteristika zu bestimmen, sei sehr aufwendig, betont er. Nur bei wenigen Asteroiden kenne man sie überhaupt.

"Ein kleiner Schubs würde genügen"

Auch im Fall von 1999 RQ36 tappen die Forscher bislang im Dunkeln. Umso wichtiger sei es, diese Daten zu erfassen um den Jarkowski-Effekt berechnen zu können, schreiben Milani und seine Kollegen in einem bislang noch nicht in einer Fachzeitschrift veröffentlichten Paper. Es gebe Asteroiden, bei denen dieser Effekt die womöglich entscheidende Rolle bei der Berechnung des Einschlagsrisikos spiele.

Auf die Impakt-Forscher kommt in den nächsten Jahren auf jeden Fall eine Menge Arbeit zu. Rund 400.000 Asteroiden sind bislang bekannt, bei 207.000 kennt man die Bahnen relativ genau. Knapp 6000 davon gelten als Near Earth Objects (NEO), die prinzipiell eine Gefahr für die Erde darstellen. Darin sind die knapp 800 Brocken ab einem Kilometer Größe aus dem Spaceguard Goal enthalten. Mit immer leistungsstärkeren Teleskopen werden die Forscher immer mehr Asteroiden aufspüren. Und selbst wenn diese zunächst als ungefährlich eingestuft werden, könnte in 200 Jahren doch ein Crash drohen - siehe 1999 RQ36.

"Die Methoden müssen verfeinert werden", sagt DLR-Wissenschaftler Hahn. Und außerdem müssten die Forscher Methoden entwickeln, um im Fall der Fälle einen Asteroiden ablenken zu können. "Ein kleiner Schubs würde genügen, um die Bahn minimal zu verändern, damit es nicht zur Kollision kommt", sagt er.

Bruce Willis hat es im Film "Armageddon" im Prinzip vorgemacht. Er sprengte einen Asteroiden in zwei Hälften. Astronomen halten gezielte Projektile, ähnlich wie bei der Nasa-Sonde "Deep Impact" praktiziert, freilich für den praktikableren Weg. "Solche Missionen sind technisch möglich und werden in Zukunft sicher noch verbessert und auch für Asteroiden getestet werden", erklärt Hahn. Sie seien aber nur für kleine Asteroiden mit einem Durchmesser bis zu einigen hundert Metern erfolgversprechend, "aber die meisten NEOs sind ja klein".

Die Europäer sind auf die Ankunft eines solchen Brockens übrigens eher schlecht vorbereitet: Weil die Gefahr von Politikern nicht ernst genommen wird, fehlen entsprechende Forschungsetats. Im Zweifel muss sich die Alte Welt dann auf US-Astronomen verlassen.

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