Neue Strategie: China will Raumstation für Ausländer öffnen
Weil die USA es nicht will, macht China bei der Internationalen Raumstation nicht mit. Stattdessen arbeitet das Land an einer eigenen Station - und will dorthin laut einer neuen Ankündigung auch ausländische Gäste mitnehmen.
Allzu geräumig ist der Außenposten im All noch nicht: Neun Meter lang und knapp drei Meter breit ist die chinesische Raumstation "Tiangong 1". Im Gegensatz zur deutlich größeren Internationalen Raumstation (ISS) ist der stählerne Tubus auch nicht dauerhaft besetzt. Doch der "Himmlische Palast", so die Übersetzung des Stationsnamens, ist auch nur die erste Ausbaustufe der chinesischen Präsenz im Orbit. Zwei weitere "Tiangong"-Generationen sollen folgen, im kommenden Jahrzehnt wohl auch eine größere, modulare Raumstation.
Weil sich die USA gegen eine Mitarbeit des roten Riesenreiches an der ISS sperren, treibt China sein All-Programm allein voran. Da hilft es auch nichts,dass die Europäer das Land gern auf der ISS dabei hätten. Die Zeitung "China Daily" berichtet nun, dass dabei in Zukunft auch Ausländer eingebunden werden sollen. Die Zeitung berichtet über einen öffentlichen Auftritt von Yang Liwei. Er war vor zehn Jahren der erste chinesische Raumfahrer - und ist inzwischen Vizechef des Raumfahrtzentrums seines Landes.
Yang sagte auf einem Raumfahrt-Workshop der Vereinten Nationen in Peking, dass China gern Raumfahrer aus anderen Ländern ausbilden und ihnen Mitflugmöglichkeiten anbieten wolle. "Wir werden auch ausländische Raumfahrer, die unser Training absolviert haben, zur Arbeit auf unserer zukünftigen Station willkommen heißen." China habe aus dem Ausland zahlreiche solcher Anfragen erhalten. So zitiert die Zeitung Ahmed Bilal, Chef der pakistanischen Raumfahrtbehörde, dass sein Land gern den ersten Gastraumfahrer des chinesischen Programms stellen wolle.
Chinas Raumfahrt hatte einst massiv von russischem Know-how profitiert. Nun will Peking für andere Länder seinerseits der Seniorpartner sein. Raumfahrzeug-Chefentwickler Zhou Jianping sagte, Chinas All-Technik solle in Zukunft auch Kopplungsmanöver mit ausländischen Gefährten im Orbit ermöglichen. Auch denke man über die Möglichkeit gemeinsamer Rettungsmissionen nach.
Bisher hatte sich die Kooperation vor allem auf den unbemannten Bereich beschränkt. So hatte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt den Experimentträger "Simbox" für die unbemannte Mission "Shenzhou 8" beigesteuert. Außerdem hatte China Satelliten für Staaten wie Nigeria entwickelt und gestartet. Der Kommunikationssatellit "NigComSat-1" funktionierte allerdings nur ein gutes Jahr, bis er wegen technischer Probleme ausfiel. Inzwischen zieht jedoch ein identischer Ersatzsatellit seine Bahnen im All. Zusammen mit Brasilien betreibt China Erdbeobachtungssatelliten, die unter anderem die Abholzung des Regenwaldes aus dem All verfolgen.
chs
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