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Neuer Satellit "SDO" Sonnenspäher soll Forscher mit Daten überschütten

Foto: dpa

Sonnenaktivität und Weltraumwetter mit nie gekannter Präzision im Blick: Der neue Nasa-Satellit "Solar Dynamics Observatory" soll so viele Daten zur Erde funken wie keine andere Mission zuvor - 1,5 Terabyte pro Tag. In Deutschland soll der Informationsberg verarbeitet werden.

Cape Canaveral - Mit einem neuen Satelliten will die US-Raumfahrtbehörde Nasa unser Zentralgestirn so präzise wie noch nie untersuchen - und dabei eine Datenflut von ungekanntem Ausmaß produzieren. Nach mehreren Startverzögerungen ist das " Solar Dynamics Observatory" ("SDO") am Donnerstag ins All gestartet. Eine "Atlas V"-Rakete mit dem Satelliten an Bord hob vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida ab.

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"SDO": Die Sonne im Blick

Das fliegende Observatorium soll mindestens fünf Jahre lang die Erde umkreisen und rund um die Uhr die schwankende Sonnenaktivität beobachten. Im Stillen hoffen die Forscher darauf, dass der Satellit sogar einen kompletten Sonnenfleckenzyklus durchhält, also elf Jahre.

"SDO" soll helfen, das sogenannte Weltraumwetter besser zu verstehen. Schnelle, elektrisch geladene Teilchenwolken von der Sonne können unter anderem Kommunikationssatelliten und Navigationssysteme stören. Alle zehn Sekunden wird der Satellit eine Aufnahme von der Sonne in acht Wellenlängen machen. Jedes Bild hat 16 Megapixel. Das entspricht der Auflösung einer modernen Profi-Kamera. Der Satellit überwacht außerdem die ultraviolette Strahlung und die Magnetfeldschwankungen der Sonne. Mit einer Art Ultraschall schaut er in das Innere unseres Sterns.

Datenmengen dieses Ausmaßes, die der Satellit zur Erde funken wird, hat es noch nie bei einer Mission der US-Raumfahrtbehörde gegeben: Pro Tag sind es 1,5 Terabyte. Das sind nach einer Nasa-Mitteilung fast 50 Mal mehr wissenschaftliche Daten als bei jeder anderen bisherigen Mission in der Nasa-Geschichte. "Es ist, als würde man an jedem Tag 500.000 Songs herunterladen", sagt Dean Pesnell vom Goddard Space Flight Center der Nasa in Maryland.

Datenzentrum in Deutschland

Ein Datenzentrum für "SDO" liegt auch in Deutschland, am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Katlenburg-Lindau. Dort werden aus den Rohdaten unter anderem hoch aufgelöste Karten der Strömungen im Sonneninneren und 3-D-Karten des Sonnenmagnetfeldes erstellt. Das Material bekommen dann interessierte Forscher in der ganzen Welt.

Der neue Satellit soll bei der Antwort auf viele Fragen helfen, zum Beispiel:

  • Wie intensiv wird der nächste Sonnenfleckenzyklus sein?
  • Lässt sich vorhersagen, wann heftige Sonnenwinde zu einem Bombardement der Erde mit geladenen Teilchen führen?
  • Könnte eine längere Periode der Inaktivität auf der Sonne der Erde einen verlängerten Winter bescheren?

Die Mission ist die erste in einem neuen Programm mit dem Titel "Living With a Star", Leben mit einem Stern. Manch Nasa-Offizieller spricht von einem "Kronjuwel". Mindestens fünf Jahre lang soll das beim Start 3100 Kilogramm schwere Observatorium um die Erde kreisen, auf einer zum Äquator geneigten Bahn, die ihm rund um die Uhr die Beobachtung der Sonne ermöglicht.

Um die ehrgeizigen Erwartungen der Forscher zu erfüllen, hat "SDO" drei spezialisierte Instrumente an Bord. Ein System von vier Teleskopen soll die Sonnenoberfläche und -atmosphäre fotografieren. Ein UV-Detektor überwacht die ultraviolette Helligkeit der Sonne - langsame UV-Schwankungen beeinflussen Erdatmosphäre und -klima, schnelle Schwankungen können die Satelliten- und Funkkommunikation stören. Ein kombinierter seismischer und Magnetfelddetektor zeichnet die solaren Magnetfelder auf und blickt über die Beobachtung von Dichteschwankungen auf der Sonne wie mit einem Ultraschallgerät in das Innere des Sterns.

chs/dpa

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