Neue Theorie: So wurde der Mars zum Roten Planeten

Marsoberfläche (Aufname der Nasa-Sonde "Mars Global Surveyor" aus dem Jahr 2006): Roter Eisenoxid-Staub auf der Oberfläche Zur Großansicht
REUTERS/ NASA

Marsoberfläche (Aufname der Nasa-Sonde "Mars Global Surveyor" aus dem Jahr 2006): Roter Eisenoxid-Staub auf der Oberfläche

Berlin - Von wegen Roter Planet! Eigentlich müsste der Mars schwarz sein, wegen der vielen Basaltgesteine an seiner Oberfläche. Wie er trotzdem zu seiner charakteristischen Farbe gekommen ist, das ist nicht ganz klar. Lange Zeit glaubten Forscher, dass flüssiges Wasser schuld daran sein könnte. Es sei vor Milliarden Jahren über die Planetenoberfläche geplätschert - und habe die Gesteine sozusagen angerostet.

Der rote Eisenoxid-Staub auf der Oberfläche müsste also eine direkte Folge flüssigen Wassers sein. Erschüttert wurde diese Annahme allerdings durch Beobachtungen der Roboterfahrzeuge "Spirit" und "Opportunity". Sie fanden im Marssand Verbindungen, die eigentlich beim Kontakt mit Wasser hätten zerstört werden müssen. Die These von der rostigen Brühe als Farbgeber musste also überdacht werden.

Eine neue, durchaus gewagte Theorie liefert nun eine alternative Antwort auf die Frage, wie unser Nachbarplanet zu seinem charakteristischen Rotton kam. Sie stammt von Jonathan Merrison vom Aarhus Mars Simulation Laboratory in Dänemark. Er glaubt, dass die Färbung durch das Zermalen von Gestein zu Stande kam - und den Mars noch nicht besonders lange ziert. Die Ergebnisse werden in einer kommenden Ausgabe des Fachmagazins "Icarus" veröffentlicht, online sind sie bereits jetzt zugänglich.

Ist also die Erosion Schuld am charakteristischen Rot? Merrison glaubt das, seitdem er zusammen mit seinen Kollegen im Labor ein paar Experimente unternommen hat. Sie füllten Quarzsand in Glasflaschen und ließen diese vollautomatisch immer wieder um die eigene Achse rotieren. Damit wollte er die Erosionswirkung des Windes auf dem Mars nachstellen.

Fotostrecke

8  Bilder
Mars-Panoramen: Roter Planet aus dem Computer
Nach sieben Monaten war etwa jedes zehnte Sandkorn zu sehr feinem Staub zerfallen. Die Forscher gaben an dieser Stelle pulverförmiges Magnetit in die Flaschen. Das ist ein Eisenoxid, das es auch auf der Marsoberfläche gibt. Danach wurden die Fläschchen weiter geschüttelt. Die Forscher konnten dabei sehen, dass sich der Inhalt immer mehr verfärbte.

"Wir glauben, dass wir einen Prozess gefunden haben, der auch ohne Wasser dafür gesorgt hat, dass der Staub rot geworden ist", sagte Merrison dem Internet-Dienst "Space.com". Die Wissenschaftler vermuten, dass in den Flaschen das Mineral Hämatit entstanden ist. Das Auseinanderbrechen der Sandkörner habe neue chemische Reaktionen möglich gemacht, bei denen je ein Sauerstoffatom von Quartz zum Magnetit gewandert sei. Dadurch sei das Hämatit entstanden - ganz ohne das Vorhandensein von flüssigem Wasser. Eine unabhängige Bestätigung für die Ergebnisse gibt es allerdings noch nicht.

Bisher gibt es auch keinen Beleg dafür, dass der beschriebene Prozess tatsächlich auch so auf dem Mars abgelaufen ist. Allerdings ist Hämatit von mehreren Nasa-Sonden auf der Planetenoberfläche nachgewiesen worden. Merrison und seine Kollegen glauben, dass der von ihnen beobachtete Prozess den Planeten binnen kürzester Zeit rot gefärbt haben könnte. Ihrer Meinung nach ist die Farbe des Mars bestenfalls einige Millionen Jahre alt - und nicht mehrere Milliarden, wie bisher angenommen.

chs

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Weltall
RSS
alles zum Thema Mars
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback

Fotostrecke
Krater auf dem Mars: Meteorit traf auf Eis