"Angara-A5" Russische Schwerlastrakete meistert Testflug

Russland hat eine neue Trägerrakete erfolgreich getestet. Mit der "Angara-A5" könnte die Raumfahrtnation erstmals vom eigenen Territorium schwere Satelliten in Umlaufbahnen schießen.

AP/ RIA-Novosti

Moskau - Nach mehr als zehn Jahren Forschung hat die Raumfahrtnation Russland erstmals ihre neue superschwere Trägerrakete "Angara-A5" getestet. Der Start vom Weltraumbahnhof Plessezk in Nordrussland sei ein "großes, sehr wichtiges Ereignis" für Russland, sagte Kreml-Chef Wladimir Putin am Dienstag.

Mit der für besonders schwere Lasten geeigneten Rakete könnten Forschungs- und Militärsatelliten in höhere Umlaufbahnen geschossen werden, sagte Putin bei einer Videoübertragung des Starts. "Damit stärken wir die Sicherheit unseres Landes", sagte Putin. Bei seinem Jungfernflug hatte das Geschoss eine Satellitenattrappe an Bord. Am 9. Juli hatte Russland bereits eine leichtere Variante der "Angara" erprobt.

"Der erfolgreiche Test garantiert Russland erstmals einen unabhängigen Zugang zu geostationären Umlaufbahnen von seinem Territorium aus", sagte der Raumfahrtexperte Andrej Ionin in Moskau. Bislang seien solche Umlaufbahnen nur von Baikonur in der zentralasiatischen Republik Kasachstan aus erreichbar gewesen. Den Weltraumbahnhof dort pachtet Russland seit dem Zerfall der Sowjetunion. Der Start erfolgte im nordrussischen Plessezk. Parallel dazu baut Russland nahe der chinesischen Grenze einen völlig neuen Weltraumbahnhof.

Bis die neue Rakete in Dienst gestellt wird, seien etwa zehn weitere Tests nötig, sagte Ionin. In drei bis fünf Jahren werde sie komplett einsatzbereit sein, meinte er. Die nach einem Fluss in Sibirien benannte Rakete soll künftig andere Typen wie "Rokot" oder umweltbelastende "Proton"-Raketen ablösen. "Angara" ist die erste Rakete, die nach dem Ende der Sowjetunion 1991 vollständig in Russland gebaut wird. Die Entwicklung kostete offiziellen Angaben zufolge mindestens 3,5 Milliarden Euro.

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Kosmische Strahlung: Russlands Raumfahrt
Die "Angara" kann Nutzlasten von bis zu 24,5 Tonnen in erdnahe Umlaufbahnen befördern. Die Rakete gilt auch als Hoffnungsträger und als Herzstück der ehrgeizigen Pläne der Raumfahrtnation, noch unabhängiger von anderen Staaten zu werden.

Vor wenigen Tagen erst hatte Russland verkündet, dass es den Bau einer eigenen Weltraumstation erwäge. Wladimir Putin will nach Jahren der Budgetstreichungen der einst schillernden russischen Raumfahrt zu neuem Glanz verhelfen. Dabei musste er aber auch schon einige Dämpfer verkraften. So hinkt der Bau des neuen Weltraumbahnhofs Wostotschnij hinterm Zeitplan her.

In der Amur-Region nahe China wird ein Kosmodrom aus dem Boden gestampft, von dem künftig die gesamte Palette der Raumschiffe und Satelliten starten soll. Mit Wostotschnij will Russland sich unabhängig machen vom Standort Baikonur, der in Kasachstan liegt. Zudem drohen der russischen Raumfahrt Engpässe bei Elektronikbauteilen - eine direkte Folge des westlichen Embargos.

hda/dpa

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darkmattenergy 23.12.2014
1. 24,5t Nutzlast - ein Spielzeug gegen die bald 50 Jahre alte Saturn V,...
...die bei ihrem letzten Start mit ihren beiden unteren Stufen die eigene dritte Stufe - umgebaut zu Skylab - mit über 90 Tonnen in eine Erdumlaufbahn brachte, und im "Normalbetrieb" eine Nutzlast bis über 130 t stemmte. Alle später gebauten Trägerraketen waren und sind um rund eine halbe Größenordnung schwächer ausgefallen.
capitain_future 23.12.2014
2. Warum nicht Wolga 2015?
Eine rohstoff und material reiche Nation wie Russland sollte,anstatt sinnlos Geld in eine bald verglühende Weltraum Station ala IIS zustecken ,gleich eine Mondbasis Alpha bauen! Wenn eine Weltraumstation dann in 36000km Höhe und absturzsicher! Die Mond Basis als Platz für Urlaub,Forschung und Abenteuer: Ein Mondbasis ist ein besseres Aushängeschild und steigert das Weltraum Touristen Aufkommen samt den Forschungs Touristmus auf das 1000 fache des derzeitigen. Natürlich brauchen wir dann auch moderne Wiederverwendbare Raumschiffe,sowas wie ein Weltraum Bus mit Düsen. Oder Mond-Beton der auf den Mond funktioniert und aus Mondgestein gewonnen werden könnte. Natürlich sollte da auch Fremd Kapital fließen,am besten zusammen mit NASA,ESA und anderen Weltraum Entwicklungs Ländern ,die zu viel Geld haben.
RSchubi 23.12.2014
3.
Zitat von darkmattenergy...die bei ihrem letzten Start mit ihren beiden unteren Stufen die eigene dritte Stufe - umgebaut zu Skylab - mit über 90 Tonnen in eine Erdumlaufbahn brachte, und im "Normalbetrieb" eine Nutzlast bis über 130 t stemmte. Alle später gebauten Trägerraketen waren und sind um rund eine halbe Größenordnung schwächer ausgefallen.
Sehr schön, und warum kann die Weltraumstation nicht von den USA angeflogen werden, wenn die doch so tolle Raketen haben? Ja, früher war alles anders, aber das zählt nicht mehr.
mail-sms 23.12.2014
4. Die USA haben schon tolle Raketen
Zitat von darkmattenergy...die bei ihrem letzten Start mit ihren beiden unteren Stufen die eigene dritte Stufe - umgebaut zu Skylab - mit über 90 Tonnen in eine Erdumlaufbahn brachte, und im "Normalbetrieb" eine Nutzlast bis über 130 t stemmte. Alle später gebauten Trägerraketen waren und sind um rund eine halbe Größenordnung schwächer ausgefallen.
sie wollten nur nicht extra für die ISS ein weitres Raumschiff bauen, wenn die Russen schon eins haben. Wer hätte damals gedacht, dass Putin durchdrehen wird.
darkmattenergy 23.12.2014
5. Daß die NASA z.Z. nur recht hilflos zur ISS hochschauen kann...
Zitat von RSchubiSehr schön, und warum kann die Weltraumstation nicht von den USA angeflogen werden, wenn die doch so tolle Raketen haben? Ja, früher war alles anders, aber das zählt nicht mehr.
...steht doch gar nicht in Frage. Aber daß heutzutage bereits ein im Vergleich zur Leistung der Saturn V "Raketchen der unteren Mittelklasse" als eine "Schwerlastrakete" gefeiert wird, erscheint mir doch ein wenig ignorant gegenüber zuverlässig betriebsreifen Meilensteinen der Technik, die Ingenieure bereits vor rund einem halben Jahrhundert gesetzt haben. Welcher Nation die Entwickler sind, steht dabei nicht im geringsten zur Debatte - hinter den Maßstäben, die ihre Vorgänger vor anderthalb Generationen gesetzt haben, können dürfen sie sich heute alle zusammen in friedlicher Gemeinsamkeit und Eintracht verstecken.
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