Fotos vom Zwergplaneten Plutos rotes Geheimnis

Eisberge driften durch Stickstoff, rote Winde wehen ins All: Die Sonde "New Horizons" zeigt erstaunliche Landschaften des Zwergplaneten Pluto.

NASA/ JHUAPL/ SwRI

Der Zwergplanet Pluto in den Außenbezirken unseres Sonnensystems ist alles andere als eine eintönige Eiswüste. Das bestätigen Forscher in der aktuellen Ausgabe von "Science".

Bilder der Sonde "New Horizons" zeigen eine abwechslungsreiche Landschaft: Weite, nahezu glatte Ebenen, fließende Gletscher, zerklüftetes Terrain, Schluchten, Berge, Mulden, Verwerfungen und vieles mehr.

Rund 30 verschiedene Geländearten weist eine kürzlich von der Nasa veröffentlichte Karte aus. Manche Regionen sind mit einem Alter von maximal zehn Millionen Jahren geologisch gesehen ausgesprochen jung, andere bis zu vier Milliarden Jahre alt. Aktive geologische Prozesse formen offensichtlich Teile der Oberfläche fortwährend neu.

Auf dem Zwergplaneten ist es mit etwa minus 230 Grad Celsius extrem kalt. Verschiedene Eisarten bedecken den Planeten, darunter Stickstoff- (N2), Kohlenmonoxid- (CO), Methan- (CH4), Ammoniak- (NH3) und natürlich Wassereis (H2O), das sich zum Teil zu kilometerhohen Bergen türmt.

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Pluto: Erstaunlicher Zwergplanet

Da Wassereis leichter ist als stickstoffhaltiges Eis, driften in manchen Gegenden des Pluto Wassereisberge durch das übrige Stickstoffeis. Die Astronomen haben auf den Bildern der Raumsonde ganze Ketten von dahintreibenden, bis zu 20 Kilometer breiten Hügeln ausgemacht, die durch die Tiefebene Sputnik Planum wandern.

Herzförmige Region

Sputnik Planum ist eine Hälfte der großen, auffällig herzförmigen Region am Plutoäquator. Die Tiefebene Sputnik Planum ist mit rund 870.000 Quadratkilometern ungefähr so groß wie Schweden und Norwegen zusammen.

Sie ist besonders glatt, hat nicht einen einzigen Einschlagkrater und gilt daher als sehr jung. Die Ebene besteht wahrscheinlich aus Stickstoff-, Kohlenmonoxid- und Methaneis, wie Jeffrey Moore vom Ames-Forschungszentrum der Nasa und Kollegen in "Science" schreiben.

Im zentralen und nördlichen Teil der Ebene zeigen sich zellartige Strukturen. Der Mittelpunkt dieser Zellen erhebt sich bis zu 50 Meter über die Ränder. Vermutlich handele es sich um eine Art Konvektionszellen, in denen vulkanartig Eis aus der Tiefe emporsteige, schreiben die Wissenschaftler.

Auf diese Weise kann die Oberfläche der Tiefebene in geologisch kurzen Zeiträumen immer wieder neu geformt werden, sodass auch Einschlagkrater nicht lange erhalten bleiben.

Ins All geweht

Anders als Pluto ist sein größter Mond Charon offensichtlich derzeit nicht geologisch aktiv. Er muss jedoch vor rund vier Milliarden Jahren großräumige tektonische Prozesse und eine Erneuerung seiner Oberfläche erlebt haben, berichten die Forscher.

Charons Oberfläche ist größtenteils mit Wassereis bedeckt und zeigt am Nordpol eine auffällige rötliche Färbung. Die Oberfläche sei unter den Eismonden im äußeren Sonnensystem einzigartig, schreiben Will Grundy vom Lowell-Observatorium und Kollegen in einem weiteren Fachartikel. Vermutlich stammt Charons Färbung am Nordpol von Kohlenwasserstoff-Verbindungen namens Tholinen, die auch Pluto sein rötliches Aussehen geben.

Möglicherweise fange der Mond Tholine ein, die von Pluto ins All geweht werden, spekulieren Wissenschaftler um Randall Gladstone vom Southwest Research Institute, die mithilfe der Sonde "New Horizons" Plutos Atmosphäre untersucht haben.

Die Beobachtungen seien überraschend, schreiben die Wissenschaftler. So sei die obere Atmosphäre des Zwergplaneten mit etwa minus 200 Grad Celsius viel kälter als erwartet. Dabei sei nicht klar, auf welche Weise sie so stark gekühlt werde.

Die Raumsonde "New Horizons" hat sich längst weit vom Zwergplaneten entfernt, funkt aber weiterhin Beobachtungsdaten vom vergangenen Juli zur Erde, als sie Pluto passiert hatte.

Von Till Mundzeck, dpa/boj

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insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
jhea 18.03.2016
1. Namensgebung
Was ist eigentlich aus der Namensgebung der einzelnen Gelände auf Pluto geworden. Ich meine mich erinnern zu können, dass dort einige Ebenen/Gegenden Vorschläge erhalten hatten :) uA lustige Dinge aus dem Star Trek und Star Wars Universum. Gibt es dazu Updates?
Ursprung 18.03.2016
2. Plutos Leben
Bei so starker Andersartigkeit koennte Lebendigkeit dort auch extrem anders sein als hier. Nichtsein ist zwar auch moeglich, sicher ist das aber nicht. Der Hang von Materie, sich miteinander zu so zu organisieren, dass eine Art Leben entstuende, duerfte auf jenem Planeten prinzipiell ebenso gegeben sein wie hier Gibt ja keinen Anlass, anzunehmen, dass dort keine elektrophysikalische Affinitaet zwischen Protonen und Elektronen oder keine Reaktionen auf Photonenbeschuss oder etwa keine Massenanziehungen oder keine Teilchenfluktuationen herrschen. Im Gegenteil, sieht doch so aus, als gaebe es dies alles und nicht prinzipiell anders als hier. Da ist eine Art Leben auch dort nicht a priori abstrus.
Tiananmen 18.03.2016
3.
Zitat von UrsprungBei so starker Andersartigkeit koennte Lebendigkeit dort auch extrem anders sein als hier. Nichtsein ist zwar auch moeglich, sicher ist das aber nicht. Der Hang von Materie, sich miteinander zu so zu organisieren, dass eine Art Leben entstuende, duerfte auf jenem Planeten prinzipiell ebenso gegeben sein wie hier Gibt ja keinen Anlass, anzunehmen, dass dort keine elektrophysikalische Affinitaet zwischen Protonen und Elektronen oder keine Reaktionen auf Photonenbeschuss oder etwa keine Massenanziehungen oder keine Teilchenfluktuationen herrschen. Im Gegenteil, sieht doch so aus, als gaebe es dies alles und nicht prinzipiell anders als hier. Da ist eine Art Leben auch dort nicht a priori abstrus.
Es redet ja keiner von abstrus, aber von eher unwahrscheinlich. Dass sich dort keine andere Physik findet, war zu erwarten. Und dass die restlichen Naturgesetze gelten auch. Nur: kühlen Sie einmal Ihre Beziehungen aus -230 ab, dann wird's in jedem Fall ziemlich zäh. Da bot die Urerde mit ihrer mindestens lauwarmen Wasserbedeckung halt ein deutlich reaktionsfreudigeres Umfeld. Wo leben sich bildet, wird es von den am häufigsten im All vorkommenden Elementen Gebrauch machen: Kohlenstoff z.B. Also so extrem andres wird das Leben nicht zu erwarten sein.
brucewillisdoesit 18.03.2016
4. LIfe on Pluto
Zitat von UrsprungBei so starker Andersartigkeit koennte Lebendigkeit dort auch extrem anders sein als hier. Nichtsein ist zwar auch moeglich, sicher ist das aber nicht. Der Hang von Materie, sich miteinander zu so zu organisieren, dass eine Art Leben entstuende, duerfte auf jenem Planeten prinzipiell ebenso gegeben sein wie hier Gibt ja keinen Anlass, anzunehmen, dass dort keine elektrophysikalische Affinitaet zwischen Protonen und Elektronen oder keine Reaktionen auf Photonenbeschuss oder etwa keine Massenanziehungen oder keine Teilchenfluktuationen herrschen. Im Gegenteil, sieht doch so aus, als gaebe es dies alles und nicht prinzipiell anders als hier. Da ist eine Art Leben auch dort nicht a priori abstrus.
Leben ist das Ergebnis chemischer organischer Reaktionen. Dabei ist wichtig, daß die resultierenden Moleküle metastabil sind. Sind die Temperaturen zu hoch, dann zersetzen sich die Moleküle. Sind die Temperaturen zu niedrig kommt es nicht zu Reaktionen, da sie nicht stattfinden (Selbst die meisten thermodynamisch begünstigten Reaktionen finden oft nicht statt, da sie oft kinetisch inhibiert sind und eine gewisse Aktivierungsenergie benötigen). Ergebnis ist in beiden Fällen, das Leben weder existieren noch überhaupt entstehen kann. Die Wahrscheinlichkeit, daß sich Leben unterhalb von 273 K oder oberhalb von 373 K entwickelt (das ganze variiert natürlich mit Salzgehalt, Druck etc) ist deswegen vergleichsweise klein. Zwar ist zumindest theoretisch auch ein anderes Medium als Wasser denkbar, allerdings dürfte das aufgrund der Häufigkeit selbigens im Universum und der Elementhäufigkeit vergleichsweise unwahrscheinlich sein. Das führt dazu, daß die besten Chancen, daß sich Leben entwickelt irgendwo zwischen den oben genannten Temperaturen liegen. Alles andere ist nicht wirklich realistisch. Wenn sich solche konstanten Bedingungen im Sonnensystem außerhalb der Erde finden, dann nur auf einzelnen Jupiter- oder Saturnmonden. Ist nicht volkommen unmöglich, daß sich dort irgendwo tatsächlich Leben entwickelte, wirklich rechnen sollte man nicht damit rechnen. Denn die Bedingungen die zur Entwicklung von Leben notwendig sind scheinen doch recht spezifisch zu sein, ansonsten wäre es uns schon lange gelungen, es im Labor nachzustellen und es gäbe das Fermi-Paradoxon nicht. Die Wahrscheinlichkeit für Leben auf Pluto ist hingegen praktisch 0.
wizzbyte 18.03.2016
5. Pluto, der Sehnsuchtsort
Man hört bei der Beschreibung von Farben und Formen ja schon die Harfen klingen. Je weiter weg, desto spiritueller. Trotzdem, tolle technische Leistung und Erkundung.
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