Neues Budget: Nasa bekommt Geld für zusätzlichen Shuttle-Flug

Vor ihrem Abgang ins Museum bekommen die Space Shuttles der Nasa noch eine kleine Gnadenfrist. Die Raumfahrtbehörde hat das Geld für einen zusätzlichen Flug zur Raumstation ISS bekommen, damit dort noch einmal die Vorräte aufgestockt werden können.

Space Shuttle "Atlantis" (im April 2010): "Wir sind begeistert." Zur Großansicht
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Space Shuttle "Atlantis" (im April 2010): "Wir sind begeistert."

Washington - Es ist kein Richtungswechsel in der US-Raumfahrtpolitik, sondern vor allem ein Arbeitsbeschaffungsprogramm für die Raumfahrtindustrie: Das für Anfang 2011 angekündigte Ende der Shuttle-Ära wird sich etwas verzögern. Grund dafür ist das 58 Milliarden Dollar schwere neue Nasa-Budget für die kommenden drei Jahre. Nach dem Senat hat nun auch das Repräsentantenhaus dem Etat zugestimmt. Und der sieht eben einen zusätzlichen Shuttleflug vor.

"Wir sind begeistert", sagte die stellvertretende Nasa-Chefin Lori Garver. Eigentlich war geplant, die Raumfähren nur noch zweimal vor ihre Pensionierung ins All fliegen zu lassen. Für den 1. November ist der Start der "Discovery" geplant. Am 26. Februar nächsten Jahres sollte die "Endeavour" mit ihrem Flug eigentlich den Schlusspunkt des Shuttle-Programms einläuten. Nun wird wohl noch ein weiterer Einsatz der "Atlantis" hinzukommen. Seit ihrem vermeintlich letzten Flug im Mai stand sie eigentlich nur noch als Ersatzvehikel für Notfälle und Rettungsmissionen bereit.

Die zusätzliche Shuttle-Mission solle dazu dienen, eine zusätzliche Großlieferung zur internationalen Raumstation ISS auf den Weg zu bringen, sagte Garver. Denn nach der Einmottung der amerikanischen Raumfähren wird die ISS vorerst nur noch mit russischen "Sojus"-Kapseln zu erreichen sein. Die können allerdings weniger Ladung transportieren.

Der vom Kongress verabschiedete Budgetentwurf stellt außerdem den amerikanischen Anteil an der ISS-Finanzierung bis zum Jahr 2020 sicher. Der Gesetzesentwurf muss nun noch von US-Präsident Barack Obama unterzeichnet werden. Er würde damit den Weg freimachen zu der umfassenden Neuausrichtung der Nasa, die er im April angekündigt hatte. Damals hatte sich der Präsident trotz massiver Sparzwänge zur bemannten Raumfahrt bekannt und sogar eine Marsmission angekündigt - anstelle der bis dahin geplanten Flüge zum Mond. Das von Obamas Vorgänger George Bush gestartete "Constellation"-Programm ist damit tot.

Die Erkundung des Weltalls soll künftig wesentlich kostengünstiger ablaufen. So soll die Nasa dabei helfen, dass kommerzielle Transporter Menschen und Material zur Internationalen Raumstation ISS bringen können. Auch eine weitere Vision des Präsidenten wird mit dem verabschiedeten Budget etwas realer: Die Entwicklung einer Schwertransport-Rakete, die Astronauten-Kapseln, Antriebssysteme und große Mengen Nachschub für Expeditionen in die Tiefen des Alls zu verschiedenen Zielen transportieren kann.

chs/dpa

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1. Um Himmels Willen!
Thor Branke 01.10.2010
Zitat von sysopVor ihrem Abgang ins Museum bekommen die Space Shuttles der Nasa noch eine kleine Gnadenfrist. Die Raumfahrtbehörde hat das Geld für einen zusätzlichen Flug zur Raumstation ISS bekommen, damit dort noch einmal die Vorräte aufgestockt werden können. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,720633,00.html
Wie schlecht muss es nach den letzten Pannen um die russische ISS-Versorgungssysteme bestellt sein, wenn jetzt noch einmal die alten Ami-Gäule gefüttert und gesattelt werden müssen? War / ist bei den Russen ein Stuxnet-Ableger an den Pannen schuld?
2. Hat sich schon angedeutet
rkinfo 01.10.2010
Zitat von sysopVor ihrem Abgang ins Museum bekommen die Space Shuttles der Nasa noch eine kleine Gnadenfrist. Die Raumfahrtbehörde hat das Geld für einen zusätzlichen Flug zur Raumstation ISS bekommen, damit dort noch einmal die Vorräte aufgestockt werden können.
Das hatte sich schon angedeutet weil es Varianten zur Umschichtung der Betriebskosten a $200 Mill. / Monat und Ausstiegskosten (zig Mrd.) gab. Und es lagern noch 3-4 nutzbare Außentanks eh einsatzfähig bei der NASA. Das Space Shuttle produziert leider zu hohe Fixkosten je Monat um es einfach noch weiter zu nutzen. Die eigentlichen Verbrauchskosten sind mit ca. $150 Mill. je Flug eigentlich günstig gerade mit Blick auf die $100 Mrd. Kosten der ISS.
3. ...
M. Michaelis 01.10.2010
Zitat von sysopVor ihrem Abgang ins Museum bekommen die Space Shuttles der Nasa noch eine kleine Gnadenfrist. Die Raumfahrtbehörde hat das Geld für einen zusätzlichen Flug zur Raumstation ISS bekommen, damit dort noch einmal die Vorräte aufgestockt werden können.
Das Shuttle mag teuer, zu teuer sein. Seine Fähigkeiten sind aber einzigartig. Sein bedauerliches Ende ähnlich wie beim Ende der Concorde ein unersetzlicher Verlust und technologischer Rückschritt. Die Blütezeit der bemannten Raumfahrt geht ihrem Ende zu. Mich freut es dass es noch einen weiteren Flug gibt, auch wenn das nichts ändert.
4. Zukunft Raumfahrt
amberstar 01.10.2010
Zitat von rkinfoDas hatte sich schon angedeutet weil es Varianten zur Umschichtung der Betriebskosten a $200 Mill. / Monat und Ausstiegskosten (zig Mrd.) gab. Und es lagern noch 3-4 nutzbare Außentanks eh einsatzfähig bei der NASA.
Man hätte für das Geld lieber 2 Flugzeugträger einmotten sollen, als einen Schritt rückwärts in der Raumfahrt zu gehen. Machen wir uns doch nichts vor - die Zukunft der Menschheit liegt im Weltall. Aufgrund der Überbevölkerung und Rohstoffsituartion müssten wir eigentlich deutlich weiter sein um unseren Bedarf auch in Zukunft decken zu können. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, das man seit Jahren auf der Stelle tritt und rund 40 Jahre nach der Mondlandung keinen bedeutsamen Schritt weiter gekommen ist. Das was wir gegenwärtig in die Raumfahrt investieren kann man bestenfals als Grundlagenvorschung bezeichnen. Das SpaceShuttle ist eines der wenigen innovativen Highlights daraus. Raketen konnten wir vor 60 Jahren auch schon bauen... Was wir bräuchten wäre mal wieder ein richtiger Kracher. Z.B. Spacelift, Regelmäßige Linenflüge ins All, Flug zum Mars oder ein entscheidender Durchbruch der Wissenschaft wie neuartiger Antrieb, Gravitation, Geschwindigkeiten >80% von Licht, etc. Ich hatte wirklich Hoffnung das durch die Entdeckung von Exo-Planeten vielleicht mal wieder richtig Schwung und Pioniergeist in die Raumfahrt kommt...aber bei gegenwärtig rund 60 Jahren Flugzeit zum Giese System ist da wohl nicht viel zu erwarten. Würde eine Nachricht doch rund 20 Jahre brauchen bis sie uns erreicht. Haut rein Jungs, bald ist Öl, Nahrung & Co alle...
5. ABM und Prestige
2cv 01.10.2010
Machen wir uns nichts vor - wer sich etwas mit der Arbeit an Space Shuttle bzw. ISS-Programmen beschäftigt hat, wird feststellen, daß die Station bzw. das bemannte Programm langsam an seine Grenzen kommt - aber aus technischen Gründen: die Mikrogravitation setzt den Idealbedingungen schwer zu. In Sekunden- bis Minuten-Abständen sorgen Auslösungen der Steuerdüsen zur Lagekoordination der Raumkörper für Erschütterungen der Station. Jede kleinste Bewegung, ja jedes Husten der Besatzung wird (leider negativ) in den Ergebnissen der an Bord durchgeführten Experimenten reflektiert. Die klassische Schwerelosigkeit kann im erdnahen höhenstationären Betrieb gar nicht erst erreicht werden. Hier sind rein mechanisch, unbemannt betriebene Sonden und Experimente deutlich im Vorteil und können für wesentlich stabilere Bedingungen genutzt werden. Ihr Nachteil ist allerdings der hohe Grad an erzeugten Restpartikeln ("Weltraumschrott"), der für eine deutliche Verschmutzung der erdnahen Umlaufbahnen geführt hat, weil kaum auf Vermeidung in den letzten Jahren geachtet wurde. Hier ist die Industrie gefragt, Lösungen zu entwickeln, den Anteil an ablösenden Fragmenten zu reduzieren bzw. ganz zu vermeiden, um auch für nachfolgende Generationen eine einwandfreie Nutzung zu ermöglichen. Was der Steinkohlebergbau bzw. dessen Subventionen für Deutschland bedeuten, hat bei den Raumfahrtnationen die bemannte Raumfahrt an Stellenwert erreicht. Aus Prestigegründen werden wirtschaftlich unsinnige bemannte Missionen oder -Experimente durchgeführt, von denen ein Loslösen aus politischen Gründen deutlich schwerer fällt als die rationale Betrachtung zulässt.
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