Washington - Es ist kein Richtungswechsel in der US-Raumfahrtpolitik, sondern vor allem ein Arbeitsbeschaffungsprogramm für die Raumfahrtindustrie: Das für Anfang 2011 angekündigte Ende der Shuttle-Ära wird sich etwas verzögern. Grund dafür ist das 58 Milliarden Dollar schwere neue Nasa-Budget für die kommenden drei Jahre. Nach dem Senat hat nun auch das Repräsentantenhaus dem Etat zugestimmt. Und der sieht eben einen zusätzlichen Shuttleflug vor.
"Wir sind begeistert", sagte die stellvertretende Nasa-Chefin Lori Garver. Eigentlich war geplant, die Raumfähren nur noch zweimal vor ihre Pensionierung ins All fliegen zu lassen. Für den 1. November ist der Start der "Discovery" geplant. Am 26. Februar nächsten Jahres sollte die "Endeavour" mit ihrem Flug eigentlich den Schlusspunkt des Shuttle-Programms einläuten. Nun wird wohl noch ein weiterer Einsatz der "Atlantis" hinzukommen. Seit ihrem vermeintlich letzten Flug im Mai stand sie eigentlich nur noch als Ersatzvehikel für Notfälle und Rettungsmissionen bereit.
Die zusätzliche Shuttle-Mission solle dazu dienen, eine zusätzliche Großlieferung zur internationalen Raumstation ISS auf den Weg zu bringen, sagte Garver. Denn nach der Einmottung der amerikanischen Raumfähren wird die ISS vorerst nur noch mit russischen "Sojus"-Kapseln zu erreichen sein. Die können allerdings weniger Ladung transportieren.
Der vom Kongress verabschiedete Budgetentwurf stellt außerdem den amerikanischen Anteil an der ISS-Finanzierung bis zum Jahr 2020 sicher. Der Gesetzesentwurf muss nun noch von US-Präsident Barack Obama unterzeichnet werden. Er würde damit den Weg freimachen zu der umfassenden Neuausrichtung der Nasa, die er im April angekündigt hatte. Damals hatte sich der Präsident trotz massiver Sparzwänge zur bemannten Raumfahrt bekannt und sogar eine Marsmission angekündigt - anstelle der bis dahin geplanten Flüge zum Mond. Das von Obamas Vorgänger George Bush gestartete "Constellation"-Programm ist damit tot.
Die Erkundung des Weltalls soll künftig wesentlich kostengünstiger ablaufen. So soll die Nasa dabei helfen, dass kommerzielle Transporter Menschen und Material zur Internationalen Raumstation ISS bringen können. Auch eine weitere Vision des Präsidenten wird mit dem verabschiedeten Budget etwas realer: Die Entwicklung einer Schwertransport-Rakete, die Astronauten-Kapseln, Antriebssysteme und große Mengen Nachschub für Expeditionen in die Tiefen des Alls zu verschiedenen Zielen transportieren kann.
chs/dpa
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