Neue Berechnung: Saturnringe könnten Milliarden Jahre alt sein

Deutlich schwerer, deutlich älter: Die Ringe des Saturns bergen womöglich Geheimnisse, von denen Astronomen bisher noch nichts ahnten. Ein US-Forscher sagt, die Wissenschaft habe sich die Sache viel zu einfach gemacht.

Münster - Larry Esposito hat offenbar einen ausgeprägten Sinn für Selbstkritik. Der US-Astronom, der Anfang der achtziger Jahre Alter und Gewicht der Saturnringe vermessen hatte, korrigiert in diesen Tagen seine Schätzungen von damals - und zwar radikal: Auf dem in dieser Woche stattfindenden European Planetary Science Congress in Münster stellt Esposito eine neue Theorie vor, nach der die Ringe des Saturns nichts nur deutlich schwerer, sondern auch viel älter sind als bisher angenommen.

Statt rund hundert Millionen Jahre könnten die Saturnringe möglicherweise mehrere Milliarden Jahre auf dem Buckel haben, glaubt Esposito nun. Bislang gingen Forscher von einem vergleichsweise geringen Alter der Saturnringe aus, weil diese nur wenige Verschmutzungen aufweisen.

Bei älteren Ringen, so glaubte man bis dato, müsste sich mehr Meteoritenstaub finden lassen. Esposito sagt nun aber, dass die Saturnringe nur deshalb so sauber erscheinen, weil sie wesentlich mehr Masse enthalten. Dadurch ist der Anteil der Verschmutzungen geringer.

Hinter der neuen Theorie steht eine langwierige Berechnung: Während die Forscher ihre Erkenntnisse bislang unter anderem aus der Menge an Sternenlicht gewonnen hatten, das durch die Ringe hindurchtritt, haben Esposito und Kollegen nun im Computer das Verhalten von mehr als 100.000 Teilchen in den Saturnringen simuliert.

Diese Kalkulationen hätten gezeigt, dass innerhalb der Ringe dynamische Prozesse abliefen, die eine Kalkulation der Masse anhand des einfallenden Sternenlichts viel schwieriger gestalteten als bislang gedacht, erläutert der Forscher. Den neu errechneten Daten zufolge könnten die Ringe mehr als dreimal so schwer sein.

Messdaten früherer Satellitenmissionen aus den siebziger und achtziger Jahren, die häufig als Beleg für ein geringeres Alter der Ringe herangezogen wurden, halten die Astronomen für nicht eindeutig genug. Neue Daten der Raumsonde "Cassini", die 2004 den Saturn erreichte, ließen durchaus ein Alter von mehreren Milliarden Jahren für die Ringe zu, so Esposito. Und mit "Cassini" kennt sich der Forscher gut aus: Schließlich ist er Chefwissenschaftler für eines der Experimente auf der Sonde, deren Messdaten Musiker vor einigen Monaten sogar zu einem Saturn-Jazz inspiriert hatten.

Die neuen Erkenntnisse zu den Ringen könnten auch über den Saturn hinaus Bedeutung haben. Esposito glaubt, dass große Exoplaneten, die weit außerhalb des Sonnensystems um andere Sterne kreisen, ebenfalls über Ringsysteme verfügen könnten.

chs/ddp

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