Sternbild Zentaur Astronomen erspähen neue Sternklasse

Sie blinken in unbekannter Weise: Schweizer Astronomen haben im Sternbild Zentaur 36 seltsame Sonnen entdeckt. Sie gehören zu einer bislang unbekannten Art von Sternen.

Sternbild Zentaur: Spektakuläre Gruppe junger Sonnen
ESO

Sternbild Zentaur: Spektakuläre Gruppe junger Sonnen


Mit jahrelangen Präzisionsmessungen hat ein Schweizer Astronomenteam eine neue Klasse veränderlicher Sterne entdeckt. Die Helligkeit dieser jungen Sonnen schwankt nur ganz leicht, lässt sich aber dennoch nicht mit den bekannten Sternmodellen erklären, wie die Gruppe um Nami Mowlavi vom Observatorium Genf im Fachblatt "Astronomy & Astrophysics" berichtet. Einen Namen hat die neue Sternklasse noch nicht bekommen.

Unter anderem entdeckten die Astronomen bei einigen dieser Sterne eine sehr schnelle Eigendrehung. Sie rotieren mit mehr als der halben kritischen Geschwindigkeit, bei der die Fliehkraft den Stern auseinanderreißen würde.

Das Licht dieser veränderlichen Sterne, die etwas heißer und heller sind als unsere Sonne, schwankt nur um etwa 0,1 Prozent in zwei bis 20 Stunden. Zwar sind zahlreiche Arten veränderlicher Sterne bekannt und gut untersucht, keine davon kann jedoch die beobachteten Helligkeitsschwankungen der Sterne in NGC 3766 erklären. Sie gehören offensichtlich zu einem neuen Typ veränderlicher Sterne.

"Die bloße Existenz dieser neuen Klasse von veränderlichen Sternen ist eine Herausforderung für die Astrophysiker", sagt Sophie Saesen aus dem Team in einer ESO-Mitteilung. "Die heutigen theoretischen Modelle sagen voraus, dass sie ihre Helligkeit nicht periodisch ändern dürften. Unsere derzeitigen Bemühungen konzentrieren sich daher darauf, mehr über diese seltsame Art von Sternen herauszufinden."

Die Forscher hatten mit dem Schweizer Leonhard-Euler-Teleskop an der Europäischen Südsternwarte ESO in Chile den rund 7000 Lichtjahre entfernten und erst 20 Millionen Jahre alten Sternhaufen mit der Katalognummer NGC 3766 im südlichen Sternbild Zentaur (Centaurus) ins Visier genommen. Sieben Jahre lang überwachten sie die Helligkeit von mehr als 3000 Sternen des Haufens. Bei 36 Sonnen stießen sie auf unerwartete regelmäßige Helligkeitsschwankungen.

boj/dpa

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.