Daten von Nasa-Sonde: Strahlung macht Mars-Reisen gefährlich

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Erste Messung: Krebsrisiko beim Marsflug Fotos
REUTERS

Ein Raumflug zum Mars ist ein faszinierendes Projekt - und birgt gesundheitliche Risiken. Erstmals gibt es nun direkte Messungen, mit denen sich das Krebsrisiko berechnen lässt. Der Trip würde die von Medizinern festgelegten Grenzen wohl fast komplett ausreizen.

Man kann die Pläne heroisch finden - oder komplett durchgeknallt. Zwei Privatinitiativen haben zuletzt Schlagzeilen mit dem Plan gemacht, eine Reise zum Mars organisieren zu wollen. Ein Team um den Ex-Weltraumtouristen Dennis Tito will den Roten Planeten in einer Art kosmischem Pendelverkehr einmal umfliegen. Der niederländische Unternehmer Bas Lansdorp möchte gar eine Schar wackerer Kolonisten auf der Oberfläche ansiedeln - ohne Rückflugticket.

Allzu groß dürften die Umsetzungschancen für beide Projekte nicht sein, weil die nötige Technik extrem teuer ist. Doch früher oder später wird sich wohl jemand an einen bemannten Flug zum Mars wagen. Wer auch immer das sein wird - staatliche Raumfahrtagenturen wie Nasa und Esa oder aber gut betuchte Visionäre wie der Milliardär Elon Musk

Neue Messungen zeigen nun, wie gefährlich die Reise für den menschlichen Körper wird. Im Fachmagazin "Science" berichtet ein Team von der drohenden Strahlenbelastung für Mars-Raumfahrer. Grundlage sind Daten des "Radiation Assessment Detector" auf der Nasa-Sonde "Curiosity". Das Messgerät hatte bereits während des 253-tägigen Fluges seine Arbeit aufgenommen.

Die Datenauswertung zeigt: Die Crew eines Mars-Raumschiffs würde allein auf dem Hin- und Rückflug eine Strahlendosis von etwa 0,7 Sievert abbekommen. "Die Messungen liefern uns verlässliche Planungsgrundlagen", sagt Günther Reitz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Er ist einer der Autoren des Science-Papers, ebenso wie Forscher der Universität Kiel.

Für den DLR-Strahlenbiologen Reitz sind die Messwerte "kein Show-Stopper für eine bemannte Mars-Mission". Doch was bedeutet eine Belastung von 0,7 Sievert? Der gesetzlich erlaubte Höchstwert für die Berufslebensdosis eines Berufstätigen liegt in Deutschland bei 0,4 Sievert. Raumfahrtbehörden wie Roskosmos oder Esa haben für ihre Astronauten auf der Internationalen Raumstation eine Berufslebensdosis von einem Sievert festgelegt. Die Berechnung der Nasa ist etwas komplizierter, liegt aber in einer ähnlichen Größenordnung.

Strahlung aus zwei verschiedenen Quellen

Experten gehen davon aus, dass die Strahlung auf einer interplanetaren Mission zum Mars das Risiko eines krebsbedingten Todes um etwa fünf Prozent steigen lässt. Bei der Einordnung dieser Zahl darf man aber nicht vergessen: Das Lebenszeitrisiko, an Krebs zu sterben, liegt für jeden Deutschen statistisch gesehen ohnehin bei etwa 20 Prozent.

Doch eine Mars-Reise würde die von Medizinern festgelegten Grenzen für Astronauten beinahe vollständig ausreizen. Statistisch bringt ein Tag im Mars-Raumschiff dieselbe Strahlendosis wie sie innerhalb eines Jahres am Boden in Deutschland aus natürlichen Quellen zusammenkommt.

Die Leiterin der aktuellen Studie, Cary Zeitlin vom Southwest Research Institute in San Antoino (US-Bundesstaat Texas), wählt folgenden Vergleich: Die Belastung auf dem Flug sei mit derjenigen vergleichbar, die bei einer Ganzkörper-Computertomografie auftreten würde. Und zwar wenn diese während der Reise alle fünf bis sechs Tage aufs Neue durchgeführt würde.

Bei einem Flug durch unser Sonnensystem prasselt Strahlung aus zwei verschiedenen Quellen auf Raumfahrer ein:

  • Für den Großteil der Belastung ist die Galaktische kosmische Strahlung verantwortlich. Der hochenergetische Teilchenregen besteht vor allem aus Protonen (85 Prozent), aber auch aus Helium- (14 Prozent) und schwereren Ionen. Und letztere können im menschlichen Gewebe verheerende Folgen auslösen. Zumal sich gegen die kosmische Strahlung mit den Schutzschilden normaler Raumfahrzeuge quasi nichts ausrichten lässt. Ganz im Gegenteil: Sind die Abschirmungen zu dick, kann der Teilchenhagel sogar zu sogenannter Sekundärstrahlung führen und das Problem weiter verschlimmern.
  • Zu etwa fünf Prozent trägt die Solarstrahlung ebenfalls zur Gesamtbelastung bei. Das sind vor allem Protonen, die normalerweise weniger stark beschleunigt sind als die Partikel der Galaktischen kosmischen Strahlung. Aber auch Helium- und andere Ionen treten auf. Wie stark die Belastung ist, hängt hier entscheidend von der Sonnenaktivität ab. Auf dem Flug hatte der Detektor insgesamt fünf Großereignisse auf unserem Zentralgestirn registriert. Solche Sonneneruptionen befördern binnen kürzester Zeit riesige Teilchenströme ins All. Doch insgesamt lässt sich diese Art der Strahlung mit technischen Mitteln recht gut abschirmen.

Zu der Strahlenbelastung beim Flug kommt freilich noch diejenige beim Aufenthalt auf dem Mars - weil der Rote Planet kein globales Magnetfeld hat. Exemplarische Nasa-Missionsplanungen sehen nach einem 180-tägigen Flug weitere 500 Tage auf dem Mars vor, bevor sich die Crew wieder heimwärts machen darf.

Große Teile ihres Aufenthalts müssten die Raumfahrer wohl in Höhlen oder dick isolierten Behausungen verbringen. DLR-Mann Reitz rechnet vor, dass etwa vier Meter dickes Marsgestein dieselbe Abschirmwirkung wie die Erdatmosphäre hätte.

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1.
RobKenius 30.05.2013
nun weiß die Wissenschaft im Grunde ganz gewissenhaft, dass sich die Fahrt zum Mond nicht lohnt. Drum hat die Fahrt zum Mond sich schließlich doch gelohnt... Dieser uralte Song hat sich bewahrheitet. Die ganze bemannte Raumfahrt ist nicht mehr als eine Zirkus-Veranstaltung, nur sehr sehr teuer und alle müssen zahlen, nicht nur die Zuschauer, Rob Kenius kritlit.de
2. Planung
brandtner 30.05.2013
Wenn das so ist, fahre ich doch lieber wieder an die Ostsee. Danke, Spiegel!
3.
sagichned 30.05.2013
Zum ersten Mal gibt es also Messungen, die belegen, dass die Mondlandung nichts als ein großer Fake war.
4. Völlig durchgeknallt ist noch immer noch gigantisch untertrieben!
woistmeinaccount 30.05.2013
Kann man auf dem Mars baden gehen, zwischen Weinbergen wandern, in die Eckkneipe, mit den Kindern im Freien herumtollen, Rosen züchten, ?? Kurzum: noch die kleinste Kleinigkeit die bei uns ein Leben ausmacht geht dort nicht. Warum zum Teufel sollte man dort hin wollen? Weil des die Diebe öffentlicher Gelder aus dem militärisch-industriellen Bereich so wollen? Oder als Rückzugsort für die Öttingers dieser Welt, die man hierzulande nicht "fracken" lässt?
5.
mindphuk 30.05.2013
Zitat von sysopREUTERSEin Raumflug zum Mars ist ein faszinierendes Projekt - und birgt gesundheitliche Risiken. Erstmals gibt es nun direkte Messungen, mit denen sich das Krebsrisiko berechnen lässt. Der Trip würde die von Medizinern festgelegten Grenzen wohl fast komplett ausreizen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/neue-messungen-strahlung-macht-mars-reisen-gefaehrlich-a-902647.html
Die Strahlung kann man abschirmen, da sie aus geladenen Teilchen besteht: Magnetfelder, zumindest im Schlaf- und Aufenthaltsbereich des Raumschiffs. Problematisch ist es nur bei Gammastrahlung, denn diese lassen sich nur duch massives Blei vernünftig abschirmen. Leider schweigt der Artikel sich über die Gammastrahlung komplett aus. Ich glaube nicht, dass die Untersuchung die Gammastrahlen vergessen hat. Wahrscheinlich also wiedermal eine typische Unzulänglichkeit von Spiegel-Artikeln...
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