Oberflächen-Fotos Mars-Matsch entzückt Forscher

Die ferne Mars-Oberfläche erscheint faszinierend nah, steckt voller Details und Farben. Die Sonde "Reconnaissance Orbiter" hat die bisher genauesten Fotos des Planeten zur Erde gefunkt. In Tälern, Ablagerungen und lehmigen Schichten sehen die Forscher sogar Spuren von Mars-Wasser.


Es sollten nur Probeaufnahmen sein - doch sie sehen so erstaunlich aus, dass sie Sehnsüchte wecken. Neue Aufnahmen von der Oberfläche des Roten Planeten wirken wie Urlaubsfotos, die Flugzeugpassagiere von der Erde unter ihnen aufgenommen haben. "Wir sehen einen neuen Mars", sagt Richard Zurek vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa in Pasadena in Kalifornien. "Wir sehen Informationen, die dem entsprechen, was wir sehen würden, wenn wir mit einem Flugzeug über die Erde fliegen würden - oder sogar besser."

Aus einer Höhe von knapp 300 Kilometern konnten die hochauflösenden Kameras an Bord der Nasa-Sonde "Mars Reconnaissance Orbiter" Details von der Größe eines Bürostuhls erfassen und faszinierende Landschaftsaufnahmen zur Erde funken. An denen interessiert die Wissenschaftler vor allem eins: Wasser.

Forscher Scott Murchie sagte, Lehmablagerungen und Schichten von Eis und Schmutz (wie am Nordpol des Planeten) würden auf "dynamische Klimaveränderungen" vor relativ kurzer Zeit hinweisen. Murchie sprach von 100.000 Jahren - geologisch gesehen eher ein kurzer Zeitraum.

Auf der Südhalbkugel schmilzt Frost ab

Besonders die Lehmablagerungen haben es den Forscher angetan. In dieser feuchten Umgebung könnte einst Leben existiert haben. Und zumindest Spuren von Wasser finden sich heute noch allenthalben auf dem Mars. Kleine Hügel und Rinnen in der Nähe eines namenlosen Kraters in der Region Terra Sirenum auf der Südhalbkugel des Mars zeigten etwa abschmelzenden Frost. Wasser müsse in diese Gegend geflossen sein, sagt der wissenschaftliche Leiter der Mission, Alfred McEwan: "Dieses Wasser kommt aus der geologischen Gegenwart."

Mit Hilfe seines Spektrometers konnte die Sonde Aufnahmen aus Marstälern analysieren. Die Forscher folgern, dass Sedimente sich in einer Vielzahl unterschiedlicher Bedingungen abgelagert haben. Murchie nannte stehendes Wasser und Flüsse als Beispiele.

Erst im vergangenen Monat war der "Mars Reconnaissance Orbiter" in eine tiefere Umlaufbahn gelenkt worden, um die genauen Einblicke überhaupt zu ermöglichenn. Das unbemannte Raumschiff sucht bei seinem Flug um den Nachbarplaneten auch nach geeigneten Landestellen für die Sonde "Phoenix Mars Lander", die 2008 auf der Oberfläche des Mars aufsetzen soll. Im darauffolgenden Jahr plant die US-Raumfahrtbehörde Nasa, das "Mars Science Laboratory" hinterherzuschicken. Es wird eine größere Version der Mars-Roboter "Spirit" und "Opportunity" sein, die seit 2004 über die Oberfläche des Planeten rollen und erst kürzlich aufsehenerregende Aufnahmen vom Rand des Kraters Cap Verde geliefert hatten.

stx/dpa/rtr



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