Neuseeland: Fliegendes Teleskop "Sofia" erkundet den Südhimmel

Fliegendes Teleskop "Sofia": Tief im Süden Fotos
DLR/ CC-BY

Wenn jemand bei voller Geschwindigkeit die Tür in einem Jumbojet öffnen könnte, dann würde das zur Katastrophe führen. Doch nicht so beim fliegenden Observatorium "Sofia" mit seinem 2,5-Meter-Spiegelteleskop. Das ist jetzt zum ersten Mal auf der Südhalbkugel im Einsatz.

Für Bewohner der Südhalbkugel unserer Erde waren die Magellanschen Wolken schon immer ein Begleiter am Nachthimmel. Im Norden sind die beiden irregulären Zwerggalaxien in der unmittelbaren Nachbarschaft der Milchstraße dagegen nicht zu sehen. Und so zählte Weltumsegler Ferdinand Magellan im Jahr 1519 zu den ersten Europäern, die sie beschrieben - und verhalf den Himmelsobjekten zu ihrem Namen.

Große und Kleine Magellanesche Wolke sowie Objekte im Zentrum der Milchstraße gehören nun zu den Beobachtungszielen des Teleskops "Sofia", das gemeinsam vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der US-Weltraumbehörde Nasa betrieben wird. Die umgebaute Boeing 747 - das weltgrößte fliegende Observatorium - ist dafür erstmals auf der Südhalbkugel der Erde unterwegs. Das "Sofia"-Projekt hatte rund eine halbe Milliarde Euro gekostet und zwischenzeitlich mehrfach auf der Kippe gestanden.

Normalerweise ist das "Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie" im kalifornischen Palmdale stationiert. Doch für insgesamt drei Wochen ist die Maschine nun auf den neuseeländischen Flughafen Christchurch umgezogen. Dort hat die amerikanische National Science Foundation einen Stützpunkt für ihr Antarktis-Programm. Am Donnerstag hob "Sofia" von Christchurch aus zum zweiten von neun geplanten Flügen ab. Der Kurs führte zehn Stunden lang in einer Art Schleife über den Südozean Richtung Antarktis und wieder zurück.

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Fliegende Sternwarte "Sofia": Weiter Weltraum und nasse Windeln
Die Magellanschen Wolken sind für die Forscher als Beobachtungsziele interessant, weil sie durch ihre vergleichsweise geringe Entfernung (163.000 beziehungsweise 209.000 Lichtjahre) einen guten Blick auf die Lebenszyklen der Sterne dort ermöglichen. "Diese Regionen kennen wir von optischen Beobachtungen, sie sind aber im Infrarotbereich bisher kaum erforscht", so DLR-Projektleiter Alois Himmes. Weil "Sofia" über den Wolken die Signale aus dem fernen Infrarotbereich vergleichsweise ungestört empfangen kann, soll sich das jetzt ändern.

Bei der Beobachtung kommt das von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie in Bonn entwickelte Spektrometer "Great" ("German Receiver for Astronomy at Terahertz Frequencies") zum Einsatz. Das Spektrometer ist am 2,5-Meter-Spiegelteleskop von "Sofia" angeschlossen. Dieses wird im Flug durch eine riesige Schiebetür im Rumpf freigelegt.

chs

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insgesamt 2 Beiträge
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1. das grosse erstaunen ueber sofia,
faessler.andreas 18.07.2013
die fliegende sternwarte muss sogar sicher das hubble weltraumteleskop sehr weit uebertreffen. weltraumgestuetzte geraete sind eben leider teurer und wegen dem aufwaendigen transport ins all kostspieliger und aufwaendiger als terrestrisch gestuetzte beobachtungsinstrumente. doch der vorteil von weltraumgestuetzter beobachtung gegenueber geraeten auf der erde braucht es dafuer keine extra adaptivtieven und korreckturoptischen schaerfe-lasern. andreas faessler
2. Christchurch ist eine Stadt
chilip 18.07.2013
auf der Südinsel von Neuseeland; nicht nur ein Flughafen.
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