Notfall-Außeneinsatz: Astronauten sollen Leck an der ISS flicken

Außeneinsatz an der ISS: Astronauten sollen Kühlmittel-Leck schließen Zur Großansicht
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Außeneinsatz an der ISS: Astronauten sollen Kühlmittel-Leck schließen

Notreparatur im All: Zwei Besatzungsmitglieder der Internationalen Raumstation haben einen Außeneinsatz begonnen, um ein Leck in einem Kühlsystem zu schließen. Die Nasa spricht von einem harmlosen Zwischenfall, die Russen dagegen von einem "ernsten Problem".

Washington/Moskau - Es schneit im Orbit, zumindest ein wenig: In kleinen, weißen Flocken entweicht Ammoniak aus dem Kühlsystem eines Solarmoduls der Internationalen Raumstation (ISS). Die US-Weltraumbehörde Nasa hält die Panne offensichtlich für so schwerwiegend, dass sie zwei Astronauten nun einen Ad-hoc-Außeneinsatz verordnet hat - was äußerst selten vorkommt.

"Wir schicken zwei Besatzungsmitglieder in Stoff- und Gummi-Druckanzügen durch die Luftschleuse", schrieb der kanadische ISS-Kommandeur Chris Hadfield bei Twitter. Seine US-Kollegen Chris Cassidy und Tom Marshburn haben ihren Außeneinsatz nach Angaben der Nasa um 14.44 Uhr deutscher Zeit begonnen. Er soll etwa sechseinhalb Stunden dauern.

Etwa zwei Stunden nach Beginn des Einsatzes hatten Cassidy und Marshburn hatten eine Kühlmittelpumpe ausgewechselt. Dabei fanden sie keine Hinweise auf die Ursache des Lecks, sehr zur Enttäuschung der Nasa-Ingenieure. Doch nach dem Einbau der neuen Pumpe trat zunächst kein Ammoniak mehr aus. "So weit, so gut", funkte die Bodenstation zur ISS. Die Nasa kündigte an, nach neuen Lecks Ausschau zu halten. Bis zu einer endgültigen Entwarnung könne es allerdings noch Tage dauern.

Das Ammoniakgas dient zur Kühlung eines Stromkreislaufs der ISS. "Das System könnte durch einen Mikrometeoriten oder ein Stück Weltraummüll beschädigt worden sein", sagte ISS-Manager Mike Suffredini vor dem Außeneinsatz. "Wir sprechen von einem sehr, sehr kleinen Loch." Ein Nasa-Sprecher sagte, der Einsatz gehöre zu den "großen zwölf" Arten von Notreparaturen, die von allen Außeneinsatz-Astronauten vorab trainiert werden.

Allerdings schien es unterschiedliche Auffassungen darüber zu geben, wie schwerwiegend der Vorfall ist. Crew und Station seien nicht in Gefahr, betonte die Nasa. Die ISS habe noch immer reichlich Strom, auch wenn wegen des Lecks eines der acht Solarmodule von der Stromversorgung getrennt werden musste. Ganz anders klang dagegen Wladimir Solowjow, Flugdirektor des russischen ISS-Segments: Seine amerikanischen Kollegen hätten ein "sehr, sehr ernstes Problem", sagte Solowjow der Agentur Interfax.

Aus russischen Raumfahrtkreisen verlautete, dass auch eine Verschiebung der in Kürze geplanten Rückkehr von drei Besatzungsmitgliedern möglich sei. Außer Hadfield, Cassidy und Marshburn arbeiten zurzeit die russischen Kosmonauten Roman Romanenko, Pawel Winogradow und Alexander Missurkin in der ISS.

Es ist nicht das erste Mal, dass Astronauten ein Ammoniak-Leck im Kühlsystem der ISS flicken müssen. Im Februar 2012 mussten die US-Astronautin Sunita Williams und der Japaner Akihiko Hoshide aussteigen, um das Loch zu schließen. Der sechsstündige Einsatz verlief erfolgreich.

mbe/dpa/AP

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