Unbekannter Himmelskörper Forscher hält Planet IX für Ursache von Massensterben

Etwa alle 27 Millionen Jahre erlebte die Erde ein massenhaftes Artensterben. Ein Physiker macht nun einen bislang unentdeckten Planeten am Rande des Sonnensystems dafür verantwortlich.

"Planet IX" (künstlerische Darstellung)
AP / dpa / Hurt / Infrared Processing and Analysis Center / California Institute of Technology

"Planet IX" (künstlerische Darstellung)


Im Jahr 1985 nannte Daniel Whitmire ihn noch "Planet X". Damals kannte man inklusive Pluto neun Planeten, und der nächste wäre die Nummer zehn gewesen. Der weit draußen im Sonnensystem befindliche Planet X sollte seiner Theorie zufolge verantwortlich sein für das periodische Massenaussterben auf der Erde. Im Januar 2016 berichteten Astronomen dann über neue Indizien für die Existenz eines solchen bislang unbekannten Gasriesen am dunklen Rand des Sonnensystems. Sie nannten ihn "Planet Neun", denn Pluto war inzwischen kein Planet mehr.

Die neuen Hinweise auf einen neuen Planeten haben Whitmire elektrisiert - und er hat auch gleich eine neue Studie im Fachblatt "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society" veröffentlicht. Der Forscher erklärt warum seine erstmals 1985 in "Nature" beschriebene Theorie weiterhin möglich ist. Und dass ein unbekannter Planet eine sehr gute Erklärung für die das periodische Massenaussterben sei.

Der Himmelskörper umkreist die Sonne demnach auf einer im Vergleich zu anderen Planeten leicht geneigten Ebene. Alle 27 Millionen Jahre soll er dabei den Kuipergürtel so passieren, dass der Planet Kometen in Richtung Sonne und Erde stößt. Der Kuipergürtel ist ein mit vielen Objekten unterschiedlicher Größe gefüllter Streifen weit hinter der Bahn des Neptun, der äußerste Planet im Sonnensystem. Laut dem Modell würde der Planet auch Kometenschauer mit einer kürzeren Periode produzieren - ein Maximum gäbe es aber alle 27 Millionen Jahre.

Tödlicher Kometenschauer

Diese Kometen gingen nicht nur auf der Erde nieder, sie verdunkelten auch die Sonne - beides mit weitreichenden Folgen für das Klima auf der Erde. Somit könnten die Kometenschauer ein regelmäßiges Massensterben auslösen, weil nicht alle Arten mit den veränderten Bedingungen klarkommen.

Geoforscher und Paläontologen haben die Zeitpunkte von Massensterben auf der Erde über Hunderte Millionen Jahre untersucht. Es gibt demnach mehrere große Aussterbe-Ereignisse, aber auch eine Vielzahl kleinerer. So gibt es etwa alle 26, 27 Millionen Jahren ein solches Ereignis - aber immer wieder auch dazwischen. Die Periode von 27 Millionen Jahren sei mittlerweile für die letzten 500 Millionen Jahre belegt, schreibt Whitmire.

Nach den Berechnungen des Forschers müsste der unbekannte Planet zwischen ein- und fünfmal so schwer sein wie die Erde und hundertmal weiter von der Sonne entfernt sein als unser Planet. Diese Zahlen passen allerdings nicht ganz zu den Schätzungen über "Planet Neun", die Konstantin Batygin und Michael Brown vom California Institute of Technology in Pasadena Anfang 2016 veröffentlicht hatten.

Planet X = Planet IX?

Demnach wäre der mächtige Gasplanet mehr als zehnmal so massereich wie die Erde und würde bis zu 1000 Mal weiter von der Sonne entfernt sein. Die Umlaufbahn wäre somit deutlich größer als laut Whitmires Kalkulation.

Aber in all diesen Berechnungen stecken noch viele Unsicherheiten - womöglich passen sie ja auch gut zusammen. Das wird man aber erst wissen, wenn es tatsächlich einen Beweis für den hypothetischen neunten Planeten gibt. Dann müssten die Astronomen auch einen Namen für den Neuling finden. Keine leichte Aufgabe, denn viele in Frage kommende Bezeichnungen sind längst vergeben.

hda



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Seite 1
amelkreuzung 03.04.2016
1.
und wann ist die nächste runde Feuer und Eis auf der Erde ?
mephisto&beelzebub 03.04.2016
2. noch 3 Jahre Gnadenfrist
26.999.997 Jahre sind es her, als Planet Neun letztmals den Kuipergürtel passierte ...
bran_winterfell 03.04.2016
3. verstehe ich nicht...
"Die Periode von 27 Millionen Jahren sei mittlerweile für die letzten 500 Jahre belegt, schreibt Whitmire." Das macht doch gar keinen Sinn, oder verstehe ich was falsch? Oder sind einfach nur 500 Millionen Jahre Stagnation den 500 gemeint?
Subco1979 03.04.2016
4. April, April
Der rennt also ein riesiger Planet um unser System, und schiesst alle 27 Mio Jahr Meteore und Kometen wie beim Strafstoss in Richtung Erde. Natürlich verdunkeln die viele Objekte die Sonne. Immerhin befindet sich so viel Masse da draussen, dass unsere Sonne und wir um den Gürtel kreisen und nicht umgekehrt. Am schönsten ist es natürlich, dass die Theorie mit den 27 Mio Jahren immerhin schon mal für die letzten 500 Jahre bestätigt worden ist: Wir sind ja nicht ausgestorben. XD Was noch fehlt ist ein Hinweis, dass dieser Planet von den Sumerern als Tempel erbaut wurde. Da ist nämlich der von Däniken mit der Zeitmaschine in die Vergangenheit und hat die Sumerer dazu angestiftet. Nur damit die präshistorische Raumfahrte erfinden und er heute Bücher darüber schreiben kann. Ganz schön clever, wa? ... und bissl spät für den 1. April.
_thilo_ 03.04.2016
5. Wie oft denn nun ?
Die Theorie, dass periodische Artensterben durch entsprechend langperiodische kosmische Vorgänge verursacht werden könnten, ist ja altbekannt und trivial. Aber irgendwie passt es nicht: Es gibt gut belegt die "grossen" Artensterben in einem Raster von 62 Mio. Jahren. Alle 64 Mio Jahre gerät unser Sonnensystem auf seiner Bahn um das galaktische Zentrum in Bereiche oberhalb oder unterhalb der Scheibe. Unser System wurd auch schon als Doppelsternsystem verdächtigt, mit einem kleinen dunklen Begleiter auf einer 31 Mio.(?) Jahre Umlaufbahn i.e. immerhin in einer 1:2 Periode zu den grossen Massensterben und jetzt also ein grosser Gasplanet (oder failed Star) alle 27 Mio. Jahr. 27 und 62 passen aber nicht so gut zusammen ... Dann gibt es noch eine Arbeit, die einen grossen Aussenplaneten aus Häufungen von Kometenbahnen, die auf entsprechende Störungen im Kuiper Gürtel hindeuten, erschlossen hat. Ich denke das Rätsel löst sich von selbst, wenn wir einfach 27 oder 31 oder 62 oder 64 Mio. Jahre abwarten ...
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