Neue Studie Mars-Oberfläche seit Jahrmilliarden lebensfeindlich

Die Chancen, auf der Oberfläche des Mars jemals Spuren von Leben zu finden, sinken gegen Null: Der Rote Planet ist neuen Erkenntnissen zufolge seit wenigstens 3,2 Milliarden Jahren staubstrocken. Im Innern des Planeten aber vermuten Forscher noch immer Lebensformen.


Die Mineralien an der Oberfläche des Mars verraten Forschern, dass es drei Phasen in der Geschichte des Planeten gegeben hat. An Bord der Raumsonde "Mars Express" der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa befindet sich das Messinstrument "Omega", ein Spektrometer für sichtbares und infrarotes Licht. Damit ist es möglich, die Zusammensetzung von Mineralien anhand des von ihnen reflektierten Lichts zu bestimmen. Binnen eines Marsjahres - was 687 Erdentagen entspricht - hat die Sonde 90 Prozent der Marsoberfläche mit "Omega" abgetastet.

Die Daten sind die Grundlage einer neuen Einteilung der Planetengeschichte, wie ein internationales Forscherteam um den Franzosen Jean-Pierre Bibring im Fachblatt "Science" berichtet. Demnach entstand der Mars vor rund 4,6 Milliarden Jahren. Im ersten Abschnitt seiner noch jungen Geschichte, als noch Wasser vorhanden war und gemäßigte Temperaturen herrschten, bildete sich lehmiges Material - die Wissenschaftler sprechen von der "phyllocian era". Wenn der Mars je die Heimat für Lebensformen gewesen sei, dann höchstens in dieser frühen Phase, so die Forscher.

Vor rund vier Milliarden Jahren begann der zweite Abschnitt ("theiikian era") der Planetengeschichte, erkennbar an vulkanischer Aktivität, durch die große Mengen Schwefel an die Oberfläche gelangten. Von nun an wurde es trocken auf dem Mars.

Trockenzeit dauert bis heute an

Die dritte Phase ("siderikian era"), die vor 3,5 bis 3,2 Milliarden Jahren begann und bis heute andauert, ist durch Mineralien gekennzeichnet, in denen Eisenoxide vorherrschten. Sie seien nicht durch Wasser entstanden oder verändert worden, schreiben die Forscher. Diese zunehmend trockene und säurereiche Umgebung sei "kein angenehmer Ort für jede Art von Leben, nicht einmal für eine Mikrobe", sagte einer der Mitautoren der Studie, John Mustard von der Brown University.

Nun richtet sich ihr Augenmerk auf die Lehm- und Tonablagerungen in Becken, die aus dem ältesten Abschnitt der Marsgeschichte stammen. Sie könnten - müssen aber nicht - am Boden von Seen oder Flüssen entstanden sein. "Wenn sich lebende Organismen entwickelt haben sollten, dann wäre das lehmige Material der Ort dafür gewesen", sagte Bibring. Künftige Mars-Expeditionen sollten das klären. Die kalten Umgebungsbedingungen könnten dazu geführt haben, dass man noch heute dort Spuren findet - allerdings wären das wohl nur Fossilien längst vergangenen marsianischen Lebens.

Hoffnung auf Leben besteht weiter

Das bedeute allerdings keineswegs, dass der Mars generell kein Leben beherberge, betont Vittorio Formisano vom Institut für Physik und Interplanetare Wissenschaft in Rom. "Es ist bereits seit langem Konsens, dass die Existenz von Leben auf der Mars-Oberfläche unmöglich ist", sagte Formisano im Gespräch von SPIEGEL ONLINE. Tief unter der Oberfläche vermuten Forscher allerdings weiterhin Leben, auch wenn es sich dabei bestenfalls um Mikroben handeln dürfte.

Die Studie von Bibring und seinen Kollegen gebe der Debatte um heute existierendes Leben auf dem Mars deshalb keine neuen Impulse, erklärt Formisano, der selbst Mitglied des "Omega"-Teams ist. Denn das Instrument könne nur die Oberfläche des Roten Planeten, nicht aber dessen Inneres studieren. Das "Marsis"-Radar an Bord der Raumsonde hat dagegen erst im November 2005 riesige Mengen an Wassereis unter der Oberfläche des Planeten entdeckt. Vulkanische Aktivität könnte Teile der Reservoirs flüssig halten und so Leben ermöglichen, vermuten Wissenschaftler.

Dafür sprechen auch Messungen in der Atmosphäre, die ebenfalls von "Mars Express"-Instrumenten durchgeführt wurden. Formisano hatte 2004 Schlagzeilen gemacht, als er in "Science" die Entdeckung von Methan in der Mars-Atmosphäre verkündete und dies auf die Aktivität von Bakterien zurückführte. Später fand der Italiener mit Hilfe der "Mars Express"-Sonde auch große Mengen des Methan-Zerfallsprodukts Formaldehyd. Dies könnte ein weiteres Zeichen für Leben sein, denn Formaldehyd zerfällt in der Mars-Atmosphäre nach nur 7,5 Stunden und muss deshalb stetig nachgeliefert werden.

stx/mbe

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