Neue Pluto-Bilder Eisflüsse, Nebelbänke und vielleicht sogar Dünen

Wie sieht es denn hier aus? Neue, hochauflösende Aufnahmen vom Pluto offenbaren eine faszinierende kleine Welt mit beeindruckenden Landschaften.

NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute

"Hätte ein Künstler diesen Pluto vor dem Vorbeiflug gemalt, hätte ich vermutlich gesagt, das sei übertrieben - aber genauso sieht es aus", schwärmt Alan Stern vom "New Horizons"-Team am Southwest Research Institute in Boulder, Colorado.

Aufnahmen, die die Sonde bei ihrem Vorbeiflug im Juli geschossen und jetzt zur Erde gefunkt hat, zeigen die Oberfläche des Zwergplaneten in hoher Auflösung. Nach Angaben der Nasa hat die Sonde in der ersten Septemberwoche damit begonnen, neue Aufnahmen und andere Daten zur Erde zu senden. Es wird mehrere Monate dauern, bis dieser Prozess abgeschlossen ist.

Wie die US-Weltraumbehörde berichtet, sind auf den Aufnahmen Strukturen zu erkennen, die an Dünen erinnern. Sollte das tatsächlich der Fall sein, wäre das faszinierend - weil die Atmosphäre des Pluto heutzutage sehr dünn ist. So sagt es auch "New Horizons"-Forscher William McKinnon von der Washington University in St. Louis. "Entweder war die Atmosphäre in der Vergangenheit dichter. Oder es ist ein Prozess am Werk, den wir noch nicht verstanden haben."

An anderer Stelle der Planetenoberfläche finden sich Ströme aus gefrorenem Stickstoff, die anscheinend aus Gebirgen in Ebenen flossen.

Licht in der Dunkelheit

Das Gesicht des Zwergplaneten sei ebenso komplex wie das des Mars, sagt Nasa-Forscher Jeff Moore. Bei einigen Bergen in der sogenannten Sputnik-Ebene könnte es sich um große Blöcke von Wassereis handeln, die auf gefrorenem Stickstoff treiben, mutmaßt er.

Schon zuvor hatten die Wissenschaftler mithilfe der Aufnahmen festgestellt, dass zwei Nebelschichten den Pluto umgeben, eine in rund 50 Kilometern Höhe, die anderen in rund 80. Nun berichten sie, dass es noch viele weitere Nebelschichten gebe. Das habe einen großen Vorteil: Durch den Nebel würden wie in der Dämmerung Gebiete leicht erhellt, die eigentlich schon im Dunkeln liegen. Deshalb können die Forscher nun mehr Regionen analysieren, als sie zuvor erhofft hatten.

Nach mehr als neun Jahren und fünf Milliarden Kilometern war "New Horizons" Mitte Juli als erster irdischer Flugkörper am Pluto vorbeigeflogen und hatte ihn mit sieben wissenschaftlichen Instrumenten untersucht. Die beiden "Voyager"-Sonden haben zwar schon vor vielen Jahren die Bahn des Pluto passiert, sie waren jedoch auf Kursen, die sie nicht in seine Nähe brachten.

wbr



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