Neue Mars-Bilder Rinnsale im roten Sand

Auf dem Mars fließendes Wasser zu entdecken - darauf hoffen Astronomen seit Jahren. Jetzt haben sie endlich eine heiße Spur: Dunkle Linien, die sich an sonnigen Abhängen bilden, könnten durch viele kleine Rinnsale entstehen.

Science/ AAAS

Washington/Hamburg - Auf unserem Nachbarplaneten könnte Wasser fließen. Darauf deuten zumindest aktuelle Bilder der Raumsonde "Mars Reconnaissance Orbiter" hin. Die Aufnahmen zeigen dunkle Linien, die sich im späten Frühjahr und Sommer an einigen Abhängen auf dem Mars gebildet haben. Diese Ausläufer sind einen halben bis fünf Meter breit und zum Teil Hunderte Meter lang.

Während der warmen Jahreszeiten wachsen die Linien, in den kälteren Monaten verschwinden sie wieder, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin "Science". Entdeckt haben die Forscher die Strukturen bisher nur auf der Mars-Südhalbkugel - und zwar an Hängen, die in Richtung des Äquators zeigen. An einigen der sieben bisher identifizierten Stellen finden sich mehr als 1000 einzelne dunkle Linien. Sie sind deutlich schmaler als die schon früher entdeckten Rillen in der Marsoberfläche.

Bereits seit einiger Zeit ist klar, dass es auf dem Mars Wasser gibt. Das hat die Nasa-Sonde "Phoenix" nachweisen können: Sie entdeckte Wassereis in einer gefrorenen Bodenprobe. Dass in ferner Vergangenheit Wasser auf der Oberfläche des Mars geflossen ist, nehmen viele Forscher an. Die aktuellen Ergebnisse lassen vermuten, dass es auch aktuell der Fall sein könnte.

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Mars: Heiße Spur zu fließendem Wasser
Die Wissenschaftler präsentieren mehrere Theorien, wie die dunklen Linien entstehen könnten. Aber: "Die beste Erklärung, die wir bisher für die Beobachtungen haben, sind Rinnsale von Salzwasser", sagt Alfred McEwen von der University of Arizona in Tucson, der Hauptautor der "Science"-Veröffentlichung. "Wenn wir es mit der Erde vergleichen, ist es schwer vorstellbar, dass diese Strukturen von etwas anderem geformt wurden als einer Flüssigkeit, welche die Hänge herunter fließt", sagt Richard Zurek von der Nasa, ein Forscher der "Mars Reconnaissance Orbiter"-Mission.

Direkter Wassernachweis fehlt

Wenn es sich tatsächlich um Wasser handelt, dann wohl um salziges. Denn an den unter Beobachtung stehenden Stellen liegen die Oberflächentemperaturen bei minus 20 Grad Celsius. Süßwasser wäre also schon längst gefroren. Doch bei entsprechend hohem Salzgehalt könnte der Gefrierpunkt auf passende Werte absinken. Zum Vergleich: Wasser, das so salzig ist wie jenes in den Erdozeanen, würde unter den beobachteten Bedingungen auf dem Mars wohl flüssig bleiben.

Die aufregende These hat jedoch eine Schwachstelle: Für das flüssige Salzwasser fehlt der direkte Nachweis: Spektrometer-Messungen zeigten in den dunklen Spuren kein wassertypisches Signal. "Die Rinnsale sind offenbar nicht dunkel, weil sie nass sind", sagt McEwen. Eine mögliche Erklärung ist nach Ansicht der Forscher, dass das Wasser an der Gesteinsoberfläche sehr schnell trocknet oder gar in tieferen Schichten fließt.

Auch möglich: Nicht die Feuchtigkeit sei die Ursache für die dunkle Farbe, sondern durch das Wasser veränderte Gesteinsstrukturen, erklärt Planeten-Geologe McEwen. Dann sei allerdings schwer zu erklären, wie die Flächen wieder heller werden. "Es bleibt ein Rätsel, aber ich glaube, es lässt sich mit weiteren Beobachtungen und Experimenten lösen", sagt McEwen.

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Spekulationen über Art und Größe von Wasservorkommen auf dem Mars. Sein Durchmesser ist mit 6794 Kilometern etwa halb so groß wie der unseres Heimatplaneten. Da der Marsäquator ähnlich geneigt ist wie der irdische, gibt es auch auf dem Mars Jahreszeiten. Ähnlich wie die Erde hat der Mars Polkappen. Die Temperaturen schwanken zwischen minus 125 und plus 35 Grad Celsius.

Im November ist der Start der Raumsonde "Curiosity" in Richtung Mars geplant. Ab August 2012 soll sie zwei Erdenjahre lang auf dem Nachbarplaneten Daten sammeln.

wbr/dapd/dpa



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criticalck 04.08.2011
1. da war doch schon mal was
habe den livefeed mitverfolgt. auf dem historychannel wurde vor einiger zeit eine kurze doku ausgestrahlt: Mars the new evidence. Darin wurde bereits von Regen, flüssigen Wasserpfützen und sogar von flüssigen Wasserergüsse an der Oberfläche berichtet.
Lukas. 04.08.2011
2. Frage
Wieso Milliarden in die Nasa stecken man könnte das Geld gut woanders gebrauchen Was bringt es uns wenn es auf dem Mars Leben gibt? 1. Es werden jetzt keine Tiere oder sonstiges seien wie die meisten Menschen Leben defenieren 2. Wenn es leben gibt sind das diese kleinen Organismen wie es sie am Anfang der Evolution hier auf der Erde gab Aber was bringt es? Ein Raumschiff fliegt los nach zwei Jahren ist es auf dem Mars Vieleicht sagen die Astronauten es gibt Wasser und kleine Organismen auf dem Mars Woooooooooooww Sch** drauf wir haben hier Probleme Was wissen wir dann mehr es könnte leben möglicherweise irgendwo leben geben da draußen Man denkt an Alliens...es könnten Regenwürmer oder sonstigens dummes seien. Fremdes Leben bedeutet nicht das es intelligent ist.
MtSchiara 04.08.2011
3. Salzwasser bei 6 Millibar und -20 Grad
---Zitat von Spiegel Artikel--- Wenn es sich tatsächlich um Wasser handelt, dann wohl um salziges. Denn an den unter Beobachtung stehenden Stellen liegen die Oberflächentemperaturen bei minus 20 Grad Celsius. Süßwasser wäre also schon längst gefroren. Doch bei entsprechend hohem Salzgehalt könnte der Gefrierpunkt auf passende Werte absinken. ---Zitatende--- Bei einem Druck von 6 Millibar dürfte Süßwasser eigentlich nicht mehr in flüssiger Form existieren, da bei diesem Druck bereits der Tripelpunkt des Süßwassers liegt. Damit Salzwasser bei -20 Grad noch flüssig ist, bedarf es eines Salzgehaltes von mindestens einem Viertel, wobei Natrium-Chlorid alleine nicht ausreichen dürfte. Das Wasser müßte somit mindestens so salzig wie im toten Meer sein oder sogar so salzig wie am Don-Juan-See (http://de.wikipedia.org/wiki/Don-Juan-See). Handelt es sich auf dem Mars tatsächlich um Salzwasser, dann scheint Salz im Wasser den Tripelpunkt unter 6 Millibar abzusenken, möglicherweise wegen seiner hygroskopischen Eigenschaften. ---Zitat von Spiegel Artikel--- Zum Vergleich: Wasser, das so salzig ist wie jenes in den Erdozeanen, würde unter den beobachteten Bedingungen auf dem Mars wohl flüssig bleiben. ---Zitatende--- Diese Aussage scheint mir nicht ganz richtig. Da laut Wikipedia bei niedrigerem Druck der Gefrierpunkt sogar noch ansteigt, würde Meerwasser auf dem Mars sofort gefrieren bzw. solange verdampfen, bis das Restwasser mit einem mindestens so hohen Salzgehalt wie im toten Meer flüssig bleiben kann.
seeledestigers 05.08.2011
4. Wie das Wasser, so der
Wind. Ich finde es schade, dass in diesem Artikel nicht die Möglichkeit von Windverwehungen angesprochen wurde. Als Geologe würde ich behaupten, dass derartige Rillen auch durch bestimmte Arten von Stürmen entstehen können, welche die abgelagerten Staubschichten abtragen. Sie verwehen auf diese Art, wegen entsprechender Untergrund-Bedingungen.
Markus Landgraf 05.08.2011
5. Stabilisierungsmechanismus
Klasse Befund! Weiter so! Die Beobachtung wirft die Frage auf, wie das "Wasser" (ich nehme mal an, da ist mehr als Wasser drin, z.B. Mineralien) auf der Oberfläche Stabil sein kann. Bei 6mb Druck und -20GradC würde zumindest reines Wasser sofort sublimieren (und nicht gefrieren, wie im Artikel angedeutet). Soweit ich gehört habe, wird in dem zugeordneten Paper von hygroskopischen Salzen gesprochen, was auch erklären würde, wo das Wasser herkommt: die Salze absorbieren es aus der Atmosphäre und lösen sich in ihm. Dann verstehe ich allerdings nicht, dass die Salze sich nicht über die Zeit auswaschen. Noch eine Anmerkung zum Untertitel: die Kollegen, die den Mars erforschen heissen "Planetologen", nicht "Astronomen". Astronomen beschäftigen sich mit der Beobachtung von Sternen. Alles in Allem sehr spannend! Ad Astra
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